KEB

Freitag, 24. Juni 2022

Campino zum 60.

Am 22. Juni wurde Campino 60. Campino? Campino ist Sänger und Frontmann der Toten Hosen. Die Toten Hosen? Nun ja. Eine Punkband. Die deutsche Punkband. Die Toten Hosen feiern ebenfalls: Sie feiern vierzigjähriges Bestehen und sind aktuell auf ihrer Jubiläumstour „Alles aus Liebe“.

Alles aus Liebe? Wer denkt da nicht sofort an Johannes 3,16? „Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab.“ Abwegiger Gedanke?

Wenige Tage vor Campinos rundem Geburtstag, am vergangenen Samstag, waren Die Toten Hosen in München zu erleben und mehr als 30.000 Besucher*innen machten sich hierfür auf den Weg ins Olympiastadion. Sie feierten, tanzten, waren ausgelassen, beseelt, bekamen Gänsehaut und forderten Zugabe um Zugabe. Vom erschöpften Kind, das gegen 23 Uhr schlafend vom Papa aus dem Stadion getragen wurde, bis zu Rentner*innen gab es über viele Altersstufen große Begeisterung und strahlende Gesichter.

Große Begeisterung. Ausgelassenheit. Freude. Die Band spielte knapp 30 Lieder und in mindestens einem Drittel dieser Lieder greift sie Themen und Fragen auf, über die auch die christlichen Kirchen gerne sprechen. Oberflächlich betrachtet mindestens ein Drittel. Würde man die Texte genauer studieren, käme man sicher auf einen höheren Anteil.

„Ich will nicht ins Paradies, wenn der Weg dorthin so schwierig ist“ lautet ein Refrain von Paradies und endet mit „Wenn ich nicht rein darf, wie ich bin, bleib ich draußen vor der Tür“.

Alles aus Liebe thematisiert nicht die Menschwerdung Jesu. Die oben formulierte Assoziation war zwar nicht abwegig, aber trotzdem nicht zutreffend. Tatsächlich dreht sich das Lied um Eifersucht und (fehlendes) Vertrauen. Alltag eben, wie ihn Menschen erleben.

Wahrheit ist ein großes religiöses Thema. Man kann innerhalb der Wahrheit und außerhalb der Wahrheit stehen, wird gelegentlich gepredigt. Wo findet man die Wahrheit? Ist Wahrheit das, was alle sagen? Alle sagen das ist ein Lied über Gerüchte.

Niedergeschlagenheit und Verzweiflung gegenüber Hoffnung und Zuversicht thematisiert Steh auf, wenn du am Boden bist.

Fast wie ein Glaubensbekenntnis („Ich glaube…“) liest sich Wünsch dir was und bringt die Hoffnung auf eine gerechtere, bessere Welt zum Ausdruck.

In Auswärtsspiel sind vordergründig lediglich die Siegchancen der eigenen Mannschaft gering. Doch tatsächlich geht es um die viel grundsätzlichere Frage, auf der richtigen Seite zu stehen, sich zu entscheiden, wofür man stehen möchte: „Irgendwann kommt für jeden mal der Tag, an dem man sich entscheiden muss, auf welcher Seite man im Leben ist, auch wenn es noch so sehr weh tut.“

Vollkommenes Glück, für das man sich Unendlichkeit wünscht, wird in Tage wie diese aufgegriffen.

Soweit ein kleiner Auszug der „Predigtreihe“ im Drei- bis Fünf-Minuten-Takt der Lieder.

Mehrere Zehntausend Menschen fühlten sich im Stadion von diesen und weiteren Liedern angesprochen. Sie singen mit (kennen also die Texte) und zeigen ein hohes Maß an Identifikation. Ja, das ist alles nicht theologisch ausgefeilt, es ist Punk – aber es ist bemerkenswert, welche Resonanz Die Toten Hosen mit ihrer Musik erzielen. Und mit einer Sprache, die die Menschen verstehen. Da lässt sich was lernen…

Herzlichen Glückwunsch Campino zum 60.

Herzlichen Glückwunsch Die Toten Hosen zum 40.

Bei der nächsten Predigtreihe / Tournee bin ich wieder dabei.

You never walk alone: „...with hope in your heart.“

 

Ingo Faus
Leiter der Abteilung Erwachsenenbildung und Hochschulen

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