Stiftung Mutter und Kind

Donnerstag, 31. März 2022

Steigende Ansprüche an Elternschaft setzen Familien unter Stress

Marlies Kohnle-Gros, Vorsitzende der Bischöflichen Stiftung für Mutter und Kind, die Moderatorin der Diskussion, Kerstin Hofmann von der Familienbildung im Heinrich-Pesch-Haus, Bernhard Speidel, Psychologe des Caritas-Zentrums Pirmasens, Birgit Mock, Vizepräsidentin des Zentralkomitees des deutschen Katholiken und Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann sprachen über die besonderen Herausforderungen für Familien und den Druck, unter dem sie stehen.

Podiumsgespräch der Bischöflichen Stiftung für Mutter und Kind beleuchtet Situation von Familien – Corona hat zusätzlichen Druck geschaffen

"Familienleben unter Druck" war der Titel eines Podiumsgesprächs der Bischöflichen Stiftung für Mutter und Kind im Heinrich-Pesch-Haus in Ludwigshafen am Montag. Warum sind Familien heute so belastet? Was setzt sie unter Druck? Und was wäre die richtige Hilfe? Diese Fragen diskutierten drei Teilnehmer:innen auf dem Podium.

"Es sind steigende Anforderungen, eine steigende Diversität von Familien und die steigende soziale Ungleichheit", zitierte die Sozialwissenschaftlerin Dagmar Müller, Geschäftsführerin des 9. Familienberichts der Bundesregierung vom Deutschen Jugendinstitut München aus dem Bericht. Sie war per Videoschalte aus München zugeschaltet. "Steigende Ansprüche und Anforderungen sind die Folge einer Intensivierung von Elternschaft: die Kindzentrierung der Familien, der Anspruch, das Kind partnerschaftlich zu erziehen, der Einfluss von Medien und Digitalisierung, die Bedeutung von Bildung für gesellschaftliche Aufstiegschancen, der innerfamiliäre Abstimmungsbedarf, wenn beide Eltern berufstätig sind, das alles sind Stressfaktoren", zählt Müller auf. Was die Gesellschaft und die Politik von Eltern erwarte, habe man ja besonders während der corona-bedingten Kita- und Schulschließungen gesehen. 

"Dazu kommen besondere Herausforderungen durch eine steigende Diversität von dem, was Familie heute kulturell und strukturell ist."  Zwar sei das Familienmodell "Mutter, Vater, ein bis zwei Kinder" immer noch das am häufigsten gelebte, aber die Zahl der Alleinerziehenden, der Patchwork- oder Stiefkindfamilien, der Familien mit sich kulturell stark unterscheidendem Migrationshintergrund, der Pflegefamilien und der gleichgeschlechtlichen Ehen mit Kindern nähmen stark zu. Diese diversen Familienformen bedeuteten auch diverse Herausforderungen. "Und natürlich setzt die steigende soziale Ungleichheit Familien massiv unter Druck. Für sozio-ökonomisch schlechter gestellte Familien bedeutet die ständige Sorge ums Geld massiven Stress", erläuterte Müller. "Nachweisbar ist in den vergangenen Jahren die Zeit gestiegen, die sowohl Väter als auch Mütter mit ihren Kindern verbringen, die Mütter auffallend mehr als die Väter. Dennoch, wenn man Eltern befragt, sagen sie, dass sie denken, sie verbringen zu wenig Zeit mit ihren Kindern."

Birgit Mock, Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und Vizepräsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes sieht auch die Arbeitgeber in der Verantwortung: "In jeder Erwerbsbiographie gibt es verschiedene Phasen. Wir brauchen atmende Lebensläufe und die Flexibilität der Arbeitgeber. Es braucht ein Recht aus Teilzeit mit Rückkehrrecht zur Vollzeit. Und die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern in Führungspositionen ist nicht akzeptabel", fordert Mock. Care-Arbeit, die Pflege älterer Angehöriger und das Erziehen und Versorgen von Kindern, dürften nicht dazu führen, dass bei gleichzeitiger Berufstätigkeit eine gute Selbstfürsorge nicht mehr möglich sei. "Ein Leben findet auch außerhalb des Erwerbslebens statt. Wenn jemand in eine Krise gerät, dann müssen Arbeitgeber ihn oder sie freistellen. Und die Kultur in Team muss so sein, dass Kolleg:innen bereit sind, das mitzutragen." Um Familien zu stärken sei auch die Kirche als Arbeitgeber gefordert, so Mock. 

Der Psychologe Bernhard Speidel, Erziehungs-, Ehe- und Lebensberater im Caritas-Zentrum Pirmasens sorgt sich um die Kinder und Jugendlichen: "Ich bin noch nie vorher so vielen Kindern und Jugendlichen in Not begegnet. Sie sind ängstlich und depressiv, manchmal auch aggressiv, verweigern den Schulbesuch oder betäuben sich mit Drogen", berichtete es aus seiner beruflichen Praxis. "Familien brauchen Liebe, Freude, Mitgefühl. Und Eltern brauchen starke Nerven für Kinder, die manchmal sehr fordernd sein können. Und wir sollten den Stressfaktor Handy und Computer nicht unterschätzen. Diese Geräte verändern das Familienleben enorm." Er plädierte dafür unterschiedliche Vorstellungen von Erziehung auszuhalten und auszuhandeln und in den Mittelpunkt die Gewissheit zu stellen: Ich bin für dich da! Sowohl die Partner untereinander, als auch die Eltern für das Kind. Speidel sprach sich auch stark für das Erleben von Gemeinschaft aus: "Austausch, Gruppenangebote und -aktivitäten, Mitmachen im Sportverein und das Erfahren von Zusammenhalt können Familien manchmal mehr stärken, als Fachleute aus der Beratung. Durch den Rückzug ins Private während der Pandemie ist der Druck auf Familien noch mehr gewachsen." 

Bischof Karl-Heinz Wiesemann fasste am Ende zusammen: "Wir erleben gerade gewaltige gesellschaftliche Umbruchprozesse, die in den Familien bewältigt werden müssen. Gleichzeitig sind wir von einem viel zu negativen Menschenbild geprägt. Der Mensch muss nicht immer optimiert werden." Auch die Religion habe ein negatives Menschenbild als den sündigen Menschen geprägt. "Aber Menschen wollen von innen heraus positiv wirken. Die Schöpfung steht vor dem Sündenfall. Für uns bedeutet das, dass wir die Vielfalt der Lebenswirklichkeiten von Familien annehmen und wertschätzen müssen." Er wünsche sich für Familien mehr Mut zur Wirklichkeit, die immer eine gebrochene Wirklichkeit sei, und dass Menschen sich nicht dem Druck einer Überidealisierung aussetzen. "Wir sollten den Menschen etwas zutrauen und wir sollten der Gemeinschaft etwas zutrauen, und als Kirche für die Menschen da sein, gerade in der Krise." 

Per Video zugeschaltet war die Sozialwissenschaftlerin Dagmar Müller, Geschäftsführerin des 9. Familienberichts der Bundesregierung vom Deutschen Jugendinstitut München. 

Was brauchen Familien? Darüber sprach Moderatorin Kerstin Hofmann von der Familienbildung im Heinrich-Pesch-Haus mit dem Psychologen des Caritas-Zentrums Pirmasens, Bernhard Speidel, und der Vizepräsidentin des Zentralkomitees des deutsche Katholiken, Birgit Mock. 

Text und Foto: Melanie Müller von Klingspor / Klaus Landry

Diese Meldung und weitere Nachrichten von Stiftung Mutter & Kind
finden Sie auf folgender Internetseite: www.fuer-mutter-und-kind.de

Artikel teilen:

Bildungshaus Heilsbach
05.09.20

Danke an Peter Schaumburger für unser neues...

"Seit dem 04.09.2020 erwartet euch ein neues Highlight bei uns unter dem Motto...
Bildungshaus Heilsbach
01.09.20

Achtung geänderte Verkehrtsführung

Ab dem 31.08.2020 ist die Anfahrt über Rumbach gesperrt !
Dom zu Speyer
08.06.17

Veränderte Dom-Öffnungszeiten

Restaurierung der Afrakapelle wirkt sich auf die Öffnungszeit des Doms aus
Dom zu Speyer
04.06.17

Öffnungszeiten des Doms über Pfingsten

Gottesdienste und Feierlichkeiten zum Bistumsjubiläum
Treffer 47 bis 48 von 48
Dombauverein
26.10.19

Das letzte Hemd der Kaiser

Vortrag von Sabine Kaufmann im Rahmen des Wissenschaftlichen Forum s des...
Dombauverein
25.10.19

Kunstmarkt im Ägidienhaus

Sonntag, 17. November 2019, von 10.00 bis 16.00 Uhr, St. Joseph, Ägidienhaus,...
Katholikenrat
22.01.21

Vollversammlung des Katholikenrates

digitale Zusammenkunft am 27.01.2021
Katholikenrat
16.12.20

Frohe und gesegnete Weihnachten!

Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr...
KEB
17.05.22

Tagesfahrt: "Magenza" – Jüdisches Leben in Mainz im...

Am 9. Juni 2022 findet auf den Spuren jüdischen Lebens eine Tagesfahrt nach Mainz...
Hochschulgemeinden
27.05.22

Klettern

im Fun Forest Kandel
Hochschulgemeinden
15.06.22

Jüdisches Speyer

Führung durch das SCHUM-Weltkulturerbe
Kirchenmusik
16.11.21

ZDF-Gottesdienst aus Winnweiler am 1. Advent 2021

"Wohin geht die Reise?" Am 1.Advent 2021 laden wir Euch gemeinsam mit dem ZDF...
Kirchenmusik
02.11.21

Musik im Advent

Innehalten – zur Ruhe kommen – Besinnen – Singen und Hören
Treffer 47 bis 27 von 27
Treffer 47 bis 4 von 4