KEB

Donnerstag, 24. Februar 2022

Kinder des Friedens

Photo by Sunguk Kim on Unsplash

Ich bin ein Kind des Friedens.

Natürlich, Konflikte gibt es immer. In der Familie, in der Welt. Und doch kenne ich nur den Frieden in Europa. Ein Krieg ist für mich weit weg. Ich kenne ihn aus dem Geschichtsbuch, aus dem Fernsehen, ich bin sogar spät genug geboren, um von den Bedrohungen des Kalten Krieges nur noch durch Erzählungen zu wissen.

Ich bin ein Kind des Friedens.

Ich habe Angst vor vielen Dingen: Davor, dass meinen Liebsten auf langen Autofahrten etwas zustößt. Davor, dass die Kirche sich nicht ändern kann (oder will?). Davor, dass der Mensch die Erde – und damit sich selbst – zugrunde richtet. All das ist auf die eine oder andere Art bedrohlich.

Und doch: Vor Bomben muss ich keine Angst haben – zumindest noch nicht.

Aber ich mache mir Sorgen. Ich sehe, wie sich Soldaten in Bewegung setzen, wenn ein Präsident ruft. Ich sehe, wie Politiker*innen sorgenvoll ihre Stirn in Falten legen, wenn sie gen Russland schauen. Ich sehe, wie Menschen bangen und Kinder in der Ukraine Gefahr laufen, um ihre Kindheit gebracht zu werden…

Seit heute sind sie keine Kinder des Friedens mehr.

Es ist eingetreten, wovor so viele gewarnt haben: Russland greift die Ukraine an. Der Krieg ist zurück in Europa. Politiker*innen rufen zur Beruhigung auf, verurteilen die Lage, sichern Solidarität zu.

Und trotzdem scheint die Situation aus dem Ruder zu laufen. Ein Mensch agiert, wie es noch vor wenigen Tagen unmöglich schien, lässt – angestachelt durch Machtphantasien und seinen verschrobenen Blick auf die Welt – der Eroberungswut freien Lauf.
Das genügt, um der zierlichen Taube ihre Flügel zu brechen.

Wollten wir nicht alle Kinder des Friedens sein?

Was bleibt noch angesichts der Fratze, die sich im Funkenflug der Bomben offenbart? Ich kann doch nicht viel tun, die große Macht der Weltpolitik liegt in anderen Händen.

Und doch kann ich dafür eintreten, dass der Frieden, der lange Jahre so selbstverständlich war, wieder als wertvolles Gut ins Bewusstsein tritt – in meines und in das meiner Mitmenschen.
Ich kann meine Stimme erheben und rufen: Der Frieden ist niemals verhandelbar!
Und als Christin kann ich zu dem beten, von dem ich glaube, dass er immer und überall da ist:


Gott,

du hast unzählige Kriege auf deiner Erde gesehen.
Du weißt, wie lebensfeindlich Machtgier und Hass sein können.
Du kennst Leid und Schmerz, die ihre fahle Hand ausstrecken nach allem, was glücklich und voller Lebensfreude war.

Deshalb bitte ich dich:
Halte deine schützende Hand über alle Menschen in der Ukraine und in den Kriegsgebieten dieser Erde.
Schenke den Staatenlenker*innen Klugheit, Weitsicht und Güte in ihren Verhandlungen.
Lass in mir und anderen die Hoffnung keimen, dass alles gut werden kann.

Gott, mach uns zu Botschaftern des Friedens.

Amen

 

Gedanken von Sonja Haub
Bildungsreferentin der KEB Pfalz

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