Dombauverein

Freitag, 17. Oktober 2025

In schwindelnder Höhe - aus der Nähe betrachtet

Das 2. Wissenschaftliche Forum mit dem Vortrag zu Planung und Konstruktion der mittelalterlichen Gewölbe von Notre-Dame de Paris war wieder sehr gut besucht.

Der Bau der hohen Gewölbe über Chor und Mittelschiff von Notre-Dame de Paris in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts war ein Meilenstein in der Entwicklung des gotischen Gewölbebaus. Beim Brand des Daches 2019 wurden die Gewölbe in einigen Teilen schwer beschädigt. Beeindruckend waren die Fotos der gigantischen Gerüste, die für den Wiederaufbau von Mittelschiff und Chor benötigt wurden. Sie boten nun die Gelegenheit die Bauweise der Gewölbe in dieser Zeit näher zu betrachten und Konstruktion und Planung dieser Gewölbe besser zu verstehen. Prof. David Wendland und sein Team durften vor Ort die Gewölbe begutachten und fanden perfekt zugehauene Steine in einem sehr komplexen Mauerverband vor.  

Einen Teil der Gewölbe haben sie in ihrem Stereotomie-Labor (Stereotomie: Lehre vom Steinschnitt) der BTU Cottbus-Senftenberg nachgebaut. Rippen und Schalen des Gewölbes wurden hier aus Werkstein gemacht. Die Rippen wurden aus einzelnen präzis bearbeiteten profilierten Blöcken aufgebaut, die zu einem Blockmauerwerk zusammengefügt wurden. Der Bau der Schalen war am Scheitel der Gewölbe ausgerichtet und wurde entlang von Holzlatten ausgeführt, die man auf die Rippen legte. Hochinteressant waren die schwach erkennbaren Hilfslinien, die noch auf den Abakusplatten zu finden waren. Diese feinen Ritzlinien waren für den passgenauen Bau des Gewölbes notwendig. Die Kreuzrippen waren perfekte Halbkreise und der Schlussstein in der Mitte, der nebst schmückender Köpfe ca. 1 Tonne wiegt, hatte eine wichtige Funktion für die Stabilität des gesamten Gewölbes.

Am Schluss seines Vortrages führt uns der Vortragende nach Speyer zu den Bandrippen im Querhaus. Erstmalig wurde bei dem Wiederaufbau der Ostseite des Speyerer Domes unter Heinrich IV. die bis dahin üblichen Kreuzgradgewölbe durch Kreuzrippengewölbe, bzw. genauer gesagt Bandrippengewölbe ersetzt. Noch hat man in einem romanischen Bau keine profilierte Kreuzrippe, sondern eine einfache flache Bandrippe. Die bedeutende stabilisierende Funktion des Schlusssteins in der Gewölbemitte musste erst noch entwickelt werden, aber ein perfekter Gewölbeverband ist ebenfalls bei den kleinen Wandkapellen des Querhauses oder den Nischen in der Apsis zu finden.

Die Spannweite des Gewölbes von Notre Dame de Paris mit ca. 12 m (40 Fuß) bei einer Höhe von 33 m (100 Fuß) hat die gleiche Abmessung wie in Speyer. Das kann kein Zufall sein, so der Referent.

2023 hielt Prof. David Wendland bereits einen Vortrag über die Gewölbe des Speyerer Doms.

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