Katholikenrat

Montag, 18. November 2024

„Weltsynode gibt notwendigen Veränderungen Rückenwind“

Mit der Zustimmung des Papstes zum Abschlussdokument der Weltsynode sind die Beratungen in Rom zu Ende gegangen. „Es ist eine kleine Sensation, dass Papst Franziskus so gehandelt hat“, sagt Dr. Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). „Indem er auf ein Nachsynodales Schreiben verzichtet, gibt er der Weltsynode eine große Bedeutung im synodalen Prozess. Ihre Beschlüsse sollen in der Weltkirche direkt umgesetzt werden.“

Symbolisch stehe dieses Handeln „für die neue Wertschätzung der Synodalität, die Papst Franziskus zu einem Schlüsselbegriff seines Pontifikats gemacht hat. Deutlich zu erkennen ist aber nach wie vor, dass auch diese Weltsynode eine Bischofssynode war“, sagt Stetter-Karp. „Die Beteiligung von Laien, wie sie der Papst angeordnet hatte, hat die Gesprächskultur verändert und die Vielfalt der Welt stark gemacht. Aber sie ging nicht so weit, aus der unveräußerlichen Würde jedes Menschen auch eine konsequente Gleichrangigkeit der Geschlechter abzuleiten. Es verwundert daher nicht, dass es zu den Formulierungen des Schussdokuments in dieser Frage sehr viele Gegenstimmen gab.“

Konkret nennt Stetter-Karp „die noch immer unveränderte Anthropologie der Kirche, die Frauen für ihre Mütterlichkeit, ihre Leidensfähigkeit und Warmherzigkeit wertschätzt, nicht aber für Fähigkeiten des Führens, des Entscheidens, der Bekleidung kirchlicher Weiheämter“. Für sie sei es „eine Enttäuschung, dass sich der große Anspruch, die Kirche wolle zuhören lernen, an dieser Stelle als Leerformel erweist. Es ist offenbar kein ausreichender Wille da, die offene Diskriminierung zu beenden.“

Prof. Thomas Söding, Vizepräsident des ZdK und als theologischer Experte Begleiter und Beobachter der Weltsynode, sieht hier trotz allem eine Veränderung auf dem Weg. „Im Abschlussdokument wird eingeräumt, dass Frauen in der Kirche weiter auf Hindernisse für eine umfängliche Anerkennung stoßen. Zugleich heißt es darin aber auch, es gebe keinen Grund, warum sie nicht ‚führende Rollen in der Kirche‘ übernehmen sollten. Es sei ein Verdienst der Synode, dass die Frage der Weihe von Diakoninnen offengehalten worden sei. „Es gab den Versuch, den Zugang von Frauen zu Weiheämtern endgültig zu verschließen. Damit kamen jene, die das wollten, aber nicht durch. Und sie werden damit niemals mehr durchkommen. Das Thema steht auf der Agenda, und es wird zu einem Ergebnis führen. “

Söding sieht in der intensiven Auseinandersetzung der Synode mit den Beteiligungsrechten der Laien und den Rechenschaftspflichten der Bischöfe einen „großen Schritt zu einer synodalen Kirche“. Allerdings seien unterschiedliche Formen des Miteinanders weltweit schon deshalb zu erwarten, „weil das Dokument hier Interpretationsspielraum lässt“. Es sei für die katholische Kirche in Deutschland, die einen mehrjährigen synodalen Weg zurückgelegt habe und ihn weiter gehe, naheliegend, „dass wir nicht dabei stehen bleiben, dass Bischöfe Laien konsultieren, bevor sie Entscheidungen treffen. Wir sind im Prozess des Synodale-Kirche-Werdens an einer Stelle, an der wir sagen: Wir wollen gemeinsam beraten und entscheiden.“

Stetter-Karp sieht dies ebenso und erinnert an den Beginn des Synodalen Weges in Deutschland. „Das Grauen des Missbrauchsskandals war der Auslöser für gemeinsame Beratungen und Beschlüsse. Wir sehen uns hierzulande in der Pflicht, auch die Strukturen der Kirche anzuschauen. Sie sind mit eine Ursache dafür, dass Machtmissbrauch, sexuelle Gewalt und Vertuschung so lange geschehen konnten. Auf der Weltsynode ist dieses Thema aber so gut wie gar nicht durchleuchtet worden. Das ist ein wirklicher Mangel, und es beunruhigt mich. Denn es heißt, dass aus Rom keine Aufforderung in die Welt gesandt wird, den Zusammenhang zu sehen und entsprechenden Veränderungen herbeizuführen.“

Stetter-Karp und Söding sind sich einig darin, dass auch Nicht-Erreichtes nicht darüber hinwegtäuschen dürfe, dass die Weltsynode dem synodalen Prozess insgesamt einen deutlichen Schub gegeben habe. „Überall auf der Welt heißt es nun, aus den Worten Taten werden zu lassen. Es hat mich sehr gefreut, dass der Papst in seiner Abschlussrede an markanter Stelle Madeleine Delbrel zitiert hat. Für mich ist sie ein leuchtendes Beispiel dafür, dass Wort und Tat, Herz und Hand gebraucht werden, um die Welt zum Besseren zu verändern“, sagt die ZdK-Präsidentin. Und Vizepräsident Thomas Söding sieht im Text der Weltsynode „schon deshalb etwas Gelungenes, weil er den Prozesscharakter des synodalen Weges betont. Er fasst die gemeinsame Verantwortung ins Wort, die alle einbindet.“

Text: ZdK

 

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