KEB

Montag, 08. Februar 2021

Purim – Fastnacht – …und im Jahr 2021 Corona

Fortlaufend zu den Themen der Plakatkampagne #beziehungsweise gibt es an dieser Stelle Impulse zum Weiterdenken. Im Februar macht dies zum zweiten Plakat Purim beziehungsweise Karneval Pastoralreferentin Luise Gruender von der Katholischen Hochschulgemeinde Landau/Germersheim/Speyer.

Purim – Fastnacht – …und im Jahr 2021 Corona

Verkleiden, Süßigkeiten, buntes Treiben und die Errettung vor dem bösen Hamam. Das hört sich vor allem jetzt in Zeiten der Corona-Beschränkungen äußerst attraktiv an.

Unsere jüdischen Mitbürger*innen feiern am 26. Februar das Purim-Fest. Oft wird an diesem Tag ein Theaterstück aufgeführt, das die Geschichte des Festes erklärt:

Perserkönig Ahaveros wurde von seinem Minister Hamam angestachelt, alle Juden in seinem Reich umbringen zu lassen. Dies sollte an einem besonderen Tag, den er durch das Los (= Purim) bestimmte, geschehen. Esther, die jüdische Ehefrau des Königs, erfuhr rechtzeitig davon. Sie fastete drei Tage lang und ließ die jüdischen Bewohner der Hauptstadt Susa dasselbe tun. So fühlte sie sich gestärkt und wagte es, den König in dieser brisanten Angelegenheit umzustimmen. Es gelang. Die Juden erhielten die Erlaubnis, sich an dem vom Los bestimmten Tag zu wehren und um ihr Leben zu kämpfen.

Deshalb findet noch heute vor Purim das Esther-Fasten statt. Am Festtag selbst wird ein Gedenkgottesdienst abgehalten. Es werden Musikinstrumente und Süßigkeitstüten in die Synagoge mitgenommen. Immer wenn während der Bibellesung der Name Hamans fällt, wird mit Rasseln kräftig Lärm gemacht. Alle sind fröhlich und essen gemeinsam die „Hamamtaschen“, die die Ohren des bösen Ministers Hamam darstellen sollen. Die Kinder kostümieren sich und dürfen in der Synagoge richtig laut sein.

Als Christen feiern wir – dieses Jahr am 15. und 16. Februar – seit etwa 800 Jahren Fastnacht. In seinen Anfängen war es ein Fest für die reichen Leute, die bei üppigen Gastmählern, Musik und Tanz für die kommende Fastenzeit vom sonstigen fröhlichen Leben Abschied nahmen. Für junge Adlige gab es Reiterspiele oder Fastnachtsspiele, die Schauspieler auf Märkten oder öffentlichen Plätzen aufführten. Daraus entwickelten sich im Spätmittelalter erste Maskenumzüge. Die Menschen wollten mit furchterregenden Fratzen die bösen Geister erschrecken und mit Rasseln und Pfeifen vertreiben. Große Freudenfeuer sollten alles Kalte und Dunkle vertreiben. Menschen feiern ausgiebig, tauschen dabei oft die Rollen, Politiker werden als Karikaturen auf die Straße geholt. Bei der Weiberfastnacht übernehmen die Frauen das Regiment über die Männer und machen sich einen Spaß daraus, ihnen Streiche zu spielen. Viele regional verschiedene Bräuche sind bis heute Höhepunkte im Gemeinschaftsleben der Dörfer und Städte, bevor die Fastenzeit beginnt.

Und dieses Jahr verbietet wohl der Schutz vor dem Coronavirus beide Traditionen des Feierns.

Trotzdem gilt: Purim feiert die Rettung des jüdischen Volkes vor der Vernichtung durch ein staatlich organisiertes Pogrom. Und im Karneval werden herrschende Verhältnisse auf den Kopf gestellt, bis am Aschermittwoch die Fastenzeit beginnt.

Deshalb gilt auch 2021 trotz aller Beschränkungen: „Auf das Leben – L’Chaim, Helau und Prost!“: „Wir trinken auf das Leben“, wie es auf dem vorliegenden Plakat so schön heißt, wenigstens im Kreis unserer Liebsten, denn wie wichtig das Leben ist, das erfahren wir zur Zeit besonders.

Diese Meldung und weitere Nachrichten von Katholische Erwachsenenbildung
finden Sie auf folgender Internetseite: www.keb-speyer.de

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