Ludwigshafen
Pfarrei Hll. Petrus und Paulus

Montag, 20. Juni 2022

Nur zusammen sind wir die Kirche in der Stadt

Erstmals seit zwei Jahren gemeinsames Räte-Wochenende

Mehrfach war es verschoben worden, am Wochenende zwischen Pfingsten und Fronleichnam fand es dann doch endlich statt: Zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren trafen sich das Pastoralteam und die Mitglieder der pfarrlichen Gremien zum gemeinsamen „Räte-Wochenende“. Bewährter Tagungsort war, wie schon mehrfach vor der Pandemie, das Herz-Jesu-Kloster in Neustadt. Neu war, dass wir uns nicht am Beginn der Fastenzeit trafen, also zu einer Zeit, zu der am Haardtrand der Winter noch nicht ganz vorbei ist, sondern an einem wunderbaren Sommerwochenende, das uns mit Mahlzeiten auf der Terrasse des Tagungshauses, Diskussionsrunden im weitläufigen Klosterpark und einem Open-Air-Gottesdienst im ehemaligen Steinbruch ganz neue Erlebnisse ermöglichte.

Inhaltlich kreisten die Gespräche vor allem um den Begriff der „Stadtkirche“ und um unser Selbstverständnis als Gemeinden. Wir haben festgestellt, dass „Stadtkirche“ nicht nur eine Bezeichnung für die Pfarrkirche St. Ludwig in der Innenstadt ist, sondern dass dieser Begriff eine wichtige Facette im Leben aller unserer Gemeinden beschreibt. Wir sind Kirche in der Stadt. Die Gesellschaft, in der wir leben, ist multikulturell und multireligiös – und sie ist gekennzeichnet von hoher Fluktuation. Wir sehen, dass wir weniger werden. Aber wir sehen in unseren Gottesdiensten auch immer wieder neue Gesichter. Manche bleiben dauerhaft, manche sind irgendwann wieder weg. Nur wenige interessieren sich für die feinen Verästelungen des deutschen Gremien-Katholizismus, aber alle freuen sich über ein freundliches Wort. Letzteres war auch eine wichtige Erfahrung aus der Arbeit des Empfangsdienstes. Und vielleicht ist das ja tastsächlich eine positive Lehre aus der Corona-Pandemie: Dass wir als Kirche eine Grundhaltung der „Empfangsbereitschaft“ einnehmen.

Diese Offenheit für andere war auch ein wichtiger Aspekt, als wir, zunächst nach Gemeinden getrennt, versuchten die Frage des Pfarrers zu beantworten, was uns eigentlich als Gemeinde ausmacht. „Wir sind eine Gemeinschaft von Leuten, die aus christlichem Verständnis heraus für andere da sind“, lautete die Antwort aus St. Ludwig. „Wir sind eine offene Gemeinschaft für Begegnung im christlichen Glauben“, formulierte Herz Jesu. Und aus St. Sebastian kam die Definition: „Wir sind eine Gemeinschaft, die sich zusammengehörig fühlt und die getragen ist von gemeinsamen Gottesdiensten und der Weitergabe des Glaubens.“

Es waren durchaus unterschiedliche Akzente, die da gesetzt wurden, aber bei allen drei Gemeinden war klar: es geht um Gemeinschaft, es geht um die Verwurzelung im Glauben, und diese Gemeinschaft kann und will sich selbst nicht genug sein: Sie ist offen, sie will für andere da sein, sie will den Glauben weitergeben.

In der gemeinsamen Diskussion kamen noch einige Punkte hinzu. So wurde zum Beispiel immer wieder darauf hingewiesen, dass jede Gemeinde einen festen Ort braucht, um als Gemeinschaft existieren zu können. Und dass dieser Ort natürlich sichtbar sein muss, weil am Ende die schönste Haltung der Offenheit und Empfangsbereitschaft nichts nutzt, wenn uns niemand sieht und findet. Am Ende haben wir es tatsächlich geschafft, das alles in einen Satz zu packen:

„Gemeinde ist ein sichtbarer Ort für eine Gemeinschaft im christlichen Glauben, die füreinander und für andere da ist und Räume für Begegnungen bietet auf der Basis von Gottesdiensten und der Weitergabe des Glaubens.“

Zeit und Raum für Begegnung – das trifft auch auf das Räte-Wochenende selbst zu. Bei einem Ausflug zum Hambacher Schloss und bei zwei geselligen Abenden gab es reichlich Gelegenheit zum persönlichen Austausch und Gespräch. Das war nach der langen Corona-Pause wichtiger denn je.

Der Sonntag nach Pfingsten ist der Dreifaltigkeitssonntag. Dass Gott „dreifaltig einer ist“,  dass drei Personen „eines Wesens“ sind – das ist für unseren Verstand nur schwer zu begreifen. Aber vielleicht erfahren wir in unserer Pfarrei ja gerade etwas ganz ähnliches: Jede unserer Gemeinden hat ihre ganz eigene „Persönlichkeit“. Aber nur zusammen sind wir die Kirche in der Stadt.

Thomas Güß

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