Landau
Pfarrei Mariä Himmelfahrt

Sonntag, 17. Mai 2026

Rückblick auf den 50. Landauer Hungermarsch

Trotz Regen große Teilnahme

 

Landauer Hungermarsch: In 50 Märschen 15 Mal um die Erde gelaufen

Zum 50. Mal hat am Feiertag Christi Himmelfahrt, 14. Mai, der Landauer Hungermarsch stattgefunden. Die Solidaritätsveranstaltung, die erstmals 1977 organisiert wurde, zog 2026 mehr als 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, trotz durchwachsenen Wetters.

Wie immer war ein festlicher Gottesdienst in der Landauer Marienkirche der Auftakt für den Tag. Zum Jubiläumsmarsch leitete der Speyerer Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann die Feier. Annel Jung, die als Mitinitiatorin des Marsches von Anfang an mit dabei war, sprach in ihren Eingangsworten von einem „Wunder, dass es den Marsch noch immer gibt. Das zeigt, dass Gottes Segen auf dem Hungermarsch ruht.“ Gegen Hunger in der Welt, gegen Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit gelte es anzugehen, zeigte sich Jung kämpferisch. „Wir reißen Zäune nieder und überwinden Grenzen. Und wir geben die Hoffnung nicht auf, trotz allem, wie es aktuell in unserer Welt läuft.“

Grenzen überwinden, Freundschaften knüpfen, zu Partnern werden. Dies waren in 50 Jahren die Ziele des Marsches sowie des erst in den Folgejahren gegründeten Hungermarschvereins. Einige der Freunde und Partner aus Afrika waren auch zum Jubiläumsfest nach Landau gekommen. Darunter Schwester Genovefa Maashao aus Voi, Kenia, die schon seit 40 Jahren Projektpartnerin der Landauer ist. Weitere Gäste waren Bischof Augustin Shao von Sansibar sowie Bischof Rogath Kimaryo aus Same in Tanzania. Die drei Gäste sprachen in ihren Grußworten davon, dass jeder einzelne Schritt eines Menschen die Welt verändern könne.

 

In 50 Marschveranstaltungen mit so zahlreichen Teilnehmenden sind eine ganze Menge Schritte zusammengekommen. Dekan Axel Brecht, der Pfarrer an der Marienkirche, hat nachgerechnet und grob überschlagen und kam auf rund 15 Erdumkreisungen zu Fuß, wie er augenzwinkernd darlegte. Das mache den Landauer Hungermarsch im Bistum Speyer zu einer der größten Aktionen dieser Art, betonte Bischof Wiesemann.

 

In seiner Predigt stellte der Speyerer Bischof den Begriff „Ubuntu“ vor. Eine Lebensphilosophie aus Afrika, maßgeblich geprägt vom früheren südafrikanischen Bischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu. „Es ist eine Vision, wie die ganze Menschheit in die Zukunft gehen kann.“ Mit einem einzigen Wort könne man „Ubuntu“ nicht ins Deutsche übersetzen, es brauche mehrere Begriffe dazu: Menschlichkeit, Mitgefühl, Solidarität. „,Ubuntu‘ stellt uns vor Augen, dass wir alle Menschen sind, dass wir alle Menschen brauchen, um selbst zum Menschen zu werden – und das von Beginn an.“ Dieses Angewiesensein auf andere, zugleich die hohe Verletzlichkeit, das verbinde alle Menschen miteinander, das sei allen Menschen eigen. „Und auch, dass uns ein individuelles, menschliches Schicksal mehr berührt und interessiert als komplexe, allgemeine Dinge. Der Hungermarsch ist eine grandiose Verkündigung des Evangeliums, nicht mit Worten, sondern mit Taten: Gehen und verändern, und sich berühren lassen durch den anderen.“ Damit schreibe der Landauer Hungermarsch Erfolgsgeschichte, die lebendig sei und weiter gehe. Bischof Wiesemann sprach den Engagierten des Hungermarschvereins und den Marschierern Dank aus und machte Mut: „Machen Sie weiter, verändern Sie die Welt – selbst wenn die höchsten politischen Kreise nur das Recht der Stärkeren pflegen.“

Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst in der vollbesetzten Marienkirche vom Landauer „Coerchen“ unter Leitung von Gerhard Betz. Das Ensemble wurde im Umfeld des ersten Hungermarschs gegründet und kann nun selbst einen runden Geburtstag feiern.

Mit dem Lied „Den Weg wollen wir gehen, die Liebe geht mit uns“ endete der Gottesdienst und begann der Marsch von mehr als 500 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen über rund 30 Kilometer. Diese Distanz ist kein Zufall, sondern entspricht der Strecke, die manche afrikanischen Frauen täglich zurücklegen, um Trinkwasser für ihre Familien nach Hause zu bringen. In den Hilfsprojekten, die aus Landau gefördert werden, zählen daher immer wieder auch Brunnen-Baumaßnahmen. Zugleich wurden und werden nachhaltige Gesundheits- und Bildungsprojekte unterstützt, die darauf abzielen, dass die Menschen vor Ort sich schließlich unabhängig von Hilfe aus Deutschland selbst helfen können. (Text: Hubert Mathes/Hungermarschverein Landau)

Termin: Benefizkonzert für die Hilfsprojekte am Samstag, 27. Juni, 18 Uhr, in der Marienkirche Landau, mit Musik für Orgel, Flügel und Tuba der Musiker Andreas Hofmeir und Maurice Croissant.

Link: www.hungermarsch.de

Link zum Gottesdienststream: https://www.youtube.com/watch?v=QjD45uuaQGY

 

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