Ludwigshafen
Dekanat Ludwigshafen

Dienstag, 08. Oktober 2024

Trainieren für den Ernstfall

Im St. Marienkrankenhaus hat ein interdisziplinäres Schockraumtraining mit über 70 Teilnehmenden verschiedener Berufsgruppen stattgefunden.

Stefan Müller stöhnt laut. Die Mitarbeitenden des Rettungsdienstes übergeben den 56-Jährigen gerade an das Team im Schockraum in der Zentralen Notaufnahme im Ludwigshafener St. Marienkrankenhaus. Wichtige Informationen werden dabei ausgetauscht. Der Mann fühlte sich unwohl, nachdem ihm sein Hausarzt Penicillin verschrieben hatte, auch eine COPD, die die Funktion der Lunge beeinträchtigt, ist als Vorerkrankung bekannt.

Keine Sorge, das Szenario ist nicht echt, denn es wird trainiert und Stefan Müller ist eine Puppe. Das Team aus Pflegenden und Medizinern wurde für die Übung unter echten Bedingungen neu zusammengesetzt und hat noch wenig Erfahrung. Aber das wird sich in den kommenden Stunden ändern.

Die Spannung im Schockraum steigt, die Geräte an die der Patient angeschlossen ist piepsen, immer wieder werfen Mediziner und Pflegekräfte besorgte Blicke auf die Kurven von Atmung, Herz und Sauerstoffsättigung. Der Patient kommt immer weiter in Bedrängnis. Allen ist klar, hier liegt ein allergischer Schock vor und Herz und Atmung werden versagen. Deshalb wird das erweiterte Schockraumteam des Hauses mit weiteren Medizinern und Pflegenden zur Hilfe gerufen. Und dann sind sieben Personen im Raum und arbeiten an verschiedenen Problemen gleichzeitig. Gar nicht leicht für den jungen Mediziner, dem die Aufgabe der Schockraumleitung durch die Organisatoren übertragen wurde, hier den Überblick zu behalten. Kommen die Anordnungen an? Weiß jeder, was passiert, wie die Situation von Herrn Müller gerade ist und welche Aufgaben zu erledigen sind?

„Medizinisch wurde unseren Mitarbeitenden von den Trainern ein sehr gutes Niveau bescheinigt. Viele Probleme in der Notfallversorgung werden allerdings durch unbeabsichtigte Lücken in der Kommunikation hervorgerufen. Das wollten wir mit dem ganzen Team üben“, schildert Dr. Martin Schulz, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme im St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus, den Hintergrund für das oben Geschilderte. Er und sein Kollege Michael Engel, Leiter der präklinischen Notfallmedizin im St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus, haben gemeinsam mit der externen Firma Sim.Impuls das Training unter Echtbedingungen mit Simulator vorbereitet. Dabei haben sie verschiedene Szenarien mit Patientengeschichten, Notfallsituationen und Krankheitsbildern gewählt, die zum Alltag in Notaufnahmen gehören.

Mit jeweils einem fachlichen Schwerpunkt wurden drei ganze Tage herausfordernde Notfallszenarien mit allgemeinen sowie unfallchirurgischen, internistischen und pädiatrischen Inhalten trainiert. Für Realität sorgte die nach dem jeweiligen medizinischen Problem und Krankheitsbild vorbereitete „Übungspuppe“ (Patientensimulator) im Wert von über 100.000 Euro, die durch den Rettungsdienst als Notfall angekündigt und an das Team im Schockraum übergeben wurde. Wer nicht im direkten Einsatz war, konnte die Vorgänge über Video verfolgen. Nach den jeweiligen Szenarien erfolgte eine ausführliche Besprechung in der großen Runde.

Gleichzeitig war die Notaufnahme voll einsatzfähig. Dabei wurden nicht nur Notfälle betreut, sondern auch reale Schockraumalarmierungen sowie eine MANV-Alarmierung (Verunglückter Schulbus am 20.09.24) mit drei gemeldeten und tatsächlich sieben eingelieferten Kindern im schulpflichtigen Alter souverän abgearbeitet, ist den Verantwortlichen wichtig.

Auch Stefan Müller kann nach erfolgreicher Reanimation, Adrenalingabe und vielen weiteren Maßnahmen zur Stabilisierung aus dem Schockraum auf die Intensivstation verlegt werden. Langsam fällt die Spannung vom Team ab. Während der Übung haben alle vergessen, dass sie einer Puppe das Leben gerettet haben und dabei über verschiedene im Raum verteilte Kameras von Kollegen und Ausbildern beobachtet wurden. Und sie haben viele Fragen, sehen ihr Handeln selbstkritisch und haben sich teilweise in der Situation auch nicht sicher oder wohl gefühlt. All dies wird in der ausführlichen Nachbesprechung mit allen Teilnehmenden und Zuschauenden angesprochen. Die Organisatoren betonen dabei immer wieder wie wichtig innehalten, reflektieren, kommunizieren und nachfragen ist. Unterstützend spielen sie verschiedene Filmsequenzen vom Geschehen vorher ein, was die Botschaft noch einmal deutlicher macht.

„Neben den medizinischen Fragestellungen und Herausforderungen, die durchweg sehr professionell gelöst wurden, lag unser Schwerpunkt auf der Organisation und der Kommunikation innerhalb des Teams. Das ist gerade bei Schockräumen mit mehreren Fachabteilungen und vielen helfenden Händen eine nicht zu unterschätzende Herausforderung“, verdeutlicht der erfahrene Notfallmediziner Dr. Schulz.

Und schon wird die nächste Gruppe in den Notfallsimulator eingewiesen und erfährt, was die Puppe kann und was nicht. Körpertemperatur und Hautfarbe beispielsweise müssen bei den Organisatoren nachgefragt werden. Andere wichtige Symptome wie ein hängendes Augenlid können dagegen erfolgreich simuliert werden.

„Ich habe durch die Simulation, das Üben gestern und heute und vor allem die Nachbesprechungen ganz viel Sicherheit bekommen“, berichtet Ela, die nach ihrem Pflegeexamen neu in der Zentralen Notaufnahme angefangen hat. Nachfragen, Überprüfen, meine Zweifel anbringen und auch einmal Stopp rufen, das habe ich gelernt, ergänzt ein Mediziner aus dem ersten Anerkennungsjahr. Aber auch alte Hasen in der Notfallversorgung nehmen viel für sich mit, betonen Befragte. Alle sind sich einig, dass sie sehr von den Szenarien im Schockraum, aber auch vom Beobachten und den Reflexionen danach profitiert haben und eine Wiederholung unbedingt sinnvoll sei.

Kurz danach nimmt Ela souverän den Anruf von der Leitstelle entgegen, die einen neuen Notfallpatienten für den Schockraum ankündigt, fragt mehrfach nach und macht sich Notizen. Dann ruft sie das Team zusammen und brieft die Kolleginnen und Kollegen, was sie mit dem nächsten Patienten erwartet. Die Wartezeit bis zur Übergabe nutzt das Team zur Vorbereitung verschiedener Medikamente und zur letzten Überprüfung der Geräte, Kabel und Monitore.

„Es freut uns besonders, dass wir von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein durchweg positives Feedback erhalten haben. Die anfängliche Unsicherheit und Skepsis war spätestens nach dem ersten Szenario durchbrochen und so haben alle Beteiligten eine extrem steile Lernkurve gespürt und bestätigt“, beschreibt Dr. Martin Schulz. Alle haben verstanden, wie wichtig ihre Rolle und ihre Funktion im Team sei und das auch Berufsanfänger genauso die Verpflichtung haben, eine Beobachtung zu äußern oder auf ein Problem hinzuweisen, wie erfahrene Kolleginnen und Kollegen. Insgesamt haben 72 Mitarbeitende verschiedenster Berufsgruppen, wie Ärzte, Pflegekräfte, Pflegeauszubildende, Verwaltungsmitarbeitende, Famulations- oder PJ-Studenten sowie Rettungsdienstangehörige teilgenommen. Dabei waren vor allem die Fachgebiete Anästhesie, Allgemeinchirurgie, Innere Medizin, Orthopädie/Unfallchirurgie sowie Kinderheilkunde vertreten.

„Wir wollen mit diesem Training die Versorgung auch schwer kranker, uns anvertrauter Patientinnen und Patienten auf höchstem medizinischen Niveau weiterhin sicherstellen“, zieht der Chefarzt der Zentralen Notaufnahme Dr. Martin Schulz müde, aber sehr zufrieden das Fazit. Mit dem Schockraumtraining in diesem Jahr ist das gelungen.

 

Text + Foto St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus (Katja Hein): Übergabe des Patienten durch den Rettungsdienst an das Team im Schockraum

 

Diese Meldung und weitere Nachrichten von Dekanat Ludwigshafen
finden Sie auf folgender Internetseite: www.kath-dekanat-lu.de

Artikel teilen:

Treffer 803 bis 12 von 12
Blieskastel
Pfarrei Hl. Franz von Assisi
19.08.20

Ein Herz für St. Anna

Von weitem sichtbar, grüßt die Kirche St. Anna seit nun mehr als 100 Jahren in alle...
Blieskastel
Pfarrei Hl. Franz von Assisi
08.07.20

Gebete für jeden Tag

Bei KIRCHE IN NOT Deutschland kann man ein schönes Gebetsheft erwerben, mit Gebeten...
Bobenheim-Roxheim
Pfarrei Hl. Petrus
07.01.21

Herzlichen Dank allen Unterstützern der...

Spenden für bedürftige Gefangene in der JVA Frankenthal
Bobenheim-Roxheim
Pfarrei Hl. Petrus
22.02.21

Livestream-Gottesdienste in unserer Pfarrei

Es ergeht herzliche Einladung zur Mitfeier der Gottesdienste im...
Treffer 803 bis 56 von 56
Treffer 803 bis 80 von 80
Treffer 803 bis 68 von 68
Homburg
Pfarrei Hl. Johannes XXIII.
14.04.16

Gottesdienst mit anschl. Kaffee

Feier der Kommunionjubilare
Homburg
Pfarrei Hl. Johannes XXIII.
04.04.16

Weißer Sonntag

Insgesamt 34 Kinder aus den Gemeinden St. Andreas, St. Josef und Maria vom...
Treffer 803 bis 52 von 52
Treffer 803 bis 69 von 69
Treffer 803 bis 51 von 51
Treffer 803 bis 73 von 73
Ludwigshafen
Dekanat Ludwigshafen
05.05.23

Fehlerkultur

Am 22. Mai 2023 öffnet wieder der Online-Frauensalon der Akademie für Frauen im HPH...
Ludwigshafen
Dekanat Ludwigshafen
04.05.23

Energieversorgung der Zukunft

Wie wird die Heinrich-Pesch-Siedlung mit Strom versorgt? Welche zukunftsweisenden...
Treffer 803 bis 39 von 39
Maikammer
Pfarrei Maria, Mutter der Kirche
05.12.20

2. Advent in der Tüte

Liebe Familien Auch für den zweiten Advent ist etwas in der Tüte. Und weil...
Maikammer
Pfarrei Maria, Mutter der Kirche
07.12.20

Adventlieder zum Mitsingen

Ab dem zweitem Adventsonntag, den 06.12.2020 um 17 Uhr ist auf dem YouTube...
Treffer 803 bis 68 von 68
Schifferstadt
Pfarrei Hl. Edith Stein
23.01.22

"Gesund werden – gesund bleiben. Ein Kinderrecht...

schnell schnell ... Sternsinger sind noch bis 2. Februar in Schifferstadt mit...
Schifferstadt
Pfarrei Hl. Edith Stein
22.01.22

Gebetswoche für die Einheit der Christen

Auch Schifferstadt betet für die Einheit der Christen weltweit - Biblische...
Treffer 803 bis 48 von 48
Treffer 803 bis 107 von 107