Landau
Pfarrei Mariä Himmelfahrt

Dienstag, 26. April 2022

Sicherer Ort Kirche - Prävention braucht einen Plan

Das Institutionelle Schutzkonzept für die Pfarrei Mariä Himmelfahrt ist in Arbeit

Mit der Anfang 2021 gestarteten Initiative „Sicherer Ort Kirche“ setzt sich das Bistum Speyer dafür ein, dass Kinder, Jugendliche und hilfebedürftige Erwachsene in den Einrichtungen und Gruppierungen vor jeglicher Form von (sexualisierter) Gewalt und vor allen Formen der Entwürdigung, Diskriminierung oder Verletzung ihrer Person und Persönlichkeit geschützt werden.

"Auch uns als Pfarrei ist es ein großes Anliegen, dass sich alle – vor allem auch die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen – bei uns wohl und sicher fühlen und respektvoll behandelt werden", so Dekan Axel Brecht von der Landauer Pfarrei Mariä Himmelfahrt. Sozialreferentin Susanne Poerschke, die Präventionsbeauftragte im Pastoralteam ergänzt: "Damit der Schutz der Kinder und Jugendlichen sowie der schutzbedürftigen Erwachsenen nicht dem Zufall bzw. der/dem einzelnen Mitarbeitenden überlassen bleibt, braucht es ein (Schutz-)Konzept."

Das Institutionelle Schutzkonzept (ISK)

Die Grundlage der Präventionsarbeit in allen (Erz-)Diözesen in Deutschland bildet die „Rahmenordnung – Prävention gegen sexualisierte Gewalt an Minderjährigen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ (in Kraft getreten: 01.01.2020). Diese Rahmenordnung verpflichtet auch alle Pfarreien, ein Institutionelles Schutzkonzept zu erstellen. In einem Institutionellen Schutzkonzept (ISK) werden alle Präventions- und Interventionsmaßnahmen verschriftlicht. Es schafft so Transparenz und macht handlungsfähig.

Der erste Schritt hin zu einem ISK ist die Schutz- und Risikoanalyse. Hier werden die einzelnen Bereiche der Kinder- und Jugendarbeit sowie die Bereiche, in denen Kinder und Jugendliche „unterwegs“ sind, unter die Lupe genommen, d.h. es findet eine ausführliche Bestandsaufnahme statt – unter Beteiligung der Kinder und Jugendlichen und auch der Gruppenleiter*innen und möglichst aller ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden. Auch die schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen - wie beispielsweise Senior*innen oder Menschen mit Behinderungen - werden in den Blick genommen. Bei der Schutz- und Risikoanalyse handelt es sich um einen aktiven Kommunikations- und Reflexionsprozess, in dem nicht hinterfragte Strukturen, Abläufe und bauliche Gegebenheiten „kritisch überprüft“ werden.

Die nächsten Schritte

Aktuell hat die im Spätsommer 2021 gegründete AG Prävention der Pfarrei Mariä Himmelfahrt zwei Fragebögen für die Schutz- und Risikoanalyse erstellt. Einen Fragebogen für Gruppenleiter*innen und Mitarbeitende, einen Fragebogen für Kinder und Jugendliche.

Bei einer Kick-Off-Veranstaltung am Mittwoch, 8. Juni 2022 um 20 Uhr im Pfarrheim St. Albert wurden die Fragebögen vorgestellt und es gab die Möglichkeit zum Rückfragen, Austauschen und Vernetzen.

Die Fragebögen sollen nun bis Anfang Juli von möglichst vielen Gruppierungen in den Gemeinden der Pfarrei ausgefüllt werden. Diese Rückmeldungen sind dann die Grundlage für die Erarbeitung eines passgenauen Institutionellen Schutzkonzeptes für die Pfarrei Mariä Himmelfahrt, das zum 1. September in Kraft gesetzt werden soll.

Weitere Bausteine

Folgende Bausteine muss ein ISK enthalten: Personalauswahl und Personalentwicklung, Fort- und Weiterbildung, Verhaltenskodex, Beratungs- und Beschwerdewege, nachhaltige Aufarbeitung, Qualitätsmanagement.

Einen wesentlichen Bestandteil in dieser wichtigen Arbeit hat kurz nach Ostern das Bistum Speyer vorgestellt: das neue eLearning Modul Wissen, Erkennen, Handeln. Dazu Generalvikar Andreas Sturm: "Von der ursprünglichen Idee, ein Schulungsmodul für die Mitarbeitenden in unseren Kitas zu entwickeln, ist ein großes Kooperationsprojekt der Bistümer Mainz, Limburg, Freiburg, Rottenburg-Stuttgart, Magdeburg, Osnabrück und Speyer gewachsen. Es sind viele Rückmeldungen und Inputs aus diesen Bistümern und einem Kreis von Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich Kita, Prävention und Missbrauch eingeflossen. So ist ein informatives, kurzweiliges und von den klassischen eLearning Programmen abweichendes Modul entstanden, das Sie hoffentlich zur Bearbeitung motiviert. Es unterstützt alle haupt-, neben- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrem praktischen Tun und vermittelt Sicherheit im Umgang mit Fragen zur Prävention Sexualisierter Gewalt."

Dieses eLearning Modul wurde von der katholischen Kindertagesstätte St. Maria mit entwickelt und in einer ausführlichen Testphase auf Herz und Nieren geprüft: "Ich bin mir sicher, dass das E-Learning für die pädagogischen Fachkräfte in den Kitas ein Tool ist, um sich selbst zu stärken. Dadurch werden der Schutzauftrag und die Anwaltschaft, die wir für die Jüngsten übernehmen, gefestigt.", so Katharina Herty, Leiterin der katholischen KiTa St. Maria in Landau. Und dieses Modul wird auch für alle Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter in der Erstkommunion- und Firmvorbereitung, in der Ministranten-, Kinder- und Jugendarbeit der Pfarrei ein verpflichtender Bestandteil sein.

Kultur des Hinsehens

Unter der Überschrift "Das Böse steckt in uns allen" nimmt der stellvertretender Vorsitzende des Ausschusses für Inneres und Heimat und Beauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften der SPD-Bundestagsfraktion Prof. Dr. Lars Castellucci Stellung zum Münchener Missbrauchsgutachten: "Eine Gesellschaft kann die Verantwortung für sexuelle Gewalt personalisieren und damit von sich selbst wegschieben. Das ist genau das, was nicht passieren darf." Er mahnt, "um das Thema aus der Tabuzone herauszubekommen, müssen wir gemeinsam eine Kultur des Hinsehens etablieren. Und zwar in der gesamten Gesellschaft, ganz gleich, wo und wann und von wem sexualisierte Gewalt ausgeübt wird, ob im Sport, in der Schule, in Heimen, in der Familie oder eben in der Kirche." (Interview in der F.A.Z. am 30.01.2022)

Dieses wichtige Anliegen verfolgt das Institutionelle Schutzkonzept, das die seit vielen Jahren bewährte Praxis eines achtsamen Umgangs mit Schutzbefohlenen in Gruppen und Kreisen der Pfarrei mit aufgreift.

Fragen und weitere Infos

Das Bistum Speyer stellt auf seiner Homepage wichtige Informationen zum Themenkomplex "Hilfe und Prävention von Missbrauch" zur Verfügung.

Ansprechpartnerin für das ISK und die Präventionsarbeit in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt
Sozialreferentin Susanne Poerschke
susanne.poerschke@bistum-speyer.de
Tel. 06341 / 96898-170

 

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