Frankenthal
Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit

Sonntag, 12. Oktober 2025

Bericht: Im Glauben fest verwurzelt ...

... und viel Engagement: Theo Wieder

Wer eine weit über die Grenzen der Pfarrei und der Stadt Frankenthal hinaus bekannte Persönlichkeit wie Theo Wieder vorstellen soll, fühlt sich unwillkürlich an das alte Sprichwort erinnert, Eulen nach Athen zu tragen. Nicht nur sein herausragendes kommunalpolitisches Wirken als Oberbürgermeister und Vorsitzender des Bezirkstages der Pfalz hat bleibende Spuren hinterlassen, auch im kirchlichen Bereich darf sein verdienstvolles ehrenamtliches Engagement über Jahrzehnte hinweg und auf nahezu allen Ebenen nicht unerwähnt bleiben.

In einem im Glauben fest verwurzelten Elternhaus, wo Theo zusammen mit drei Geschwistern aufwuchs, wurden bei ihm die Weichen für ein christliches Leben schon frühzeitig gestellt. In der St. Dreifaltigkeitskirche ging er zur Erstkommunion und wurde Messdiener. Es war jene Epoche Anfang der 1970er Jahre, in der kirchliche Jugendarbeit in Frankenthal noch weitgehend ein weißer Fleck war. Da kam die Initiative von Kaplan Gerhard Matt, einen KJG-Jugendclub zu gründen, wie gerufen. "Es war gewissermaßen das Gegengewicht zum Haus der Jugend, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Ludwigskirche befand", erinnert sich Wieder. Der Zulauf war enorm. Zeitweise bis zu 50 Jugendliche trafen sich im oberen Turmraum des Gotteshauses, führten Bibelgespräche, bereiteten moderne Eucharistiefeiern vor und organisierten Disco-Partys. Auch provokative Themen wurden nicht ausgespart. "Es ging richtig zur Sache." Für Theo Wieder war es keine Frage, sich in die Verantwortung nehmen zu lassen – zuerst als Schriftführer, dann als Clubleiter und später als KJG-Bezirksleiter. Gerne denkt er an die großen Zeltlager mit mehr als hundert Jugendlichen oder auch an das Dekan-Müller-Gedächtnisturnier zurück.

Aus dieser Zeit bis heute hängen geblieben ist bei Wieder ein in fast allen rhythmischen Jugendmessen gesungenes Lied von Peter Janssens: "Die Sache Jesu braucht Begeisterte." Nur wer von etwas begeistert sei, könne auch andere anstecken. Dies dürfe sich freilich nicht auf den Sonntagsgottesdienst reduzieren, sondern müsse mit allen Sinnen erlebt werden. "Wir haben in unserer Kirche zu wenig Gemeinschaft", bedauert der 70-Jährige.

Nach dem Abitur im Jahre 1975 und dem sich anschließenden Wehrdienst wurde in der Vita des Theo Wieder ein neues Kapitel aufgeschlagen. Mitten in einer Wahlperiode folgte er 1978 einem Ruf in den Pfarrgemeinderat von St. Ludwig, wurde ein Jahr später gewählt und übernahm 1983 den Vorsitz – ein Amt, das er bis 1999 innehatte. "Es war eine spannende und aufregende Zeit." Damals habe man noch Wohnvierteltreffen abgehalten, weil die Pfarrei zu groß gewesen sei. Davon kann man heutzutage nur noch träumen. Zu den aktivsten Gremien zählte in jener Epoche der Caritasausschuss, auf dessen Initiative die Teestube, die ökumenische Obdachlosenhilfe und schließlich auch die Frankenthaler Tafel zurückgeht. In Wieders Amtszeit fielen die Jubiläumsfeiern zu "50 Jahre St. Ludwig" und die Innenrenovierung der Kirche. Er war federführend bei den Soliläufen und den Pfarrfesten von St. Ludwig. Bleibende Eindrücke hinterließen die Reisen mit Pfarrer Karlheinz Bumb zu religiösen Destinationen.

Für Theo Wieder folgte dann eine Phase, in der er als umtriebiger Chef des Pfarrgemeinderates einen Gang zurückschalten musste. Denn sein Beruf verlangte eine ganze Menge von ihm ab. 1985 hatte er sein Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Mannheim mit der Zweiten Juristischen Staatsprüfung abgeschlossen, wurde Richter am Verwaltungsgericht Neustadt, später nach Weimar und an das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz in Koblenz abgeordnet. Nach und nach entwickelten sich bei ihm politische Ambitionen. 1992 trat Wieder in die CDU ein, wurde zwei Jahre später Stadtratsmitglied und 1999 zum Oberbürgermeister seiner Heimatstadt gewählt. In den folgenden 16 OB-Jahren hat er kein kirchliches Amt bekleidet und auch den Vorsitz im Förderverein für Kirchenmusik aufgegeben.

Es war Pfarrer Stefan Mühl, der ihn zu einem Comeback in die ehrenamtliche Gremienarbeit ermunterte. Zwischenzeitlich war aus der Strukturreform der Diözese Speyer die Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit hervorgegangen. Theo Wieder übernahm 2016 den Vorsitz im neuen Pfarreirat und füllt diese Funktion auch heute noch aus. Dabei sollte es freilich nicht bleiben. Geprägt von seiner politischen Tätigkeit hatte sich bei ihm, wie er es formuliert, eine „andere Interessensebene“ entwickelt, die ihn den Blick nach oben richten ließ. Er übernahm den Vorsitz im Dekanatsrat, wurde 2016 Mitglied im Katholikenrat der Diözese und im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Außerdem steht er an der Spitze der Diözesanversammlung und begleitet als Vertreter des Bistums den Synodalen Weg. In einer weiteren Funktion ist er kürzlich in die Schlagzeilen gerückt. Als Vorsitzender des Aufsichtsrates des Caritasverbandes Speyer hat er sich mit dessen finanzieller Schieflage zu befassen.

Wenn Theo Wieder auf die Zukunft der Kirche zu sprechen kommt, wird er sehr nachdenklich, bezieht dann aber klar Stellung. "Wenn wir keine Reformen angehen, wird es einen weiteren Aderlass geben." Für die ganz großen Themen wie Pflichtzölibat und Frauendiakonat wird es nach seiner Meinung ohne ein Konzil kaum eine Lösung geben. "Aber muss in der Weltkirche alles in gleicher Weise geregelt werden?" Gegen eine stärkere Regionalisierung hätte er keine durchgreifenden Bedenken. "Wir müssen mehr Mut und Entscheidungsfreude entwickeln", findet er.

Von einem Ruhestand im klassischen Sinn kann bei bei Theo Wieder noch keine Rede sein, zu sehr nehmen ihn seine zahlreichen Ehrenämter weiterhin in Beschlag. Doch findet er auch Zeit und Muße, um mit Ehefrau Karin ausgedehnte Wanderungen und Radtouren zu unternehmen. Im Urlaub ist er nicht nur gerne in nördlichen Regionen – vorzugsweise in Norwegen – unterwegs, ihn zieht es auch immer wieder in die Berge, wenngleich der Gipfelstürmer-Elan, wie er einräumt, altersbedingt ein wenig nachgelassen hat.Auch für hochkarätige Kulturveranstaltungen, etwa Opernaufführungen in der Arena von Verona, kann er sich begeistern. Und dann sind da ja noch die drei Enkelkinder, die dem stolzen Großvater große Freude bereiten.

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