Wörth
Pfarrei Hl. Christophorus

Montag, 23. Februar 2026

Hirtenbrief zur österlichen Bußzeit

Hirtenwort von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann zur Österlichen Bußzeit 2026

Liebe Gemeinde,

hier der Hirtenbrief zur österlichen Bußzeite entweder zum anschauen oder zum lesen:

youtu.be/b2DbLDqXXIk

„Brot ist wichtig, Freiheit ist wichtiger, am wichtigsten aber die ungebrochene Treue und die unverratene Anbetung.“ (Pater Alfred Delp)
Liebe Schwestern und Brüder!
Seit vielen Jahren bewegt und begleitet mich die klarsichtige Kraft dieser Worte, die der Jesuit Pater Alfred Delp uns wie ein Vermächtnis seines Denkens und Lebens hinterlassen hat. Er hat sie mit gefesselten Händen geschrieben – in der Zeit unmittelbar vor seiner Verurteilung und Hinrichtung durch die Nationalsozialisten am Lichtmesstag 1945. Genau 81 Jahre später, am 2. Februar dieses Jahres, wurde in München offiziell der Seligsprechungsprozess für diesen Zeugen des Glaubens eröffnet, der in unmittelbarer Nachbarschaft zu unserer Diözese gebo-ren und aufgewachsen ist: in Mannheim und Lampertheim. Sein Denken und Lebenszeugnis erweisen gerade in unserer Zeit wieder ihre ungebrochene Aktualität und prophetische Kraft. Sie können uns, unsere Kirche inmitten der heutigen Welt über den „toten Punkt“ hinweg wieder zu echter geistlicher Stärke führen. Deshalb liegt es mir am Herzen, dass Werk und Gestalt dieses großen Jesuiten, der, ähnlich wie Dietrich Bonhoeffer und viele andere, sein Leben für Christus gegeben hat, in unserem Bistum noch bekannter gemacht werden und wir den Prozess der Seligsprechung auch mit unseren Gebeten begleiten.
„Brot ist wichtig, Freiheit ist wichtiger, am wichtigsten aber die ungebrochene Treue und die unverratene Anbetung.“ (A. Delp, Gesammelte Schriften 4, 236) Diese Zeilen entstammen ei-ner Meditation Delps über das Vaterunser. Genauer gesagt über die Vaterunser-Bitte: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Diese vierte Bitte steht genau in der Mitte des Gebetes Jesu, im Übergang zwischen der vorrangigen Sorge um das Reich Gottes und dem Bitten um Bewah-rung und Bewährung mitten in den Nöten und Abgründen des Lebens und der Zeiten. An die-ser Scharnierstelle zwischen Gott und Welt hat sich Delp auch immer selbst gesehen, seine Berufung und seinen Auftrag.

Für Delp ist die Bitte um das tägliche Brot im Vaterunser ganz irdisch ernst zu nehmen. Im zweiten Teil des Herrengebetes kommen für ihn „die Sorgen und Anliegen der ‚Erde‘ zur Spra-che: das Brot, die Schuld, die Anfechtung, das Böse“, die Dinge also, „die uns tagtäglich be-schäftigen und bedrängen.“ (235) In einem geradezu prophetischen Aufsatz über „Das Schick-sal der Kirchen“ macht er konkret deutlich, was das für unseren Auftrag heute bedeutet: „Es wird kein Mensch an die Botschaft vom Heil und vom Heiland glauben, solange wir uns nicht blutig geschunden haben im Dienste des physisch, psychisch, sozial, wirtschaftlich, sittlich oder sonstwie kranken Menschen.“ Gefordert sei die „Rückkehr der Kirchen in die Diakonie: in den Dienst der Menschheit.“ (319)
Ich bin dankbar für so viele großartige Initiativen in unserem Bistum, die diese „Rückkehr in die Diakonie“, in den unmittelbaren Dienst am Menschen, ganz konkret leben. Vor Weihnach-ten konnte ich, um nur ein Beispiel unter vielen zu nennen, die Aktion Winterhilfe der Pfarrei Hl. Petrus und Paulus zusammen mit dem Caritaszentrum in Ludwigshafen besuchen, bei der einmal pro Woche Menschen eine warme Mahlzeit durch den leidenschaftlichen Einsatz un-zähliger ehrenamtlich Engagierter angeboten wird. Hier geht es um mehr als nur um die Ver-sorgung mit Nahrung: Hier geht es um die Erfahrung von Würde, von Gemeinschaft, von Be-reitschaft, füreinander Zeit, Kraft und Liebe einzusetzen. Was für ein Gegensatz zu den spal-tenden und ausgrenzenden Debatten und Stimmungsmachen unserer Zeit!
Die Brotsorge im Vaterunser zielt auf alles, was Menschen zum Leben brauchen: Brot, Obdach, Hilfe in Not und eine solidarische Gemeinschaft. Daher trifft die Brotbitte im Vaterunser in den Kern dessen, was unsere Gesellschaft zusammenhält. Das ständig sich verschärfende Aus-einanderdriften zwischen Arm und Reich führt zum Leben in Parallelwelten. Die reichsten 1,6% der Erwachsenen weltweit besitzen fast die Hälfte des gesamten Weltvermögens und die obe-ren 10% verfügen über ungefähr 80% von allem auf der Welt. Hier setzt die entscheidende Gefährdung unserer Demokratie mitsamt einer gerechten Teilhabe aller am Leben und den Gütern der Gesellschaft ein, die Gefährdung des sozialen Miteinanders wie des globalen Frie-dens. Gerade auf dem Hintergrund der menschenverachtenden Ideologien des letzten Jahr-hunderts von links wie von rechts und der konkreten Erfahrung der Nazi-Diktatur wusste Alf-red Delp nur zu genau, was er in seiner Meditation über die Brotbitte im Vaterunser nieder-schrieb: „So war und ist das Brot immer wieder eines der großen Mittel der Verführung. Und es ist wichtig, dass es den richtigen Leuten gelingt, die Brotsorge an sich zu nehmen und zu meistern.“ (235) Denn sowohl mit der existentiellen Angst der unzähligen Benachteiligten oder solcher, die fürchten, es zu werden, wie auch mit messianisch aufgeladenen Versprechen großmäuliger Narzissten, die nur ihre Macht und Bewunderung im Sinne haben, lässt sich in solch unsicheren Zeiten trefflich Politik und gesellschaftliche Einflussnahme machen. Das gilt vor allem dann, wenn man die heutigen medialen Kanäle skrupellos beherrscht.
Daher braucht die „Brotsorge“ um ihrer selbst und um der Entlarvung der Verführer willen ein entscheidendes Korrektiv. Alfred Delp hat es so ausgedrückt: „Brot ist wichtig, Freiheit ist wichtiger …“ Die großen Verführer mitsamt ihren Versprechungen haben durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurch kein positives, menschenfreundliches Verhältnis zur Frei-heit, zur Würde jedes Einzelnen. Im Gegenteil, sie setzen ihre Macht zur Unterdrückung dieser Freiheit mit allen Mitteln und auf oftmals skrupellose Weise ein und entsolidarisieren und spalten die Gesellschaft im Konkreten wie die Menschheit im Ganzen. Als Alfred Delp die zi-tierten Zeilen mit gefesselten Händen schrieb, da war ihm existentiell bewusst, wie wichtig Brot ist – und um wie viel wichtiger noch die Freiheit! Dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt! (Mt 4,3) Wer sich heute für unseren Zusammenhalt, für das „Brot“, von dem unsere Ge-sellschaft lebt, einsetzen will, wer seine Stimme für die demokratische Teilhabe aller erheben und abgeben will, der wird dieses Korrektiv der Freiheit sehr gewissenhaft vor Augen haben müssen. Der wird etwa die rasanten Veränderungen in den USA, dem Land, das sich immer als weltweiter Garant für demokratische Werte ansah, aufmerksam mitverfolgen, wie ohne Zö-gern in fundamentale Freiheitsrechte autokratisch eingegriffen wird. Der wird ebenso wach-sam wahrnehmen, wie auch hierzulande Positionen immer mehr an Zustimmung gewinnen, die die Würde und die Freiheit von Menschen ihren Ideologien unterordnen – etwa einem völkischen Nationalismus, der auf Ab- und Ausgrenzung setzt und zu einer Entsolidarisierung führt. Genau hier wird die Frage nach der Freiheit, der freiheitlichen Rechtsordnung und der Menschenwürde aller, die bei uns leben, zum entscheidenden Kriterium zur Unterscheidung der Geister. Genau hier braucht es den Mut aufzustehen – für die Würde und Freiheit jedes Menschen, für unsere rechtsstaatliche Demokratie, für eine umfassende Solidarität in unserer Gesellschaft.
Alfred Delp hätte freikommen können. Die Nazis machten ihm ein im wahrsten Sinne verfüh-rerisches Angebot: Man würde ihn aus der Haft entlassen, wenn er sich öffentlich von seinem Orden, den Jesuiten, lossagen und sie verlassen würde. Delp war ihnen ein Dorn im Auge: wegen der Schärfe seiner Gedanken und des Freimuts seiner ganzen Persönlichkeit. So war der Prozess gegen ihn von Anfang an auf Vernichtung seiner Existenz angelegt, obwohl man ihm keine Beteiligung am Attentat vom 20. Juli 1944 gegen Hitler nachweisen konnte. Man hasste ihn und seinesgleichen, wie er selbst nach der Verkündigung des Todesurteils gegen ihn schreibt, wegen ihrer „freien Gebundenheit“ im Glauben und konkret im Orden: „weil man sie fürchtet als Vorwurf und Frage in der eigenen anmaßenden, pathetischen Unfreiheit.“ (112) Daher das verführerische Angebot der „Freiheit“ gegen die Lossagung vom Orden und damit letztlich vom Glauben. Im Grunde aber ging es nicht um Freiheit, sondern um die öf-fentliche Brechung der Persönlichkeit. Wie bei der letzten Versuchung Jesu durch den Teufel im heutigen Evangelium: „Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.“ (Mt 4,9)
Die letztentscheidende Frage der Freiheit ist die Frage nach der Treue und der Anbetung. Es ist die Frage nach der inneren, persönlichen Freiheit als Treue zu sich selbst, zur erkannten Wahrheit und Gerechtigkeit. Für Alfred Delp war Gott der Grund und Garant der Freiheit schlechthin gegen alle Götzen dieser Welt, die ihre Macht einsetzen, um die Menschen für ihre Zwecke zu korrumpieren, und sie nicht selten in ihrem Wahn mit in den Abgrund reißen.
Es ist deshalb die Quintessenz seiner ganzen Lebens- und Glaubenserfahrung, in der die wun-derbare Größe der christlichen Freiheit aufleuchtet, wenn Alfred Delp schreibt: „Brot ist wich-tig, Freiheit ist wichtiger, am wichtigsten aber die ungebrochene Treue und die unverratene Anbetung.“
Liebe Schwestern und Brüder, wir stehen wieder am Anfang der österlichen Bußzeit. Das ei-gentliche Thema dieser Zeit ist aber nicht das Fasten und Verzichten, sondern die Freiheit, zu der Gott uns durch diese Mittel führen will. Es geht um uns selbst, um die ungebrochene Treue, um den inneren Raum der Unbestechlichkeit und Unantastbarkeit unserer Würde. Es geht um den Raum der Heiligkeit des Lebens in dieser Welt, die in der Arroganz ihrer Macht alles zu beherrschen beansprucht. Die Anbetung Gottes ist und bleibt der beste Weg, dieser Anmaßung zu widerstehen, der beste Weg in die Freiheit und für ein gutes Leben für alle.
„In einer halben Stunde weiß ich mehr als Sie“, soll Alfred Delp unmittelbar vor seiner Hinrich-tung zu seinem Gefängnispfarrer gesagt haben. Das war nicht einfach nur flüchtig dahingesagt. Das war freie, ungebrochene Überzeugung. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen von Herzen eine gesegnete Fastenzeit und die österliche Erfahrung des Sieges über die Knechtschaft des Todes.
Ihr + Bischof Karl-Heinz Wiesemann

Diese Meldung und weitere Nachrichten von Pfarrei Hl. Christophorus
finden Sie auf folgender Internetseite: www.hl-christophorus-woerth.de

Artikel teilen:

Treffer 779 bis 12 von 12
Blieskastel
Pfarrei Hl. Franz von Assisi
14.04.20

Jesus Christus, gekreuzigte Liebe

Unser Pfarrer P. Hieronim war an Karfreitag mit dem Kreuz zu Fuß in unserer Pfarrei...
Blieskastel
Pfarrei Hl. Franz von Assisi
14.04.20

Frohe und gesegnete Ostern!

OSTERSONNTAG Surrexit dominus vere! Alleluja, alleluja! Der Herr ist wahrhaftig...
Bobenheim-Roxheim
Pfarrei Hl. Petrus
07.01.21

Herzlichen Dank allen Unterstützern der...

Spenden für bedürftige Gefangene in der JVA Frankenthal
Bobenheim-Roxheim
Pfarrei Hl. Petrus
22.02.21

Livestream-Gottesdienste in unserer Pfarrei

Es ergeht herzliche Einladung zur Mitfeier der Gottesdienste im...
Treffer 779 bis 51 von 51
Treffer 779 bis 70 von 70
Treffer 779 bis 76 von 76
Homburg
Pfarrei Hl. Johannes XXIII.
27.06.16

Pray & Schwenk

Wie bereits im letzten Jahr wurde der diesjährige Wortgottesdienst zu Pray &...
Homburg
Pfarrei Hl. Johannes XXIII.
27.06.16

Firmung

Am Freitag, 10.06.16 wurden über 60 Jugendliche aus unserer Pfarrei durch...
Treffer 779 bis 52 von 52
Treffer 779 bis 66 von 66
Treffer 779 bis 49 von 49
Landau
Pfarrei Mariä Himmelfahrt
15.01.16

Pfarrei Mariä Himmelfahrt und Heiliger Augustinus sind...

Gemeinsame Landingpage www.kirchelandau.de schafft einfachen Zugang
Treffer 779 bis 779 von 779
Treffer 779 bis 72 von 72
Ludwigshafen
Dekanat Ludwigshafen
04.04.23

Benefizkonzert am 16. April 2023

Am 16. April spielt das SAP-Sinfonieorchester ein Benefizkonzert zugunsten des...
Ludwigshafen
Dekanat Ludwigshafen
20.03.23

Katholiken in Ludwigshafen auf dem Weg in die Zukunft

Der Dekanatsrat hat die Einsetzung einer Lenkungsgruppe beschlossen, die sich mit...
Treffer 779 bis 30 von 30
Maikammer
Pfarrei Maria, Mutter der Kirche
04.12.20

Nikolausandacht in Großfischlingen

Am Sonntag, den 06. Dezember 2020 findet um 17.00 Uhr in der kath. Kirche...
Maikammer
Pfarrei Maria, Mutter der Kirche
30.11.20

Ökumenisches Gebet im Advent

Das Motto lautet in diesem Jahr "Glaube - for future" Das ökumenische Gebet wurde...
Treffer 779 bis 61 von 61
Schifferstadt
Pfarrei Hl. Edith Stein
29.12.21

"Das Kind in der Krippe gibt Hoffnung"

Feierliche Weihnachtsgottesdienste und Kinderkrippenfeiern erinnerten an die...
Schifferstadt
Pfarrei Hl. Edith Stein
23.12.21

"Gesund werden – gesund bleiben. Ein Kinderrecht...

Sternsinger auch 2022 wieder mit Segenspost unterwegs: "Lasst uns die Welt...
Treffer 779 bis 47 von 47
Treffer 779 bis 101 von 101