Frankenthal
Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit

Samstag, 09. Mai 2026

Bericht: Beton und Begegnung

Vision zur Weiterentwicklung der Kirche St. Thomas Morus Flomersheim

Gemeinschaftliches Wohnen im Alter bietet Menschen soziale Einbindung, Sicherheit und gegenseitige Unterstützung. Vincent Bauer, Absolvent der Westfälischen Münster School of Architecture, greift diesen Gedanken in seiner Abschlussarbeit auf und erweitert ihn um die Begegnung mit der jungen Generation. Möglich werden könnte dies durch eine Umnutzung der 1970 geweihten Flomersheimer Kirche, einem Gebäude aus Beton.

Vincent Bauer hatte als Student der Architektur das Thema seiner Bachelorarbeit selbst gewählt. Es gab keinerlei Auftrag oder Einflussnahme seitens der Pfarrei oder des Bistums. In seiner fast 200-seitigen Arbeit mit dem Titel „Beton und Begegnung“ beschreibt er zunächst die allgemeine Entwicklung des Kirchenbaus und die aktuelle Situation der katholischen Kirche. In einer Bestandsanalyse würdigt er die Flomersheimer Kirche als Gesamtkunstwerk und beschreibt ihre folgten rund 30 Interessierte den Ausführungen des jungen Architekten, darunter Pfarrer Andreas Rubel und Mitglieder des Verwaltungsrats. Anwesend waren auch der für die kirchlichen Gebäude zuständige Architekt Hans-Henning Müller vom Bischöflichen Bauamt und Wolfgang Franz, der bis 2025 das Amt des Dom- und Diözesankonservators innehatte und für die Denkmalpflege im Bistum Speyer verantwortlich war.

Ein neuer Anbau westlich der Kirche böte 14 altersgerechte Wohneinheiten und dienten den dort lebenden Menschen als private Rückzugsorte. Jede Einheit bestünde aus einem Zimmer mit eigenem Bad und könnte von bis zu zwei Personen bewohnt werden, ausgestattet mit Küchenzeile, Bett und Balkon. Der heutige Kirchenvorplatz wäre bepflanzt und schlösse zur Odenwaldstraße hin mit einem Säulengang ab, der den Anbau mit der Kirche verbindet.

Der Kirchenraum erhielte einen zweigeschossigen Einbau in Holzbauweise. Sein Tragwerk würde die Betonwände im Erdgeschoss nur an ausgewählten Stellen berühren. So entstünde ein Rundlauf, die Reliefs und Wandmalereien blieben vollständig sichtbar. Auch der heutige Altarraum könnte als Kapelle erhalten bleiben, ebenso die Marienstatue. Zwei große Räume im Obergeschoss eröffneten einen direkten Blick auf die 14 Meter breiten und drei Meter hohen Betonglasfenster, sie ließen die Räume in bunten Farben erstrahlen.

Im Kirchenraum würden sich die Hauptaufenthaltsräume der hier Wohnenden befinden, ein Wohnraum, eine Gemeinschaftsküche, ein Arbeitsraum und ein Raum für Veranstaltungen. Drei Räume im Erdgeschoss böten sich für Begegnungen der alten mit der jungen Generation an. Räume, die auch für andere Gruppen nutzbar wären. Im heutigen Pfarrheim befänden sich Wirtschaftsräume für Wäschepflege und Werken.

Am Ende der Präsentation zollte Pfarrer Andreas Rubel dem jungen Architekten Anerkennung für seine detailliert ausgearbeiteten Vorstellungen. Friedhelm Trowe, der für Bauer Ansprechpartner der Gemeinde St. Cyriakus war, überreichte ihm zum Dank einen (süß gefüllten) „Frankenthaler Eckstein" mit seinem dreifachen Bezug: Er ist dem Stadtwappen entlehnt, im Logo der Pfarrei enthalten und als Metapher im Psalm 118 erwähnt: „Der Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.“

Viele, die Bauers Ausführungen zuvor mit Interesse gefolgt hatten, bewunderten das Architekturmodell und betrachteten eingehend die ausgehängten Zeichnungen mit Grundrissen, Ansichten und Gebäudeschnitten. In kleinen Gruppen tauschten sie ihre Meinungen darüber aus. Könnten die beschriebenen Ideen tatsächlich umgesetzt werden? Zum gemeinschaftlichen Wohnen entwickelte schon vor 500 Jahren der heilige Thomas Morus in seinem literarischen Werk „Utopia“ die Vision eines anderen Lebens in Gemeinschaft. Positiv bewertet wurden die weitgehende Erhaltung der Kirche des Architekten Walter Klumpp sowie der Werke des Künstlers Emil Wachter. Und vor allem die Möglichkeit, in Flomersheim weiterhin einen Ort des Gebets und der inneren Einkehr vorzufinden.

Leseempfehlung
Bauer, Vincent, Beton und Begegnung. Umnutzung einer brutalistischen Kirche zum Altenwohnen und Jugendtreff, Bachelorthesis, Münster School of Architecture, Sommersemester 2025. Trowe, Friedhelm, Es kommt drauf an, was man draus macht. Die Betonkirche St. Thomas Morus: geliebt oder verachtet?, in: aktuell. Monatsheft der Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit Frankenthal, Januar 2020, S. 7-10.

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