Ludwigshafen
Dekanat Ludwigshafen

Samstag, 17. Januar 2026

"Ich versuche, in Kontakt zu kommen

Kunsttherapeut Fabian Schlusser arbeitet auf der Palliativstation des St. Marienkrankenhauses. Ein Porträt.

Kunst kann trösten, stärken – und handlungsfähig machen. Genau darum geht es Kunsttherapeut Fabian Schlusser in seiner Arbeit auf der Palliativstation des St. Marienkrankenhauses: „Malen oder Plastizieren steigert die Macht und wirkt gegen die Ohnmacht“, sagt er.

Wenn Fabian Schlusser mit seinem Materialwagen die Zimmer der Palliativstation betritt, bringt er mehr mit als nur Papier, Aquarellstifte und Knetmasse. Er bringt Ruhe, Aufmerksamkeit – und eine Einladung, im Hier und Jetzt für einen Moment ganz bei sich selbst zu sein. Seit 2006 begleitet der Kunsttherapeut schwerkranke Menschen. Dabei steht für ihn nicht das Kunstwerk im Mittelpunkt, sondern der Mensch: „Es geht nicht um kreative Leistung, sondern darum, über das Gestalten Zugang zu sich selbst zu finden. Kunst ist dabei ein Vehikel.“

Die Arbeiten, die hier entstehen, sind so unterschiedlich wie die Menschen. Da gibt es sorgsam ausgemalte Mandalas, Labyrinthe oder Ausmalbilder mit Blumenmotiven, daneben steht ein frei gezeichneter Ottifant. Ein Patient, so erzählt er, habe sogar das Schloss Neuschwanstein gemalt. Beeindruckend sind auch die sogenannten Körperbilder. In unterschiedlichen Farben zeigen sie, wie sich die Patient*innen fühlen – etwa tiefrote Flächen dort, wo der Schmerz besonders stark ist, oder ein ganz in Grün gemalter Körper als Ausdruck eines Wunschzustands. Gerne gemalt werden auch Tiere – „viele vermissen hier ihre Haustiere“, weiß Schlusser. Wenn die Patienten die Bilder nicht selbst behalten, sammelt Schlusser sie in seinem Atelier.

Für die Bilder benutzt er Aquarellstifte, die noch mit Wasser vermalt werden können. „Große Experimente gehen nicht mehr“, sagt er pragmatisch. Doch es gibt Raum für andere kreative Wege – etwa Plastizieren mit Knetmasse. Dabei stellt er gezielte Fragen wie: „Welches Tier wären Sie gerne?“ Die Antworten sind so überraschend wie individuell – Elefant, Flosse, Fisch. „Ich bin immer wieder begeistert über die Kreativität der Menschen, die dann auch stolz auf ihre Werke sind“, sagt er.

Besonders spannend ist für ihn die Beobachtung, wie stark biografische Erfahrungen in den Prozess einfließen: „Wenn jemand Handwerker war, werden die Hände automatisch aktiv.“

„Ich versuche zunächst, in Kontakt zu kommen“, beschreibt er seine Arbeit. Nicht jede Begegnung führt gleich zu einem kreativen Prozess – manche Menschen möchten einfach reden. „Ich kann alles vom SV Waldhof bis zu Heidegger“, sagt er augenzwinkernd. Wichtig dabei sei, dass die Themenwahl vom Patienten ausgehe. Und manchmal genügt eine scheinbar banale Frage wie: „Möchten Sie ein Eis?“ – um buchstäblich das Eis zu brechen.

Schlusser ist 65 Jahre alt, ausgebildeter Krankenpfleger und freiberuflicher Künstler. Sein Kunststudium finanzierte er selbst, arbeitete nachts in der Pflege, tagsüber künstlerisch. Schon früh beschäftigte ihn das Thema Tod. Heute ist er mit 14 Stunden im Monat auf der Palliativstation tätig – seine Stelle wird vom Förderverein Hospiz und Palliativ für Ludwigshafen und den Rhein-Pfalz-Kreis finanziert. Die Begegnungen mit den Patient*innen bedeuten ihm viel. „Sie sagen oft, ich sei der Gute-Laune-Onkel. Mir macht die Arbeit große Freude und ich habe das Gefühl, ich gebe den Menschen etwas“.

Was ihn an der Arbeit besonders fasziniert: das absolute Bewusstsein der Patient*innen für die Endlichkeit des Lebens. „Das verändert die Qualität des Seins. Manche Dinge werden plötzlich unwichtig – und Kontakt wird umso wichtiger.“

 

Text und Bilder: Dr. Anette Konrad

 

Diese Meldung und weitere Nachrichten von Dekanat Ludwigshafen
finden Sie auf folgender Internetseite: www.kath-dekanat-lu.de

Artikel teilen:

Treffer 795 bis 12 von 12
Blieskastel
Pfarrei Hl. Franz von Assisi
22.09.20

Heilung und Heiligung

Den vollständigen Vortrag mit Heilungsgebet von P. Hieronim und Thomas Paul aus...
Blieskastel
Pfarrei Hl. Franz von Assisi
21.09.20

Novene zur Hl. Thérèse von Lisieux

Vom 22. bis zum 30. September betet die Kirche in Vorbereitung auf ihren Festtag...
Bobenheim-Roxheim
Pfarrei Hl. Petrus
03.02.21

Impuls zum Blasiussegen

Impulse zu einer Andacht am Gedenktag des Hl. Blasius am 3. Februar
Bobenheim-Roxheim
Pfarrei Hl. Petrus
01.02.21

Grußworte Februar 2021

Liebe Leserin, lieber Leser, es gibt Herausforderungen, die bleiben über die...
Treffer 795 bis 56 von 56
Treffer 795 bis 80 von 80
Treffer 795 bis 68 von 68
Homburg
Pfarrei Hl. Johannes XXIII.
29.06.16

Firmprojekt

Ein Tag mit jungen Asylanten im Holiday Park
Homburg
Pfarrei Hl. Johannes XXIII.
27.06.16

Pray & Schwenk

Wie bereits im letzten Jahr wurde der diesjährige Wortgottesdienst zu Pray &...
Treffer 795 bis 52 von 52
Treffer 795 bis 69 von 69
Treffer 795 bis 51 von 51
Treffer 795 bis 73 von 73
Ludwigshafen
Dekanat Ludwigshafen
09.05.23

Online-Vortragsreihe zu Gesundheit und Krankheit

Am 25. Mai 2023 beginnt eine vierteilige Online-Vortragsreihe, zu der das HPH und...
Ludwigshafen
Dekanat Ludwigshafen
20.05.23

Ökumenische Gottesdienste am Pfingstmontag

Pfingsten gemeinsam feiern: Das hat in Ludwigshafen eine gute Tradition. Auch...
Treffer 795 bis 39 von 39
Maikammer
Pfarrei Maria, Mutter der Kirche
10.12.20

3. Advent in der Tüte

Liebe Familien Auch für den dritten Advent ist etwas in der Tüte. Am 13. Dezember...
Maikammer
Pfarrei Maria, Mutter der Kirche
11.12.20

Musikalische Andacht im Advent

von Kindern für kleine und große Leute
Treffer 795 bis 66 von 66
Schifferstadt
Pfarrei Hl. Edith Stein
03.02.22

Ein herzliches Willkommen Frau Katharina Heilscher

Praktikum im Rahmen der Ausbildung zur Gemeindereferentin
Schifferstadt
Pfarrei Hl. Edith Stein
03.02.22

Osterpfarrbrief 2022: Das Redaktionsteam startet mit...

Beiträge aus den Gruppierungen und Gremien der Pfarrei für Pfarrbrief zu Ostern...
Treffer 795 bis 48 von 48
Treffer 795 bis 107 von 107