Freitag, 10. April 2026
Bericht: Zwölf Tonnen Bronze zur Ehre Gottes
Die Glocken der katholischen Kirchen in Frankenthal
Anlässlich der 150-jährigen Wiederkehr des Gusses der Kaiserglocke durch Andreas Hamm eröffnete das Erkenbert-Museum Ende des vergangenen Jahres eine Ausstellung. Sie befasste sich mit dem Thema Glockenguss in Frankenthal im Kontext der Kulturgeschichte, des Handwerks und der Stadtgeschichte. Die Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit trug dazu bei und war mit Informationen, Exponaten und einem Fachvortrag beteiligt.
Der Guss der Kaiserglocke im Jahr 1875 stellte den Höhepunkt im Schaffen des Frankenthaler Glockengießers Andreas Hamm (1824-1894) dar. Hamm gehörte auch dem Stadtrat und dem Kirchenfabrikrat (Verwaltungsrat) der katholischen Pfarrei an. Bereits 1892 übergab er den Betrieb seinem Sohn Karl (1866-1931). Dieser und später dessen Sohn Hermann (1896-1971) führten das Unternehmen weiter. Die Firma existierte bis 1960, dann wurde der Glockenguss in Frankenthal eingestellt.
Glocken in Frankenthal
Bereits im Februar 2025 hatte sich das Erkenbert-Museum an die Pfarrei gewandt, um Informationen zu den Glocken der katholischen Kirchen zu erhalten. Zur Beantwortung dieser Anfrage wurden die Daten der Frankenthaler Kirchenglocken gesammelt und erstmals gegenübergestellt.
Wie die nachfolgende Tabelle zeigt, läuten in den Kirchtürmen bis auf eine Ausnahme Glocken der Frankenthaler Gießerei Hamm. Die ältesten Glocken (Hl. Kreuz, Glocke 4, und St. Georg, Glocke 4), noch von Karl Hamm gegossen, stammen aus der Zwischenkriegszeit. Sie haben den Zweiten Weltkrieg überdauert, weil sie als kleinste Glocken nicht für Kriegszwecke abgeliefert werden mussten und ihre Kirchen unzerstört blieben (im Gegensatz zu St. Dreifaltigkeit und St. Cyrikas). Die im Jahr 1936 geweihte Kirche St. Ludwig erhielt erst nach dem Krieg drei Glocken. Eine Erweiterung auf ein vierstimmiges Geläut dieser größten Kirche der Pfarrei war zwar geplant, wurde aber nicht realisiert.
Die jüngste Glocke (St. Georg, Glocke 1) aus dem Jahr 1965 stammt aus der Heidelberger Glockengießerei Friedrich Wilhelm Schilling (1914-1971), da Hamm den Glockenguss zu jener Zeit bereits eingestellt hatte. Sie fällt im Vergleich zu den Glocken der Frankenthaler Gießerei aus dem Rahmen: Obwohl sie den gleichen Schlagton hat wie die größte Glocke von St. Ludwig, ist sie rund 15 Prozent schwerer. Addiert man die Gewichte aller Glocken, ergibt sich ein Gewicht von über 12 000 kg – 12 Tonnen Bronze, die zur Ehre Gottes läuten.
Die Frankenthaler Nachkriegskirchen St. Paul und St. Jakobus haben kein Geläut, auch nicht die Flomersheimer Kirche St. Thomas Morus, jedoch verfügt diese über eine Glockenstube im Turmaufsatz.
Doppelgänger in Kirchtürmen
Jede Glocke ist ein Einzelstück. Zur Herstellung der Lehmform wird eine Drehschablone verwendet, die öfter benutzt werden kann und mit der man die Längsschnittsform („Rippe“) sowie Größe und Gewicht der Glocke reproduzieren kann. Offensichtlich sind solche „Doppelgänger“ auch in Frankenthaler Kirchen zu finden. Bei ihnen stimmen sowohl das Gewicht als auch der Schlagton überein: St. Dreifaltigkeit, Glocke 1, und St. Ludwig, Glocke 2 (Gewicht 850 kg und Schlagton f1); St. Dreifaltigkeit, Glocke 3, und Hl. Kreuz, Glocke 4 (Gewicht 250 kg und Schlagton c2).
Die Tabelle zeigt die Vorliebe, jeweils eine Glocke des Geläuts der Gottesmutter Maria zu widmen; eine Marienglocke ist daher in jeder der fünf Kirchen zu finden. Jesu Nährvater Josef/Joseph ist viermal vertreten. Mit St. Andreas (St. Ludwig, Glocke 3) hat es eine besondere Bewandtnis: Hermann Hamm stiftete die Glocke im Jahr 1950 zu Ehren seines Großvaters Andreas, zeitgleich zum 75. Jubiläum des Gusses der Kaiserglocke.
Kläpper und Läuteordnung
Die Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit war auch mit Exponaten an der Ausstellung beteiligt: Mit Kläpper und einer Läuteordnung der Studernheimer Gemeinde St. Georg. Kläpper und Ratschen ersetzen Glocken, die vom Gründonnerstag bis zur Osternacht aus Trauer schweigen. Die Läuteordnung einer Kirche regelt, welche Glocken zu welchem liturgischen Anlass gemeinsam oder einzeln erklingen. (Hierzu, zur Ausstellung und ihrer Eröffnung berichtete das aktuell in seiner letzten Ausgabe.)
Vortrag in der Mittagspause
Im Rahmen des Formats „Mittagspause im Museum“ präsentierte Dr. Dörte Kaufmann, die Leiterin des Stadtarchivs, einen Stummfilm aus dem Jahr 1929, der die Herstellung einer Glocke in der Frankenthaler Gießerei Hamm zeigt. Anschließend ergänzte Friedhelm Trowe von der Gemeinde St. Cyriakus den Film mit einem Fachvortrag über die Fertigung von Kirchenglocken. Darstellungen einer Glockengießerei aus dem 19. Jahrhundert sowie Fotos aus neuzeitlichen Gießereien veranschaulichten die Herstellung – von der Formgestaltung über die „falsche Glocke“ bis hin zur fertigen Glocke. Zitate aus Friedrich Schillers „Lied von der Glocke” begleiteten den Vortrag und verliehen ihm eine literarische Note.
Leseempfehlung
Jarosch, Walter, Die Gemeinde St. Georg und ihre Glocken, in: Frankenthal einst und jetzt (1982/2), S. 45-50.
Trowe, Friedhelm, Te Deum zwischen Himmel und Erde. Die Glocken der Cyriakuskirche und Christuskirche in Eppstein, in: aktuell. Monatsheft der Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit Frankenthal (2019), Mai, S. 40-43.
(Hinweis zum Bild, Fotoausschnitt aus dem Stadtarchiv Frankenthal: Im Jahr 1943 mussten zwei Glocken der Kirche St. Dreifaltigkeit für Kriegszwecke abgeliefert werden. Sie waren 1921 vom Glockengießer Karl Hamm gegossen worden.)
Diese Meldung und weitere Nachrichten von Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit
finden Sie auf folgender Internetseite: www.pfarrei-frankenthal.de




























































































