Kusel
Pfarrei Hl. Remigius

Freitag, 21. Dezember 2018

Weihnachtsgruß von Pfarrer Schlenkrich

Gott hat uns Menschen mit seinem Sohn in der Krippe ein unglaubliches Geschenk gemacht.

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

 

das geschäftliche Treiben in der Adventszeit, das den vorbereitenden Sinn auf das Weihnachtsfest vergessen lässt, mag manche von Ihnen, liebe Schwestern und Brüder, stören. Trotz aller Kritik an dem Rummel bietet der Blick in die Advents- und Weihnachtszeit dieser Tage: Weihnachtsschmuck in Straßen, Weihnachtslieder in den Geschäften, Weihnachtsbazar in der Gemeinde, Weihnachtsfeiern in den Vereinen, Weihnachtsessen mit der Belegschaft, Weihnachtsbäume im Angebot . . . Weihnachten hat offenbar eine unwiderstehliche und ungebrochene Faszination, wenigstens bei uns in Deutschland.

Ganz spannend und spannungsreich wird es dann, wenn wir dem religiösen und geistlichen Sinn des Weihnachtsfestes nachspüren: Wir Christen glauben, dass der unendliche Gott in Jesus ein endlicher Mensch geworden ist, dass der Unnahbare uns in Betlehem ganz nahe gekommen ist, dass der Unfassbare in Windeln gewickelt in einer Krippe liegt, dass das Geheimnis Gottes im Gott-Menschen offenbar geworden ist. Ja, wir glauben, dass Gott aus seiner unbeschreiblichen Herrlichkeit zu uns Menschen „herabgestiegen“ ist, um uns auf Augenhöhe zu begegnen. Und die Feier seiner Geburt in der längsten Nacht des Jahres, ist ein Symbol dafür, dass der in höchster und lichtvollster Höhe thronende in die tiefste und dunkelste Nacht unseres Menschenseins abgestiegen ist, um auch dem „Ärmsten“ nahe zu sein.

Ein Glaube, der mit menschlichem Geist und logischer Reflexion nicht begreifbar ist. Eine Überzeugung, die man eben schlicht und einfach nur glauben kann. 

Wer aber an die Menschwerdung des Gottes-Sohnes vor ca. 2000 Jahren glaubt, und diesen Glauben an jedem Weihnachtsfest mit der weltweiten Christenheit feiert, kann den Anlass dieser Feierlichkeit, auch ganz einfach benennen: Wir feiern den Geburtstag jenes Jesus aus Nazareth, des Sohnes der Jungfrau Maria, den wir als Messias der Menschheit verehren.

Wie er Geburtstag feiert und wir mit ihm, so feiern auch wir Geburtstag, ganz wenige von uns an Weihnachten, die meisten an irgend einem anderen Tag im Jahr.

Bei der Geburtstagsfeier eines Kindes kann ich beobachten, wie Freunde und Verwandte das Kind bestaunen für alles, was es dazu gelernt hat. Ich höre den Ausruf: „Sieh mal, sie läuft schon!“ Geburtstag feiern heißt dann, die Stufen feiern, die das Kind erreicht hat, des Wegs gedenken, den das Kind schon zurückgelegt hat. Eltern denken an solchen Tagen oft an die Umstände der Geburt, an die Freude, das Kind in den Armen zu halten. Doch blicken sie auch noch vorne in die Zukunft des Kindes. Oft sagen sie dem Kind es so oder so ähnlich: „Ich wünsche dir ein gutes Leben!“.

So ist auch die Perspektive am Weihnachtsfest zwar die Erinnerung an die Geburt Jesu vor über zweitausend Jahren. Doch wenn wir unsere Krippen anschauen, eröffnet sich zugleich die ganze Lebensgeschichte Jesu, die in Tod und Auferstehung mündete.

Wenn wir in der Eucharistiefeier am Weihnachtsfest im „Hochgebet“ bekennen: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit“, dann haben wir diese mehrfache Perspektive im Blick. Vor unseren geistigen Augen erkennen wir nicht nur das kleine Jesuskind, sondern das gesamte Leben Jesu Christi, schlagen sogar einen Bogen in Zukunft, zur Wiederkunft Jesu am Ende der Zeiten.

Es ist wie im gesamten Kirchenjahr. Wir feiern immer das ganze „Christus-Ereignis“, betonen aber an diesem Tag und an diesem Fest einen Aspekt in besonderer Weise. So sind wir an Weihnachten aufgefordert, nicht in einer falsch verstandenen Idylle bei der Geburt von Bethlehem stehen zu bleiben. Zumal diese Geburt, wie fast jede Geburt, nicht wirklich eine Idylle war. Wer wollte das sagen, wenn wir die Umstände der Geburt Jesu betrachten.

Etwas vom Überschuss der Romantik an diesen Tagen dürfen wir abbauen, damit wir den Blick frei bekommen für die eigentliche Botschaft: Der Erlöser der Menschheit, der Sohn Gottes, beugt sich so tief in das Menschenleben herab, dass er sogar die Mühsal der Geburt aus einer Menschenfrau, mitten in größter Armut, auf sich nimmt. Die Ärmsten der Armen, aber auch die Weisen der Völker kommen, um dieses Wunder anzubeten, das den menschlichen Geist übersteigt und nur demütig geglaubt und angebetet werden kann.

Insofern hat Gott uns Menschen mit seinem Sohn in der Krippe ein unglaubliches Geschenk gemacht. Wir sollten es immer wieder neu durchdenken: Gott mit Windel im Stroh. Winzig klein, verwundbar, verletzbar nimmt er unser Leben an.

Das heißt, Gott ist niemanden fern: Er kann verstehen was es heißt krank zu sein, zu frieren, bei den Menschen nicht anzukommen, auf der Flucht zu sein. Kurz: Das Leben jedes einzelnen Menschen ist ihm nicht egal. Das ist die gute Nachricht, die es zu feiern gilt, meint,

Ihr Pfarrer Rudolf Schlenkrich

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