Deidesheim
Pfarrei Hl. Michael

Samstag, 14. Dezember 2019

Sternsingeraktion 2020

Die Aktion Dreikönigssingen ist die größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder weltweit. Seit Beginn im Jahr 1959 haben die Sternsinger insgesamt eine Milliarde Euro gesammelt. Allein bei der Aktion 2019 kamen über 50 Millionen Euro an Spenden zusammen. Die kommende Sternsingeraktion 2020 stellt das Thema Frieden am Beispiel des Libanon in den Mittelpunkt.

Wie diese Geschwister leben rund eine Million syrische Flüchtlinge im kleinen Nachbarland Libanon, etwa ein Drittel von ihnen in der Bekaa-Ebene. In den Flüchtlingslagern nahe der syrischen Grenze wohnen sie unter prekären Bedingungen.

In userer Pfarrei Hl. Michael Deidesheim sind die Sternsinger dieses Jahr an folgenden Tagen unterwegs. Sie würden sich freuen, wenn sie bei Ihnen offene Türen finden würden.

  • Deidesheim: Donnerstag, 02.01.2020 bis Samstag, 04.01.2020
  • Forst: Sonntag, 05.01.2020
  • Meckenheim: Sonntag, 05.01.2020
  • Niederkirchen: Samstag, 04.01.2020
  • Ruppertsberg: Samstag, 04.01.2020 bis Sonntag, 05.01.2020

Der Film zum Libanonprojekt

Wenn Menschen einander begegnen, begrüßen sie sich meist freundlich. Ein Händedruck, ein Lächeln, eine Umarmung; man erkundigt sich, wie es dem anderen geht. Wir wünschen uns einen guten Tag, sagen „Grüß Gott!“ oder ein lockeres Hallo. Das ist erst einmal ein alltäglicher Vorgang, nicht der Rede wert. Und doch liegt in jeder Begrüßung, in jedem Zusammentreffen von Menschen, eine besondere Chance. „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, schreibt der Philosoph Martin Buber: Nur da, wo Menschen aufeinander zugehen, Distanz überwinden und zueinander in Beziehung treten, ist wirkliches Leben möglich. Nur da ist auch Frieden möglich.

Doch ein Blick in unsere Welt zeigt: Es ist nicht selbstverständlich, dass wir einander in gegenseitiger Achtung begegnen. Seit Jahren nimmt die Zahl der Menschen wieder zu, die durch bewaffnete Konflikte ihr Leben verlieren oder ihre Heimat verlassen müssen. Täglich hören wir in den Medien von Gewalt und Unfrieden. Ablehnung, Intoleranz und Hass scheinen sich auszubreiten. Aufrüstung ist kein Tabu mehr – in der öffentlichen Diskussion in sozialen Netzwerken ebenso wenig wie in Wirtschaft und Politik. Können wir dagegen etwas ausrichten? Ist Frieden wirklich möglich?

Im Libanon, dem Beispielland der Aktion Dreikönigssingen 2020, haben wir Menschen getroffen, die diese Frage entschieden mit „Ja“ beantworten. Frieden beginnt für sie, um es mit einem Wort von Mutter Theresa zu sagen, „mit einem Lächeln“. Frieden beginnt mit Begegnung. Dabei hat der lange Bürgerkrieg im eigenen Land tiefe Wunden hinterlassen. Die Gewalt im Nachbarland Syrien ist bedrohlich nah. Trotzdem finden im Libanon Menschen zusammen, die an die friedensstiftende Kraft der Begegnung glauben und aufeinander zugehen. Dabei ist der Weg zum Frieden nicht einfach. Vergangenes muss aufgearbeitet, Fremdes verstanden und Trennendes benannt werden. Nur dann können wir einander verstehen, annehmen und in Frieden miteinander leben.

Frieden gestalten

Fehlen einem Kind Schutz und Geborgenheit, fehlen ihm auch elementare Voraussetzungen, um gut aufwachsen zu können. Das gilt besonders dort, wo Kinder unter Krieg und den Folgen leiden. Die Aktion Dreikönigssingen zeigt, wie die  Projektpartner der Sternsinger Schritte gehen, die zum Frieden führen und dazu beitragen, dass Kinder Frieden lernen.

Frieden heißt nicht nur, dass kein Krieg herrscht. Ein Leben in Frieden ist eine Grundhaltung, die Beziehungen zu anderen Menschen prägt, die verantwortungsvollen Entscheidungen zugrundeliegt – und vor allem eine Grundhaltung, die immer wieder neu gewagt und weiterentwickelt werden muss. Das ist nicht leicht. Die Herausforderungen, Frieden zu schaffen und zu erhalten, sind sehr komplex. Das kann dazu führen, dass das Ziel eines umfassenden Friedens unerreichbar scheint.

„Friedlich“ und „Frieden“: Das sind Begriffe, die einen Zustand beschreiben, der utopisch anmutet und als unrealistisch bewertet wird. Dennoch ist der Wunsch nach Frieden eine Ursehnsucht jedes Menschen. In der Bibel wird Frieden oft als Zustand beschrieben, der in der ewigen Vollendung herrscht. Ein solcher Zustand ist buchstäblich „paradiesisch“ und tritt erst „am Ende aller Tage“ ein. Ist Frieden also in dieser Welt gar nicht möglich? Können Menschen gar nicht Frieden „schaffen“? Frieden kann ganz konkret geschaffen werden, und zwar durch das Handeln jedes einzelnen Menschen. Weil Frieden Sache jedes Einzelnen ist, wird Frieden zu einem Auftrag jedes Menschen. Denn Streit und Ärger lassen im Alltag Ungleichheiten und Unfrieden wachsen. Jeder Einzelne ist aufgefordert, nach Lösungen für den Frieden zu fragen. Wie kann Frieden im Hier und Jetzt entstehen? Papst Franziskus hat in seiner Botschaft zur Feier des 52. Weltfriedenstags am Neujahrstag 2019 betont, dass „jede Familie, jede Gemeinschaft, jedes Land, jeder Kontinent“ ein Ort sei, an dem die „Jünger Christi“ heute „Gestalter des Friedens“ sein sollen. Friede ist hier, so hat es das Zweite Vatikanische Konzil formuliert, eine „immer wieder neu zu erfüllende Aufgabe“ (GS 78). Es liegt damit ganz konkret in der Verantwortung jedes Einzelnen, in Freundschaft, Schule oder Arbeit Frieden zu stiften.

Frieden ist dialogisch – und das im engsten Wortsinn: Denn wie zum Streit gehören auch zum Frieden immer mindestens zwei Seiten. Auch diesen Aspekt greift das Konzil auf, wenn es den Frieden beschreibt: „Friede besteht nicht darin, dass kein Krieg ist“, sondern Friede entsteht als „Werk der Gerechtigkeit“ (GS 78). Friede muss also auf der sicheren Grundlage der Gerechtigkeit stehen: Wo Gerechtigkeit herrscht, hat jeder den Freiraum, seine Möglichkeiten zu entfalten. Wo Menschen gerecht miteinander umgehen, da ist aber auch Raum, den Anderen und seine Bedürfnisse kennen- und schätzen zu lernen. In diesem Sinne ist Friede tatsächlich ein „Werk der Gerechtigkeit“. Wo ein gerechter Umgang miteinander herrscht, da kann rücksichtsvoller Friede wachsen.

Für Kinder ist es eine besondere Belastung, wenn Frieden und Gerechtigkeit in ihrem Alltag fehlen. Häusliche Gewalt, Mobbing in der Schule, aber auch und besonders Krieg und Vertreibung berauben sie der Möglichkeit, in einer Umwelt aufzuwachsen, die sie sich ungehindert entfalten lässt. Sicherheit und Geborgenheit sind als Grundbedürfnisse gerade im Kindesalter von elementarer Bedeutung. Wird dieses Grundbedürfnis nicht erfüllt, kommt es zu Traumata, die das Leben der Kinder massiv und nachhaltig schädigen – Kinder werden ihrer Kindheit beraubt. Krieg und Vertreibung zwingen sie, Rollen außerhalb ihres Kind-Seins wahrzunehmen: Sie müssen sich um ihre Geschwister kümmern, können nicht zur Schule gehen oder erfahren Gewalt und Bedrohung. Sie erleben, dass Misstrauen als Überlebensstrategie nötig sein kann, um Gefahren zu vermeiden und sich zu schützen. Und sie erfahren, dass Feindschaft und Hass die Oberhand haben.

Die UN-Kinderrechtskonvention hält unmissverständlich fest, „dass Kinder Anspruch auf besondere Fürsorge und Unterstützung haben“, damit sie „im Geist des Friedens, […] der Toleranz, der Freiheit, der Gleichheit und der Solidarität erzogen werden“. Fehlende Gerechtigkeit und fehlender Friede beschneiden diese Ziele und die Rechte der Kinder. Denn Kinder brauchen eine gewaltfreie, chancengerechte und an ihrem Wohl orientierte Umgebung, damit sie sich entwickeln können.

Zum „gerechten Frieden“ gehört, dass jede Form der Gewaltlosigkeit Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben ist. Das bedeutet nicht nur einen Verzicht auf Gewalt. Nachhaltiger und gerechter Friede kann nur entstehen und bewahrt werden, wenn alle sich darauf verlassen können, dass Machtmissbrauch und Gewalt keinerlei Optionen bei der Ausübung von Macht sind. Denn Streit und Meinungsverschiedenheiten können nicht durch das Recht des Stärkeren beigelegt werden, sondern nur durch Dialog, Aufeinander- Hören, Toleranz und Akzeptanz der anderen Meinung. Dies aber muss gelernt werden, damit es Bestandteil der eigenen Grundhaltung wird. Denn Friede kann nur fortbestehen, wenn die Gestalter des Friedens von morgen Gerechtigkeit und Frieden gestalten, ohne Gewalt und Machtmissbrauch zu üben. So entsteht eine, wie die Kinderrechtskonvention fordert, „harmonische Entfaltung“ für Kinder.

So setzen sich die Partner des Kindermissionswerks für Frieden ein:

•    Durch Traumatherapie: Sie helfen Kindern, traumatische Erfahrungen zu bewältigen, friedliche und stabile soziale Bindungen aufzubauen und mit Gefühlen umzugehen.
•    Durch interreligiösen Dialog und interkulturelle Friedenserziehung: Sie bringen Kindern unterschiedlicher Herkunft Traditionen und religiöse Überzeugungen nahe und helfen ihnen, einander mit Respekt und Toleranz zu begegnen.
•    Durch politische Bildungs- und Friedensarbeit: Sie tragen in Schule und Gemeinde sowie auf lokaler und regionaler Ebene dazu bei, Konflikte zu lösen und unter Wahrung der Kinderrechte ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen.

 

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