Haßloch
Pfarrei Hl. Klara von Assisi

Mittwoch, 03. Juni 2020

Dreifaltig einer

Am Sonntag, 7. Juni ist Dreifaltigkeitssonntag. Wie kann man sich das vorstellen? Hier ein Interview mit Bruder Maximilian Wagner zur Vorstellung eines dreifaltigen Gottes.

Sie hilft, das Wesen Gottes besser zu verstehen und sich offen dem Leben zu stellen.

 

Lieber Bruder Maximilian, Juden und Muslime glauben an einen Gott. Wir Christen glauben an einen Gott in drei Personen – warum so kompliziert?

 

Bruder Maximilian: Ich finde die Dreifaltigkeit nicht kompliziert. Wir Christen glauben an einen Gott, der in sich lebendige Beziehung ist. Wir Menschen denken die Zeit auch dreifaltig, nämlich als Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, was die Sache meines Erachtens erleichtert und nicht kompliziert macht. Gott Vater könnten wir als Gott des Alten Bundes eher der Vergangenheit zuordnen, in Jesus Christus als dem Auferstandenen feiern wir immer wieder die lebendige Gegenwart Gottes und der Hl. Geist ist für die Hoffnung auf eine gute Zukunft zuständig. Es gibt noch viele andere Bilder, um sich dem Geheimnis der Dreifaltigkeit anzunähern: Quelle – Bach – Fluss oder Wurzel – Baumstamm – Zweige oder Sonne als Lichtquelle – Sonnenlicht – Farbenspektrum. Aller guten Dinge sind eben drei.

 

Viele Menschen wenden sich im Gebet allgemein an Gott. Macht es Sinn, beim Beten eine der drei göttlichen Personen direkt anzusprechen?

 

Bruder Maximilian: Ich bevorzuge, mich in meinen Gebeten direkt an Jesus zu wenden, er ist mir Bruder und Freund. Ich kenne andere, die lieber Gott Vater ansprechen, weil sie vielleicht auch zu den eigenen Eltern ein recht vertrauensvolles Verhältnis hatten und das auf Gott übertragen. Den hl. Geist rufen wir in den wunderbaren Hymnen und Liedern vor ganz wichtigen Entscheidungen und großen Lebensschritten an. Ihn im Gebet direkt anzusprechen, fällt mir schwer, muss ich ehrlich sagen, weil ich ihn mir als Person nicht so vorstellen kann.

 

Der Heilige Geist ist wohl für viele die unbekannte Größe in dieser Dreiheit. Wie beschreiben Sie ihn?

 

Bruder Maximilian: Für mich ist der hl. Geist das überraschende Moment, das die Zukunft mit sich bringt, die liebende Verbindung und Brücke, die Himmel und Erde miteinander verbindet, und die Stimme des Gewissens, die mir sagt, was gut und richtig ist.

 

Was kann der Glaube an den dreifaltigen Gott im konkreten Alltag bewirken?

 

Bruder Maximilian: Offenheit für das, was auf mich zukommt. Leben müssen wir immer vorwärts, Gottes Spuren entdecken wir immer erst im Nachhinein.

 

Hier ein Interview mit Bruder Maximilian Wagner zur Vorstellung eines dreifaltigen Gottes. Sie hilft, das Wesen Gottes besser zu verstehen und sich offen dem Leben zu stellen.

 

Wo wird für Sie ein dreifaltiger Gott spürbar?

 

Bruder Maximilian: Für mich ist es immer ein und derselbe Gott, den ich erfahre, da unterscheide ich nicht so sehr die drei Personen. Ich kenne verschiedene Möglichkeiten, Gott im Alltag zu spüren: bei einem Spaziergang in der Natur, wenn ich aufmerksam und ehrfurchtsvoll staunend die Schöpfung betrachte; in der Stille des Gebetes, bei der mir Mut und Zuversicht für zu meisternde Herausforderungen zuwächst; im Wort der Hl. Schrift, das mich anspricht und plötzlich für mich relevant wird; in der Begegnung mit einem Menschen, der mir erfahrbar macht, dass das Leben mehr ist als der momentane Augenblick; in Zufällen des Lebens, die für mich dann doch einen Sinn ergeben und mich vermuten lassen, dass da eine höhere Macht ihre Hand im Spiel hatte …

 

Bruder Maximilian Wagner ist Wallfahrtsleiter und Hausoberer des Franziskanerklosters zum Mitleben auf dem Hülfensberg im Bistum Erfurt. Die Hauptwallfahrt findet dort jährlich am Dreifaltigkeitssonntag statt. Bereits am Samstag davor machen sich viele katholische und evangelische Christen auf den Weg und erinnern sich in einem Gottesdienst der eigenen Taufe. Nähere Informationen unter www.huelfensberg.de

Die Fragen stellte Elfriede Klauer, www.pfarrbriefservice.de.

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