Bobenheim-Roxheim
Pfarrei Hl. Petrus

Montag, 01. November 2021

Grußworte November 2021

Liebe Leserin, liebe Leser,

der Monat November ist geprägt durch das Gedenken und die Erinnerung an unsere Toten. Der Besuch des Grabes eines Partners, der Geschwister und der Angehörigen ist für viele wichtig. Oft wird eine Kerze angesteckt, man betet still und denkt an die oder den Verstorbenen.

Wenn ich am Grab meiner Eltern und meiner zu früh verstorbenen Schwester stehe, dann packe ich zunächst den Besen und die Hacke aus. Ich mache das Grab sauber, stelle meine mitgebrachten Blumen in eine Vase und zünde eine Kerze an. Dann verweile ich. Mir kommen die unterschiedlichsten Erinnerungen an meine Eltern und meine Schwester in den Sinn. Oft lächle ich, wenn ich an schöne gemeinsame Erlebnisse denke. Manchmal erfüllen mich Gefühle der Traurigkeit, der Hilflosigkeit und die Leere unbeantworteter Fragen. Ich bete und segne das Grab. Ich packe meine Sachen zusammen. Ein letzter Blick. Ich verabschiede mich und gehe immer mit dem Gefühl, dass sie dort sind, wo es ihnen gut geht. Ich gehe mit der festen Hoffnung, dass sie auch weiterhin mit mir verbunden sind.

Der Friedhof meiner Heimatstadt ist sehr groß. Auf dem Weg zum Grab meiner Familie komme ich an der Grabstätte eines Pfarrers vorbei. Er war zunächst Kaplan in meiner Heimatpfarrei, dann als Pfarrer in der neu errichteten Nachbarpfarrei tätig. Freundschaftlich waren meine Eltern mit ihm verbunden. Manchmal bleibe ich stehen und führe in Gedanken Zwiesprache mit ihm. Die Kirche, wie sie sich heute darstellt, dies wäre nicht seine Kirche gewesen. Er hatte stets ein Herz für die ganz Kleinen und seine Offenheit und Weite kannte fast keine Grenzen. Ich danke ihm für die Erfahrungen, die ich gemeinsam mit ihm machen durfte. Ich bete. Ich segne sein Grab nicht, da ich mich von ihm gesegnet fühle.

Dies sind meine Erfahrungen auf dem Friedhof. Sie haben ganz persönliche Erlebnisse und Empfindungen, wenn Sie das Grab, die Stele und die Ruhestätte eines Angehörigen oder Freundes besuchen. Vielleicht pflegen Sie das Gespräch mit Ihren Toten am Grab, fühlen tief in Ihren Herzen die Gefühle der Dankbarkeit und manchmal auch Traurigkeit. Der Besuch an den Gräbern von Verwandten, Schulkameraden oder -freundinnen ist Ausdruck der Verbundenheit über den Tod hinaus. Es gibt so vieles, das über den Tod als schöne Gemeinsamkeit und dankbare Erfahrungen bleibt. Und vielleicht teilen Sie meinen Glauben, dass wir miteinander verbunden bleiben, sollte uns der Tod auch trennen.

Die Gefühle der Leere, der Schmerz der Trennung sind besonders groß, wenn der Tod eines Angehörigen oder Freundes noch ganz nahe ist. Trauer um den Verlust braucht seine Zeit. Jede und jeder trauert auf seine ganz persönliche Weise. Nichts kann, wie es einmal Dietrich Bonhoeffer geschrieben hat, den Verlust eines nahen, eines geliebten Menschen ersetzen.

Als Gemeinde wollen wir ein kleines Zeichen unserer Verbundenheit setzen. In den Gottesdiensten an Allerheiligen werden die Namen der Verstorbenen des letzten Jahres verlesen und dabei eine kleine Kerze entzündet. Ich weiß, dass das Gefühl der Verbundenheit und des Getragenseins durch andere Menschen hilft, die Trauer und den Schmerz zu bewältigen. Ich habe persönlich erfahren, dass ich dazu immer wieder die Kraft und den Segen Gottes brauchte und brauche. Ich möchte daher mit einem kleinen Segensgebet enden.

Ich freue mich, wenn es Ihnen hilft, Ihren Schmerz und Ihre Trauer anzunehmen und sie Gott hinzuhalten.

Segensgebet

Ich wünsche Dir,
dass Du in Deinen Tränen auch die Träume siehst,
die ihr einst gemeinsam geträumt habt.
Ich wünsche Dir,
dass der Stahl der dankbaren Erinnerung in die Nacht bricht,
die Dein Herz zu verdunkeln droht. Deine Seele weiß, dass Heilung aus dem Himmel kommt und tief in Deinem Herzen auf Dich wartet.
Ich wünsche Dir,
dass Du die Einsamkeit als eine Zeit erlebst,
die Dich aufhorchen lässt, damit Du noch Unerschlossenes in Dir entdecken kannst.
Ich wünsche Dir,
dass Dich all das Unerfüllte, die Verletzungen in Deinem Leben nicht erdrücken,
sondern Du sie als Stufen verstehst, die Dich in eine neue Weite führen.
Ich wünsche Dir,
dass all Deine Traurigkeiten nicht vergeblich sind,
sondern Dich in Berührung mit Deiner eigenen Seele,
der Quelle des Segens unseres Gottes bringen.
Ich wünsche Dir,
dass Du vertrauen und erfahren kannst:
In der Tiefe meiner Seele wohnt Gott,
der das Leben über jeden Tod und jede Trennung hinaus ist.
(nach einem irischen Segenswusch)

Mit den herzlichsten Segenswünschen
Markus Hary, Pfarrer

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