Gersheim
Pfarrei Heilig Kreuz

Dienstag, 14. April 2020

Ostern braucht Zeit...

...Glauben an die Auferstehung bedächtig wecken lassen.

Zeit – davon haben wir im Moment mehr als genug. Warum sie nicht nutzen, um das österliche Geschehen und das Davor und das Danach länger zu bedenken.
Sich alles durch Kopf und Herz gehen lassen. Und auch das „Bauchgefühl“ nicht vergessen.

Ostern nur vom Verstand her zu begreifen, ist unmöglich. Da braucht es mehr.

Um Ostern „zu verstehen“, braucht man Zeit.
Selbst gläubige Menschen haben mit Ostern ihr Problem.
Es gibt keine Parallelen in unserer Erfahrungswelt.
Das ist wider die Biologie.
Ist es nicht zu schön, um wahr zu sein!?
Ein Toter, der lebt!

Und wenn man dann noch die Ostererzählungen der Bibel miteinander vergleicht,
ist man ganz verwirrt und verunsichert.
Da ist von Angst und Schrecken die Rede, vom Schweigen und Zweifeln der Jünger.
Die Wächter beim Grab Jesu zittern und fallen wie tot zu Boden.
Und Jesu Auftreten wirkt auf die Jünger zunächst gespenstisch.
Wie ein Fremder. Man sieht ihn erst, wenn man ihn fast nicht mehr sieht.
Die Texte der Bibel sind nicht sehr werbewirksam.
Eher vieldeutig und widersprüchlich.

„Ob Sie es mir glauben oder nicht!“, sagt mir eine 84-jährige Frau bei meinem Besuch. „Ich liebe meinen Mann so sehr. Nach wie vor. 18 Jahre ist er jetzt schon tot. Er fehlt mir so.“
Und sie verrät mir: „Das Bild da von ihm küsse ich oft, wenn ich alleine bin. Nachts spüre ich ihn manchmal, wenn ich die Hand ins Bett neben mir lege. Und ich höre ihn, aber nicht immer. Er ist bei mir und dann doch wieder nicht.“

Ob Sie es mir glauben - oder nicht…
Der Glaube an die Auferstehung wird allmählich und bedächtig geweckt.
Nicht spektakuläre Ereignisse begründen den Glauben.

Zunächst nur meine Trauer, meine Zweifel, mein Fragen und Denken, mein Hinterfragen, Erleben und Deuten.
Wer auf die Auferstehung hofft, macht Schwerstarbeit.
Trauerarbeit.
Es ist schon paradox.
Schwacher Glaube weckt den Glauben.

Für alle von uns waren diese Kar- und Ostertage so ganz anders. Ich sehe es auch positiv. Denn wo ist in all den Vorbereitungen beim Kochen und Backen, Osterbesuchen und Verreisen in „normalen“ Jahren Zeit für das Wesentliche? Zeit, sich mit dem eigenen Glauben auseinanderzusetzen? Die Osterfreude ist nicht machbar. Sie entsteht und dabei ist mein Innerstes so wichtig. Eins ist mir klar geworden: Ganz können wir die Traurigkeiten groß oder klein nicht abschütteln. Aber das nimmt nichts von der Freude. Denn sie taucht die Traurigkeit, die zu meinem Leben dazugehört, in ein helles Licht.

Nehmen wir uns Zeit. Vielleicht geht uns das eine oder andere Licht auf. Vielleicht werden uns die Augen aufgetan wie den beiden Emmausjüngern in der Begegnung mit Jesus.

Ostern braucht Zeit.

Gedanken von Pastoralreferent Klaus Scheunig und Wortgottesdienstleiterin Susanne Karl

Bilder der Osterzeit s. Bildergalerie

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