Pilgern

Mittwoch, 04. März 2015

Zukunftsimpulse aus dem Dialog von Kloster und Welt

Inititiative lotet Idee eines „Zentrums für Klosterkultur“ aus

Wettenhausen – das Kloster der Dominikanerinnen im schwäbischen Kammeltal. Hier treffen sich Ende April die Mitglieder der Initiative „Zentrum für Klosterkultur“. Kloster Wettenhausen geht bis auf das Jahr 1130 zurück, die Dominikanerinnen leben hier seit 150 Jahren. Foto: Kloster Wettenhausen

Seit vielen Jahrhunderten leben Ordensleute in Deutschland und wirken durch ihr Gebet, ihre spirituellen und kulturellen Angebote in die Gesellschaft hinein. Und gerade heutzutage suchen Menschen verstärkt Klöster als Orte der Ruhe und Inspiration auf. Wie Klöster und „Welt“ verstärkt aufeinander zugehen, in Dialog treten und sich vernetzen können, das lotet derzeit eine Initiative unter der Überschrift „Zentrum für Klosterkultur“ aus. 

Initiator Martin Erdmann widmet sich seit vielen Jahren der Vermarktung von Klosterprodukten und der Klosterkultur. Sein Engagement kommt nicht von ungefähr: Vor 25 Jahren lebte er als Novize in einem Benediktinerkloster und lernte dabei das Ordensleben intensiv kennen und schätzen. Auch wenn er sich für einen anderen Lebensweg entschieden hat – bereut hat er die Zeit im Kloster nicht. Er weiß, „wie bunt, vielfältig und lohnend das ist“. Für beide Seiten.

So kamen bei einem ersten Ideenworkshop Ordensleute unter anderem aus Königsmünster, Maria Laach, Beuron, Plankstetten und Berlin miteinander ins Gespräch sowie weltliche Vertreter wie Lara Buschmann, die sich als Netzwerkmanagerin in Ostdeutschland im „Klosterland e.V.“ für die Vernetzung von ehemaligen Klöstern als kulturellen Zentren einsetzt. Es ging zunächst darum, Klosterkultur als Ganzes unabhängig von einem speziellen Standort aufzugreifen – angesichts des starken Wandels in der Klosterlandschaft durchaus sinnvoll und spannend. Schließlich können der Dialog und die gegenseitige Wertschätzung von Kloster und Welt beiden Seiten wertvolle Zukunftsimpulse vermitteln.

Die Lebensform Kloster sei indes schon immer „eine Suche nach neuen Lebensmodellen“ gewesen, weiß Erdmann. Ein Kloster sei „ein Ort der Gottsuche, der Gastfreundschaft und ein spezifischer Raum der Begegnung und der Stille“. Zugleich sei klösterliches Leben ein „Erfahrungshorizont und Experimentalraum“. Klöster leisteten deshalb einen „anspruchsvollen, wertvollen, unersetzlichen Beitrag für unsere Gesellschaft“.

Die Workshop-Teilnehmer überlegten, wie ein mögliches „Zentrum für Klosterkultur“ aussehen könnte. Nach dem ersten Treffen ist noch unklar, ob das Zentrum einmal ein virtueller Ort sein soll oder durch eine Gruppe oder ein konkretes Gebäude verkörpert wird. Die Teilnehmer vereinbarten für Ende April ein weiteres Treffen im Dominikanerinnenkloster Wettenhausen im schwäbischen Kammeltal. Dort wird derzeit eine Zukunftsvision für diesen spirituellen Ort entwickelt.

Erdmann weiß „um die Nöte der personell geschrumpften Klöster“, die „demografisch ins Straucheln geraten sind“. Das bedeutet aber aus seiner Sicht längst nicht, dass diese Lebensform der Gottsuche und des stellvertretenden Lebens überholt ist. Klösterliche Lebensformen seien durch nichts zu ersetzen – sie seien „so alt und erprobt, dass es weitergehen und sich regenerieren wird“. Als Beispiel nennt er das Kloster Beuron, das vor 150 Jahren plötzlich wieder zu neuem Leben erwacht sei. Deshalb hält es Erdmann für „absolut lohnend, in die Zukunft von Klöstern zu investieren“. Auf jeden Fall werden die Beteiligten am Thema dranbleiben, verspricht Erdmann, „aber ohne Zwang“. Ein „Zentrum für Klosterkultur“ müsse sich „organisch entwickeln“ und könne nicht einfach „aus dem Boden gestampft werden“. Deshalb steht für Erdmann zunächst im Mittelpunkt, „Leute zusammenzubringen, die sich gegenseitig bereichern“. (Angelika Prauß)

Kontakt zum „Zentrum für Klosterkultur“:
Martin Erdmann
martin.erdmann@cogitato.de

Infos zum Klosterland e.V.:
www.klosterland.de

 

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Redaktion

Anzeige

Keine Artikel in dieser Ansicht.

Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren