Dom

Donnerstag, 12. Februar 2026

Ministerpräsident Winfried Kretschmann predigt im Speyerer Dom

Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg © Staatsministerium Baden-Württemberg / Dennis Williamson

Fastenpredigt zum Thema „Frieden“

Speyer. Am Donnerstag, 19. Februar 2026, 19:30 Uhr, wird der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, im Speyerer Dom predigen. Sein Beitrag bildet den Auftakt der Predigtreihe „Im Puls“, welche die Tradition der Fastenpredigten im Dom fortführt. Das diesjährige Thema der Predigtreihe lautet „Frieden“.

„Bei der freien Wahl einer Bibelstelle ist ja die Versuchung groß, dass man sich die Bibelstelle heraussucht, die die eigene Position in der Predigt bestätigt. Das ist aber nicht sehr seriös“, sagt Winfried Kretschmann im Vorfeld seiner Fastenpredigt. Deshalb stelle er sich der Herausforderung, diejenige Bibelstelle als Grundlage zu nehmen, die in der Leseordnung für den 19.02. vorgesehen ist. Das ist die Rede des Moses an das Volk Israel (Deuteronomium 30, 15-20).

Da er zwar Christ sei, aber kein Theologe, sondern Politiker, wolle er sich dem Thema „Frieden“ aus Sicht eines Politikers annähern: „Und mit dem Blick eines kritischen Katholiken“, kündigt Kretschmann an. „Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch“, heißt es bei Mose. Und weiter: „Wähle also das Leben, damit du lebst.“ Nur hänge unser Leben in Freiheit nicht allein von unserer Moral ab, sondern werde von außen aktuell massiv bedroht. „Daher kann man zwar als Christ im Sinne Jesu Pazifist sein. Ein irdischer Staat kann aber nicht pazifistisch sein. Auch nicht ein demokratischer und freiheitlicher Staat. Gerade er nicht!“, betont Kretschmann. Denn er müsse seine Bürgerinnen und Bürger und deren Leben, Freiheit und Würde gegen Angriffe schützen – von innen und außen. Dennoch müsse unser politisches Sinnen und Streben immer auf den Frieden gerichtet sein. Und das meine neben dem äußeren Friede immer auch den inneren Friede im Land – dafür brauche es in einer Demokratie neben der Rechtsstaatlichkeit und des sozialen Ausgleichs eine Kultur des zivilisierten Miteinanders, also des Dialogs, des Aushandelns und des Kompromisses. In diesem Sinne könne der Satz aus dem Johannesevangelium „Ut unum sint – Auf dass alle eins seien!“, wie er sich am Hauptportal des Doms findet, auch als Mahnung zum Frieden unter den Menschen gelesen werden, sagt Kretschmann.

Die Fastenpredigt steht im Rahmen einer abendlichen Andacht im Dom. Die liturgische Leitung liegt in der Hand von Domdekan Dr. Georg Müller. Domorganist Markus Eichenlaub wird der Fastenpredigt einen passenden musikalischen Rahmen geben. Alle Fastenpredigten werden live auf den Social-Media-Kanälen von Bistum und Dom übertragen und sind dort auch im Nachgang abrufbar z. B. unter folgenden Links:

YouTube Bistum: https://youtube.com/live/1TIbEkxX0RA?feature=share

YouTube Dom: https://youtube.com/live/dyK6ssBulFU?feature=share

YouTube Dommusik: https://youtube.com/live/3WUU0OLuM7k?feature=share

 

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann und das Domkapitel Speyer möchten mit den Fastenpredigten im Dom einen Beitrag zu einer zeitgemäßen Verkündigung der christlichen Botschaft in die Gesellschaft hinein leisten. Dazu konnten in den vergangenen Jahren bereits einige herausragende Persönlichkeiten gewonnen werden. In diesem Jahr wird eine Woche nach Kretschmann die Journalistin und Moderatorin Gundula Gause im Dom sprechen.

 

Zur Person: Winfried Kretschmann

Winfried Kretschmann wurde am 17. Mai 1948 in Spaichingen geboren. Er wuchs in einem liberalen, katholischen Elternhaus auf, in dem frei gedacht und gestritten und zugleich der ganze Reichtum des Kirchenjahres gelebt wurde. Vom Dorf auf der Schwäbischen Alb ging es dann aufs Gymnasium in Oberschwaben.

Nach dem Abitur leistete Winfried Kretschmann seinen Grundwehrdienst ab und studierte anschließend an der Universität Hohenheim Biologie und Chemie für das Lehramt an Gymnasien. Nach dem zweiten Staatsexamen 1977 unterrichtete er als Lehrer in Stuttgart, Esslingen, Mengen und Bad Schussenried.

Seit Studententagen politisch aktiv gründete Kretschmann 1979 mit anderen die Grünen in Baden-Württemberg. Ein Jahr später wurde Winfried Kretschmann Mitglied der ersten grünen Fraktion im baden-württembergischen Landtag. Der hessische Umweltminister Joschka Fischer holte ihn 1986 als Grundsatzreferent ins erste grüne Umweltministerium. Nach zwei Jahren in Wiesbaden kehrte er 1988 in den baden-württembergischen Landtag zurück, dem er seither mit einer Unterbrechung angehört. 2002 wurde Kretschmann zum Fraktionsvorsitzenden seiner Partei gewählt und blieb dies bis 2011.

Mit 95 von 152 Stimmen wählte der Landtag Winfried Kretschmann am 12. Mai 2021 zum dritten Mal zum Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg. Davor war Kretschmann am 12. Mai 2011 und 12. Mai 2016 zum Regierungschef gewählt worden. Von November 2012 bis Oktober 2013 war Winfried Kretschmann Präsident des Bundesrates. Von Oktober 2013 bis September 2014 war er Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz.

Kretschmann ist seit 1975 mit seiner Frau Gerlinde verheiratet. Gemeinsam haben sie drei erwachsene Kinder. Am besten zur Ruhe kommt der Hobby-Handwerker bei Arbeiten an seinem Haus und im Garten oder beim Wandern auf der Schwäbischen Alb.

 

Hintergrund: Zur Tradition der Fastenpredigten

Fastenpredigten haben in der katholischen Kirche eine lange, bis in das 5. Jahrhundert zurückreichende Tradition. In früherer Zeit dienten sie auch der Vorbereitung der Taufbewerber auf den Empfang der Taufe in der Osternacht. Heute sollen sie, entsprechend dem Sinn der Österlichen Bußzeit, den Glauben der Zuhörer intensivieren und sie dabei unterstützen, ihr Leben am Evangelium zu orientieren.

Fastenpredigten sind gewöhnlich länger als eine Sonntagspredigt und werden meist von bekannteren Kanzelrednern, gelegentlich auch von prominenten Laien, gehalten. Thematisch beschäftigen sie sich häufig mit den Grundlagen des christlichen Glaubens sowie Übungen der christlichen Askese, wie sie beispielsweise im Fasten zum Ausdruck kommen. Liturgisch wird die Fastenpredigt allenfalls durch wenige Liedstrophen oder meditative Musik, Abschlussgebet und Segen zu einer Andacht erweitert.
Für das Spätmittelalter, vor Einführung der Predigtpflicht im Sonntagsgottesdienst, sind Fastenpredigten als allabendlicher Brauch von Aschermittwoch bis Ostern bezeugt. Oft wurden sie von Mönchen der Predigerorden gehalten und kamen dem wachsenden Bedürfnis nach persönlich-individuellem Glauben entgegen. Nicht selten enthielten sie eindringliche Beschreibungen der Leiden Christi und drastische Appelle zur Lebensführung der Zuhörer. Heute ist die wöchentliche Fastenpredigt im Rahmen einer thematischen Reihe vor allem im deutschen Sprachraum und in Frankreich verbreitet.

Diese Meldung und weitere Nachrichten des Bistums wurde veröffentlicht auf der Internetseite www.dom-zu-speyer.de

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