Dom

Mittwoch, 04. März 2026

Worte zum Thema „Frieden“ aus berufenen Mündern

Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei seiner Fastenpredigt im Speyerer Dom am 19. Februar 2026 © Domkapitel Speyer, Klaus Landry

Fernsehmoderatorin Gundula Gause bei ihrer Fastenpredigt im Speyerer Dom am 26. Februar 2026 © Domkapitel Speyer, Klaus Landry

Fastenpredigten mit Winfried Kretschmann und Gundula Gause

Speyer. In der diesjährigen Reihe der Fastenpredigten waren mit Winfried Kretschmann ein erfahrener Politiker und mit Gundula Gause eine versierte Nachrichtenmoderatorin zu Gast in Speyer. Beide brachten ihre ganz eigene Perspektive auf das Thema „Frieden“ mit, welches das Domkapitel als Überschrift über die diesjährige Predigtreihe gesetzt hatte. Ursprünglich hatte Kardinal Hollerich aus Luxemburg für eine weitere Fastenpredigt in der üblicherweise dreiteiligen Reihe zugesagt. Er musste jedoch aufgrund anderweitiger Verpflichtungen kurzfristig absagen.

 

Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu den Säulen des Friedens

Der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, sprach am 19. Februar im vollbesetzten Dom. Er begann mit den historischen Wurzeln des Doms und spannte den Bogen vom Gottesgnadentum zur verfassungsmäßigen Trennung der Sphären Staat und Religion. Diese Trennung habe auch zu einer Verringerung der kriegerischen Konflikte im christlichen Kulturkreis gesorgt. Die heutigen internationalen Konflikte von der Ukraine bis zu den neoimperialistischen Drohgebärden der USA beobachte er mit großer Sorge, sagte Kretschmann. Mit Bezug auf die Lesung des Tages aus dem Buch Deuteronómium (30,15-20) nannte er die Einhaltung der Rechtsordnung als Voraussetzung für ein friedliches Miteinander. Das Unterstützen eines Verteidigungskrieges beschrieb er als „christliches Dilemma“, da das Christentum per se eine pazifistische Religion sei. Dies basiere auf dem radikalen Pazifismus Jesu, dessen Reich jedoch, wie er selbst vor Pontius Pilatus sagt, „nicht von dieser Welt“ sei. In unserer Welt müsse ein Staat dagegen wehrhaft sein, um sich und seine Bürger zu schützen: „Wir wollen verteidigungsfähig werden, um uns nicht verteidigen zu müssen“, sagte Kretschmann. Frieden sei nicht selbstverständlich jederzeit gegeben, so sein Schluss.

Mit Blick auf den Frieden im Innern eines Landes nannte Ministerpräsident Kretschmann soziale Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit als Säulen einer stabilen, sicheren staatlichen Grundordnung. Auch hier nahm er Bezug auf den Lesungstext aus dem Buch Mose, in dem solche Regeln im Ansatz beschrieben wurden. Gerade im Hinblick auf die soziale Gerechtigkeit sorgen die Kirchen mit ihren Hilfswerken für eine „gute soziale Temperatur im Land“, die der Staat allein so nicht gewährleisten könne. Als eine weitere Säule nannte Kretschmann das zivilisierte Miteinander der Menschen. Angesichts der Unterschiedlichkeit der Menschen sei es normal, dass Konflikte entstünden. Streit gehöre dabei unbedingt zur Demokratie, müsse aber zivilisiert erfolgen mit „Respekt und Offenheit“.

 

Nachrichtenmoderatorin Gundula Gause nennt Glaube als Grundlage

Die Journalistin und Nachrichtenmoderatorin Gundula Gause eröffnete ihre Fastenpredigt mit den Worten aus der Bergpredigt: „Glückselig sind die, die Frieden stiften. Denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“ Frieden gehe „weit über eine bloße Waffenruhe hinaus“ und umfasse auch „eine über die reine Versöhnungsbereitschaft hinausgehende Feindesliebe“, betonte sie. Mit Blick auf den russischen Angriff auf die Ukraine sprach sie von einem „Zivilisationsbruch“ und einer „Barbarei durch die völkerrechtswidrige, russische Aggression“ und fragte: „Wie weit wird der Weg zum Frieden noch sein?“ Der Krieg habe „fast eine halbe Million Menschen das Leben gekostet“ und sei „das größte Blutvergießen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg“. Besonders eindringlich nannte sie das Leid der Kinder und sagte: „Es ist barbarisch! Ein Albtraum.“

Gause berichtete, wie sie in ihrer Arbeit täglich mit den Nachrichten über Krieg und Terror konfrontiert sei. Diese täglichen Schreckensnachrichten halte sie nur durch professionelle, journalistische Distanz und durch den Glauben aus, den sie als „Geheimnis“ und „Geschenk“ beschrieb. Glaube und Rationalität stünden für sie nicht im Widerspruch; vielmehr sei der Glaube „die unverzichtbare Grundlage“, um die Realität besser annehmen zu können. Mit Blick auf die Fastenzeit vor Ostern betonte Gause ihre Freude über das große Interesse an den Fastenpredigten und erklärte, Fasten bedeute für sie nicht nur Verzicht, sondern Freiheit, Besinnung und die Chance, „Ballast abzuwerfen“ und neu auf andere zuzugehen. Zugespitzt appellierte sie, von ihr selbst als quasi naiv eingestuft: „Soldaten, legt die Waffen nieder“, Staatenlenker sollten auf Machtansprüche verzichten und Opfer auf Rache. Zum Abschluss zitierte sie den Gedanken eines Theologen in ihrer Familie: „Frieden fängt bei jedem selbst an.“ Ihre Predigt beendete sie mit einem schlichten Wunsch an die Gläubigen: „Der Friede sei mit Dir!“

 

Die Fastenpredigten im Dom zu Speyer

Die Fastenpredigten im Speyerer Dom stehen unter der Überschrift „ImPuls“ und sind eingebettet in den Rahmen einer abendlichen Andacht im Dom. Die liturgische Leitung lag am 19. Februar in der Hand von Domdekan Dr. Georg Müller, am 26. Februar stand Generalvikar Markus Magin der Andacht vor. Domorganist Markus Eichenlaub übernahm jeweils die musikalische Gestaltung, wobei er Text und Musik zueinander in Beziehung setzte. Beide Fastenpredigten wurden live auf den Social-Media-Kanälen von Bistum und Dom übertragen und sind dort auch im Nachgang abrufbar, z. B. unter https://www.youtube.com/@domzuspeyer_official/streams

2023 hat das Speyerer Domkapitel die Tradition der Fastenpredigten im Dom wiederaufgenommen. Diese besondere Form der Beschäftigung mit Lebens- und Glaubensfragen in der Fastenzeit vor Ostern ist seit der Spätantike überliefert. Dazu werden außenstehende Persönlichkeiten in eine Gemeinde eingeladen, um Impulse zu wichtigen Themen der Zeit zu setzen. An diese Tradition anknüpfend waren in den vergangenen Jahren unter anderem der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert, die Chefredakteurin des ZDF Bettina Schausten und der inzwischen verstorbene Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Horst Köhler der Einladung des Speyerer Bischofs Dr. Karl-Heinz Wiesemann und des Domkapitels in den Speyerer Dom gefolgt.

Diese Meldung und weitere Nachrichten des Bistums wurde veröffentlicht auf der Internetseite www.dom-zu-speyer.de

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