Dom

Mittwoch, 04. Juni 2025

Arbeiten am Ölberg schreiten voran

Freuen sich über den Fortschritt der Maßnahmen am Ölberg neben dem Speyerer Dom: (v.l.n.r.): Domdekan und Domkustos Dr. Christoph Kohl, Dombaumeisterin Hedwig Drabik, Architektin Marta Schiedermaier, Vorstandsvorsitzender des Dombauvereins Prof. Dr. Gottfried Jung © Klaus Landry

Derzeit komplett eingerüstet: der Ölberg im südlichen Domgarten © Klaus Landry

Dombaumeisterin Hedwig Drabik (Mitte) erläutert die derzeit laufenden Maßnahmen am Ölberg neben dem Speyerer Dom © Klaus Landry

Erste Reinigung abgeschlossen, weitere Kosten werden ermittelt

Speyer. Im Jahr seines 30-jährigen Jubiläums möchte der Dombauverein mit der Restaurierung des Ölbergs ein besonderes Förderprojekt realisieren und sucht dafür noch Unterstützer. Bereits bei der Mitgliederversammlung Anfang April wurde das Projekt vorgestellt. Nun informierten Verantwortliche von Dom und Dombauverein über den aktuellen Stand der Maßnahmen am mittlerweile eingerüsteten Ölberg.

Der Pressetermin am Ölberg diente der Information über die laufenden Restaurierungsmaßnahmen und die historische Bedeutung des Ölbergs. Anwesend waren Domdekan und Domkustos Dr. Christoph Kohl, Dombaumeisterin Hedwig Drabik, die leitende Architektin des Projekts Marta Schiedermaier sowie der Vorstand des Dombauvereins Prof. Dr. Gottfried Jung, die den aktuellen Zustand des Projekts und die geplanten Schritte erläuterten.

Dabei ist wichtig zu wissen, dass der Ölberg ein durchaus komplexes Gebilde darstellt. Den Kern der Anlage bildet eine mittelalterliche Felsenlandschaft. Die Figuren darauf stammten aus dem 19. Jahrhundert und wurden dort als Ersatz für die zerstörten gotischen Figuren platziert. Das Dach wiederum stammt aus der Mitte des 20. Jahrhunderts und dient vor allem dem Schutz der Gesamtkonstruktion.

Domdekan und Domkustos Dr. Christoph Kohl sagte, dass der Ölberg zeitweise größere Berühmtheit genossen habe, als der Dom selbst. Als bedeutendes Monument, einst inmitten eines Kreuzgangs, zeige der Ölberg zudem den Beginn der Passion Christi und damit einen zentralen Glaubensmoment des Christentums.

Dombaumeisterin Hedwig Drabik erläuterte den aktuellen Stand der Maßnahmen. Das Projekt startete bereits im letzten Jahr mit ersten Vorarbeiten. So wurde mit Unterstützung der Dr. Albrecht und Hedwig Würz-Stiftung das Gitter um den Ölberg restauriert und so verändert, dass es für die weiteren Restaurierungsarbeiten herausnehmbar ist.

Auch das steile, schiefergedeckte Zeltdach wird in die Maßnahme mit einbezogen, wie Architektin Marta Schiedermaier darlegte. Der niedrige untere Abschluss in Form einer dunklen Holzdecke wurde entfernt. Der Dachstuhl selbst sei in gutem Zustand und wurde im Bereich des Auflagers bereits abgesaugt und gesichert. Als Nächstes erfolgt eine Probereinigung des umlaufenden Holzschwellenkranzes mit Trockeneis. Ziel ist es, den sehr dunklen Holzanstrich zu entfernen und den Bereich aufzuhellen. Der Dachbereich soll zukünftig geöffnet bleiben und der Ölberg dort auch eine eigene Beleuchtung erhalten.

Im Zentrum der Maßnahme stehen die Reinigung und Restaurierung der Steinoberflächen der Architektur und der 18 Figuren. Zu Anfang dieses Jahres erfolgte die Entnahme der Figur „Häscher mit Keule“, wie Dombaumeisterin Hedwig Drabik schilderte. Diese wurde in der Werkstatt des örtlichen Steinmetzbetriebes Uhrig mittels Partikelstrahlung probegereinigt. Diese Figur, beziehungsweise das zufriedenstellende Reinigungsergebnis, wurde bei der Mitgliederversammlung des Dombauvereins im März gezeigt. Zuvor waren chemische Verfahren ausprobiert und wieder verworfen worden. Die Figuren zeigen verschiedene Schadensphänomene je nach Position: Vergrünung im Norden, schwarze Krusten oben, Teilverschmutzungen im Süden. Je nach Nähe zum Außenbereich sind die Schäden durch Vandalismus unterschiedlich groß. Die Restaurierung der einzelnen Figuren wird entsprechend unterschiedlich umfangreich ausfallen.

Zur genaueren Untersuchung und Beurteilung des Schadensumfangs wurde eine erste Reinigung der Steinoberflächen vor Ort mit Heißdampf ausgeführt. Bestimmte Bereiche wurden ausgespart, um dort noch vorhandene mittelalterliche Reste einer Farbfassung nicht zu beschädigen. Nach der Vorreinigung ist nun eine genauere Schadensanalyse möglich und die Arbeiten können entsprechend ausgeschrieben werden. Die Ausschreibung wird in separate Arbeitsbereiche aufgeteilt: Reinigung, Konservierung und Restaurierung sowie kleinere Bildhauerarbeiten und Ergänzungen.
Der Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Gottfried Jung führte aus, dass der Dombauverein anlässlich des 30-jährigen Jubiläums den Ölberg als Jubiläumsprojekt gewählt habe. Ähnlich wie beim Tastmodell, das der Verein zu seinem 25-jährigen Bestehen gestiftet habe, wolle man nun wieder, neben der weiterhin laufenden kontinuierlichen Unterstützung des Bauerhalts des gesamten Doms, das Augenmerk auf ein besonderes Projekt lenken. Dabei hoffe man auch auf die persönliche Beteiligung von Menschen, die bereit sind, eine Patenschaft für einzelne Figuren zu übernehmen. Bis zum Sommer soll eine verlässliche Kostenschätzung vorliegen, die in einem weiteren Pressetermin der Öffentlichkeit vorgestellt wird.

Wer die Patenschaft für einzelne Figuren übernehmen und die Arbeiten an dieser Figur ganz oder teilweise finanzieren möchte, der kann sich bereits jetzt bei der Geschäftsstelle des Dombauvereins melden. Drei potentielle Paten sind dort bereits erfasst. Weitere Interessenten können sich mit der Geschäftsstelle des Vereins in Verbindung setzen (Tel. 06232 102 116 oder info@dombauverein-speyer.de). Alle Spender werden später auf einer Plakette genannt.

 

Zum Hintergrund: Der Speyerer Ölberg
Im südlichen Domgarten liegt der Ölberg, eine steinerne Figurengruppe, die das biblische Geschehen des Gebets Jesu auf dem Jerusalemer Ölberg vor seiner Gefangennahme darstellt. Er bildete ehemals den Mittelpunkt des Domkreuzganges. Einst war dieser Ölberg ein Meisterwerk gotischer Bildhauerkunst und in seiner Zeit berühmter als der Dom selbst. Gestiftet wurde der Ölberg durch den Domherrn Wipert von. Finsterlohe, dessen Grabstein im Dom erhalten ist. Er hatte dafür die stattliche Summe von 200 Gulden bestimt. 1504 beschloss das Domkapitel, einen solchen „zierlichst und andächtigst" zu erbauen. Die Bildhauer Nikolaus Elser und Hans Seyfer errichteten das religiöse Monument in den Jahren 1505 bis 1512. Leider wurde der Ölberg 1689 und 1793 bis 1794 durch französischen Soldaten den Ölberg schwer beschädigt. Die alten Figuren sind ab Mitte des 19. Jahrhunderts durch Arbeiten von Gottfried Renn ersetzt worden. Sie sind fragmentarisch erhalten und befinden sich im Depot des Bistums. Die ursprünglichen, gotischen Figuren waren ausdrucksstarke Meisterwerke hochgotischer Bildhauerkunst, mit denen die heute sichtbaren Skulpturen in Form und Ausdruck wenig gemeinsam haben. Zudem erhielt der Ölberg nach seiner Widerherstellung eine mehr oder minder provisorische Bedachung, die den Ölberg zwar schützt, die Monumentalskulptur aber auch sehr verschattet.
Der Ölberg zeigt eine gestufte Felskuppe. ln Schraubenlinie führt ein Weg empor. Ihn beschreiten Judas gemeinsam mit den Schergen und ein Hauptmann mit sechs Soldaten. Oben betet Jesus, ringsum zerstreut liegen die schlafenden Jünger, zuoberst befindet sich ein Engel. Auf den Felsen der Kuppe wuchern naturalistisch dargestellte Pflanzen, dazwischen bemerkt man allerlei Kriechtiere, ferner Hasen, Eichhörnchen, Schildkröten und ähnliches.

Diese Meldung und weitere Nachrichten des Bistums wurde veröffentlicht auf der Internetseite www.dom-zu-speyer.de

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