Silbermöwe

Freitag, 10. Mai 2019

Ab 10. Mai leben wir auf Pump

Deutschlands ökologische Ressourcen sind für dieses Jahr bereits verbraucht

Obwohl der Anteil von erneuerbaren Energien in Deutschland wächst, hat sich unsere Ökobilanz im Vergleich zum Vorjahr nur minimal verbessert. Wir leben auf Kosten der zukünftigen Generationen. Foto: actionpress

Deutschland hat seine natürlichen Ressourcen für 2019 bald aufgebraucht. Ab 10. Mai leben die Bundesbürger ökologisch auf Pump – und damit auf Kosten künftiger Generationen und der Menschen im globalen Süden.

Wer ständig sein Konto überzieht, ist schnell pleite. Von 10. Mai an leben die 83 Millionen Bundesbürger ökologisch auf Pump – und damit auf Kosten der kommenden Generationen und der Menschen im globalen Süden. Denn dann sind nach Berechnungen von Wissenschaftlern des Global Footprint Network, einer internationalen Forschungsgruppe mit Sitz in Kalifornien, ihre nutzbaren Ressourcen für dieses Jahr verbraucht.

Berechnet wird der „Erdüberlastungstag“ mit Hilfe des sogenannten ökologischen Fußabdrucks: Auf der einen Seite steht die biologische Kapazität der Erde, Ressourcen aufzubauen – etwa Wälder, Wiesen und Gewässer – und Abfälle aufzunehmen, wie zum Beispiel CO2-Emissionen. Dagegen wird der Verbrauch an natürlichen Ressourcen wie Wäldern, Acker und Flächen aufgerechnet.

Im Vergleich zum Vorjahr ist der deutsche „Erdüberlastungstag“ um einen Tag nach hinten gerückt. Grund seien minimale Verbesserungen etwa bei der Nutzung von Acker- und Waldflächen. Eine Trendwende sei aber nicht absehbar, sagt Julia Otten von der Umweltorganisation Germanwatch, die zusammen mit weiteren Naturschutzorganisationen für den deutschen Bericht verantwortlich zeichnet: „Wenn alle Menschen so leben würden wie in Deutschland, dann bräuchten wir 2,97 Erden.“

Zum Vergleich: Gemessen an der absoluten Größe des Fußabdrucks liegt Deutschland auf Platz acht der größten Ressourcenverbraucher. Davor liegen China, die USA, Indien, Russland, Brasilien, Japan und Indonesien. In Relation zur Bevölkerungszahl bräuchten die USA fünf Erden, Großbritannien und Frankreich jeweils 2,7 und China 2,2. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 1,7 Erden.

„Da wir nur eine Erde haben, führt diese Übernutzung zu einer fortschreitenden Verschlechterung der Böden und Waldqualität und zu einer hochriskanten Klimakrise“, warnt Mathis Wackernagel, Gründer des Global Footprint Networks. „Wir nehmen Ressourcen der Zukunft, um die heutige Wirtschaft zu füttern. Wie bei einem finanziellen Schneeballsystem bauen wir uns damit die eigene Falle.“ Seit Mitte der 1980er Jahre ist der jährliche Verbrauch der Menschheit an natürlichen Ressourcen größer als die Regeneration in der Natur. (kna)

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