Silbermöwe

Mittwoch, 16. Oktober 2019

Blick auf vergessene Krisen

Der Welternährungstag im Oktober erinnert an Lage der hungernden Menschen

In vielen Länder – vor allem in Afrika und in Südostasien – sind die Menschen noch auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Foto: actionpress

Die Zentralafrikanische Republik, Haiti oder Osttimor: Der am 15. Oktober in Berlin vorgestellte Welthunger-Index richtet den Blick auf vergessene Krisen und entlegene Regionen. Seit 2006 wird die Statistik von der Welthungerhilfe sowie der irischen Organisation Concern Worldwide veröffentlicht. Die auf Basis von Datenmaterial der Vereinten Nationen erstellte Rangliste soll Auskunft geben über den Anteil an unterernährten Menschen, an Auszehrung und Wachstumsverzögerungen bei Kindern unter fünf Jahren sowie über deren Sterblichkeitsrate.

Die seit Jahren von Unruhen erschütterte Zentralafrikanische Republik landet dabei auf dem letzten Platz – wieder einmal. Die Autoren der Studie stufen die Situation in dem Land mit einem Indexwert von 53,6 als „gravierend“ ein. Zum Vergleich: Das Mittel der 117 erfassten Staaten liegt diesmal bei 20,0. Für die Bewohner Zentralafrikas bedeutet das: Knapp die Hälfte aller Kinder weisen Wachstumsverzögerung auf, 60 Prozent der Bevölkerung sind unterernährt.
Neben Subsahara-Afrika ist Südasien ein Hotspot für Hungerkrisen. Dafür steht beispielsweise der kleine Inselstaat Osttimor auf Rang 110 der Rangliste. Hier gehören soziale Ungleichheit und eine mangelhafte Gesundheitsversorgung zu den Treibern von Unterernährung. Ähnlich verhält es sich mit Haiti, dem ärmsten Staat der westlichen Hemisphäre – und einem von zwei Beispielländern des aktuellen Welthunger-Index. Im Jahr 2017 lag das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf bei 766 US-Dollar, weniger als ein Zehntel des Mittelwerts in Lateinamerika und der Karibik.
Hinzu kommen Naturkatastrophen und politische Krisen, weswegen schätzungsweise 2,6 Millionen der rund elf Millionen Haitianer im laufenden Jahr auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Etwa die Hälfte der Bevölkerung ist nicht in der Lage, ihren Mindestkalorienbedarf regelmäßig zu decken; die Unterernährungsrate zwischen 2016 und 2018 lag bei 49,3 Prozent und damit fast genauso hoch wie zwischen 2009 und 2011. Gleichwohl liegt der Index-Wert 2019 bei 34,7 – im Vergleich zu den Vorjahren eine Bestmarke.
Die Experten sehen deswegen neben aller Sorge auch Anlass zu Zuversicht. Die weltweit erzielten Fortschritte bei der Reduzierung von Hunger und Unterernährung erzeugten Optimismus, „dass die Welt mehr erreichen kann und wird“, halten sie im Welthunger-Index fest.
Dazu passt, dass Experten bereits in der vergangenen Woche unter Berufung auf die Welternährungsorganisation FAO darauf hinwiesen, dass die Ernte der global bedeutendsten Grundnahrungsmittel Weizen, Mais und Reis in den vergangenen zehn Jahren um 27 Prozent zunahm – während die Weltbevölkerung im gleichen Zeitraum „nur“ um elf Prozent wuchs. Auch seien die Weltgetreidespeicher im gleichen Zeitraum betrachtet deutlich besser gefüllt: mit 852 Millionen Tonnen gegenüber 520 Millionen Tonnen.
Dem steht freilich gegenüber, dass die Zahl der unterernährten Menschen gestiegen ist: von 785 Millionen im Jahr 2015 auf 822 Millionen im Jahr 2018. Eine große Unbekannte im Kampf gegen den Hunger stellt der Klimawandel dar. Seit Anfang der 1990er-Jahre habe sich die Zahl der extremwetterbedingten Katastrophen verdoppelt, heißt es im Welthunger-Index. In der Auseinandersetzung mit den daraus resultierenden Folgen gebe es noch keine globalen, Erfolg garantierenden Erfahrungen, „an denen wir uns orientieren können“.
Ein weiteres Problem ist die Verschwendung von Nahrungsmitteln. Derzeit gehen rund 14 Prozent davon verloren, bevor sie die Verbraucher erreichen, teilte die FAO zu Wochenbeginn mit. Vor diesem Hintergrund erscheint das Ziel der UN, bis 2030 den Hunger in der Welt zu beenden, als ziemlich ehrgeizig. Was den Zugang zu Lebensmitteln anbelangt, illustriert ein Blick auf eine ebenfalls am Donnerstag vorgestellte Statistik von Unicef den ungleich verteilten Reichtum auf der Welt: Während vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern 50 Millionen Kleinkinder zu dünn sind, leben zumeist in den wohlhabenderen Nationen 40 Millionen Kinder unter fünf Jahren mit Übergewicht oder Fettleibigkeit.

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