Silbermöwe

Donnerstag, 08. März 2018

Ein Gemeindezentrum für Ureinwohner Indiens

Pater Franklin Rodrigues hat im Bistum Speyer viele Freunde – Hungermarsch für Indienhilfe am 11. März

Immer wenn Pater Franklin in der Pfalz ist, startet er der Redaktion des „pilger“ einen Besuch ab. So auch in diesem Jahr. Unser Bild zeigt ihn mit Pater Valerio (links) und Pater Lino (rechts) von den Pilar-Patres. Foto: Roland Decker/pilger

In diesem Jahr wird Pater Franklin Rodrigues wieder – wie alle zwei Jahre – am traditionellen Hagenbacher Hungermarsch der Indienhilfe teilnehmen: am Sonntag, 11. März. Es ist die insgesamt 37. Aktion dieser Art.Der Gottesdienst zum Start beginnt um 9 Uhr in der katholischen Kirche St. Michael, danach geht es auf die rund 25 Kilometer lange Strecke über Büchelberg, Scheibenhardt und Berg zurück nach Hagenbach ins Kulturzentrum, wo die Abschlussveranstaltung stattfindet. Im vergangenen Jahr kamen bei dem Hungermarsch etwa 66000 Euro an Spenden zusammen, die Projekten von Pater Franklin zugute kommen.

Im Februar und März dieses Jahres sind Pater Franklin und zwei Mitbrüder, Pater Lino und Pater Valerio, im Bistum Speyer unterwegs, um über die Arbeit in Indien zu berichten. Unter anderem besuchten sie die Redaktion des „pilger“ und die Aktion Silbermöwe. Begleitet wurden die Pilar-Patres von Anne Zwick, die von Speyer aus die Arbeit der Indienhilfe unterstützt.

Pater Franklin und seine Mitbrüder gehören zum indischen Orden der Pilar-Patres, der im 19. Jahrundert im südinischen Goa – noch zur Zeit der portugiesischen Kolonialherrschaft über die Stadt – gegründet worden war, um ganz im Sinne des heiligen Franz Xaver zu arbeiten; durch das Leben mit den Menschen am Rande der Gesellschaft das Evangelium zu verkünden. Der Orden hat rund 400 Mitglieder.

Die Arbeit geschieht heute unter erschwerten Bedingungen, die Christen werden diskriminiert und teilweise mit Duldung der Zentralregierung von hinduistischen Extremisten verfolgt. Im Bundesstaates Madhya Pradesh, zu dem Bhophal und damit der Hauptwirkungsbereich von Pater Franklin gehört, ist die Situation der Christen noch vergleichsweise erträglich. Die Pilar-Patres unterhalten zahlreiche Kindergärten, Schulen und Internate, unterstützen ein Lepradorf, leisten Sozialarbeit und betreiben eine Krankenstation mit Apotheke. Aktuell sind es insgesamt mehr als 1055 Mädchen und Jungen, die in den Heimen leben und eine Schulbildung bekommen.

„Ohne die Hilfe aus Deutschland wäre das alles nicht möglich“, betont Pater Franklin. Und auch die Kinder und Jugendlichen wissen, dass sie in Deutschland Freunde haben. So zeichnen sie Bilder und senden, soweit es ihnen möglich ist, Grüße und Gedanken an ihre deutschen Freunde. Auch das Thema Ausbildung rückt zunehmend in den Fokus. Durch die Indienhilfe konnte 2013 in Bhopal zum Beispiel eine Nähschule eröffnet werden, in der verheiratete Frauen oder junge Mädchen nach der Schule eine Ausbildung machen können. Auch werden Krankenschwestern ausgebildet und Lehrlinge im Bereich Maschinenbau und Elektrotechnik. Darüber hinaus studieren einige nach Abschluss der Schule, werden Ärzte oder Ingenieure oder kehren als Lehrer an ihre frühe Schule oder eine andere im Wirkungskreis von Pater Franklin zurück.

Fragt man Pater Franklin, nachdem er Tausenden Menschen eine Brücke vom Überleben zum Leben gebaut und Waisenkindern durch eine Schul- und Ausbildung in ein selbstbestimmtes Leben geführt hat, ob er noch Träume hat, erntet man ein Strahlen in den Augen des 78-Jährigen und erfährt mit fester Stimme: „Oh, ja, ich möchte noch vielen, vielen Kindern ein Zuhause und eine Zukunft geben können. Zusammen mit unseren deutschen Freunden.“

Pater Franklin lässt sich von der großen Not herausfordern. Immer wieder neu. So plant er derzeit ein großes Projekt für mehrere 100 Kinder in einer abgelegenen Urwaldregionen, etwa 80 Kilometer von Bhopal entfernt. Es geht um ein Volk der Adivasi, der Ureinwohner, die ganz unten auf der sozialen Skala des Landes stehen, kaum Rechte haben, abgeschnitten sind von fast jeder Infrastruktur, keinen Zugang zu Bildung. Ein Gelände für ein großes Gemeindezentrum mit Schule, Begegnungsräumen und Kirche ist schon gefunden. Es gebe viel Platz für das Zentrum und zum Anlegen von Feldern für die Selbstversorgung – und vor allem Wasser, ist Pater Franklin zuversichtlich. Aber viele bürokratische Hürden seien zu überwinden, fügt er hinzu. Und ohne finanzielle Unterstützung sei das Orojekt nicht zu verwirklichen. (rn/sf)   

Mehr Informationen zum Hungermarsch unter  www.indienhilfe-franklin.de

 

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