Silbermöwe

Mittwoch, 19. Februar 2020

Es droht eine Hungersnot

Welle der Gewalt verschärft Situation im Norden Mosambiks

Gottesdienst mit dem Bischof in einer Notkirche. Die Gläubigen nehmen auch ansonsten weite Wege auf sich, um am Gottesdienst teilzunehmen. (Foto: Kirche in Not)

Die Gewaltwelle im Norden Mosambiks schwillt immer weiter an. Allein am 29. und 30. Januar habe es in der Provinz Cabo Delgado sechs Angriffe gegeben, die „eine allgemeine Flucht zur Folge hatten und eine große Spur der Zerstörung hinterließ“, erklärte Bischof Luiz Fernando Lisboa im Gespräch mit dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“. Lisboa leitet das Bistum Pemba, das sich im Nordosten Mosambiks befindet. Die Region wird seit Oktober 2017 von terroristischen Anschlägen heimgesucht.
Einer der neuerlichen Attacken habe eine Landwirtschaftsschule in dem Ort Bilibiza gegolten, rund zweihundert Kilometer von Pemba entfernt. „Das ist eine Hochschule mit 500 Studenten“, erklärte Lisboa. „Die Schule wurde niedergebrannt. Unsere Sicherheitskräfte können die Angriffe ohne internationale Hilfe nicht eindämmen.“ Der Bischof geht davon aus, dass bereits mindestens 500 Menschen seit Ausbruch des Terrors ihr Leben verloren haben. Viele Opfer seien enthauptet worden. Die Ursachen und Hintermänner des mutmaßlichen islamistischen Terrors liegen immer noch im Unklaren.
Es verdichten sich die Anzeichen, dass das Nachbarland Tansania Rekrutierungs- und Zufluchtsort für extremistische Kämpfer sein könnte und diese sich unbemerkt zwischen den beiden Ländern bewegen. Sollten diese Vermutungen zutreffen, „wäre das besorgniserregend“, sagte Lisboa. „Denn wenn es ein internationales Netzwerk gibt, sind die Terroreinheiten stärker und schwieriger aufzuhalten.“
Die Auswirkungen auf die Bevölkerung seien verheerend, erklärte der Bischof: „Die Dörfer leeren sich, die verbliebenen Einwohner bestellen die Felder nicht mehr.“ Eine Hungersnot stehe bevor. Dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen zufolge sind über 100 000 Menschen im Norden Mosambiks auf der Flucht. Nicht nur der Terror, auch die Verwüstungen durch Wirbelsturm „Kenneth“ Ende April 2019 habe viele Menschen obdachlos gemacht, sagte Lisboa.
Der Bischof ist sich im Klaren, dass er selbst Ziel eines Terroranschlags werden könnte. „Aber ich habe keine Angst. Ich versuche meine Aufgabe zu erfüllen.“ Diese bestehe vor allem darin, die Missionare zu unterstützen, „die vor Ort in der Schusslinie stehen. Sie sind sehr mutig.“ Während andere Organisationen gefährliche Orte längst verlassen hätten, sei die Kirche noch präsent und „wie eine Oase, zu der die Menschen gehen können, um zu weinen oder Hilfe zu suchen“, so der Bischof.

Kontakt und Spenden:
www.kirche-in-not.de   
www.spendenhut.de

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