Silbermöwe

Mittwoch, 15. Mai 2019

Seit 100 Jahren: „Save the Children“

Größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt

Seit 100 Jahren sorgt sich das Hilfswerk Save the Children und kranke und unterernährte Kinder. Oft rettet Spezialnahrung deren Leben. Foto: Save the Children

Eine Welt, in der jedes Kind gesund, sicher und selbstbestimmt leben kann: Das ist die Vision der Kinderrechtsorganisation „Save the Children“. Doch auch 100 Jahre nach Gründung scheint die Umsetzung in weiter Ferne.

Eine Britin, die nach dem Ersten Weltkrieg für hungernde Kinder des einstigen Feindes ihre Freiheit riskiert? Was wie ein sozialromantisches Märchen anmutet, ist historische Wahrheit. Und Ausgangspunkt für ein Hilfswerk, das vor 100 Jahren gegründet wurde. Am 15. Mai 1919 wurde die Lehrerin Eglantyne Jebb in London zu elf Tagen Haft oder der Zahlung von fünf Pfund verurteilt, weil sie unerlaubt Flugblätter verteilt hatte; sie zeigten das Foto eines dramatisch unterernährten österreichischen Kleinkinds. Doch in der Verhandlungspause spendete der Richter selbst fünf Pfund für die Kinder in Berlin und Wien – der Grundstock für den Save the Children Fund war gelegt. Offiziell wurde er am 19. Mai 1919 in der Royal Albert Hall gegründet: Während Eglantyne Jebb und ihre Schwester Dorothy Buxton (1881 bis 1963) über die Leiden der Kinder auf dem Kontinent berichteten, füllten sich die kreisenden Sammelbüchsen. Und obwohl die von Jebb geleitete Stiftung nicht kirchlicher Prägung war, rief sogar Papst Benedikt XV. die Katholiken Ende 1919 auf, dafür zu spenden.

Die Grundschullehrein aus wohlhabendem Hause wollte nicht akzeptieren, dass die britische Gesellschaft kaum etwas wusste über die Folgen der Wirtschaftsblockade der Alliierten für die Bevölkerung auf dem Kontinent. Täglich starben allein in Deutschland rund 800 Menschen an Hunger. Mit aufsehenerregenden Aktionen gelang es Jebb, viele ihrer Landsleute davon zu überzeugen, dass Kindern in Not ungeachtet ihrer Herkunft oder Nationalität geholfen werden muss – Grundsätze, die Save the Children bis heute hochhält.

Das gesammelte Geld floss in eigene Hilfsprogramme sowie solche von britischen und amerikanischen Quäkern zugunsten der einstigen Kriegsgegner: „Liebesgaben“ wie Dosenmilch, Lebertran, Kakao und Schmalz retteten viele Kinder vor dem Hungertod. In Städten wie Berlin, Leipzig, Nürnberg und Köln wurden Schulspeisungen und Kakaostuben sowie Erholungsaufenthalte für kränkelnde Kinder organisiert.

Eigentlich hatten die Gründerinnen Save the Children nicht als permanente Organisation gedacht, doch folgte ein Notfall dem nächsten: Bereits 1921 rief Jebb zu Spenden für die von der großen Hungersnot in Russland bedrohten Kinder auf; die Gegenwehr aus britischer Bevölkerung und Presse focht die mutige Sozialreformerin nicht an.
Ein weiteres großes Verdienst der Aktivistin ist es, schon Anfang der 20er Jahre eine Erklärung über die Rechte von Kindern formuliert zu haben. Diese nahm Vieles vorweg, was die UN-Vollversammlung 1989 in ihrer Kinderrechtskonvention festschreiben sollte. Eglantyne Jebb hatte ihr Leben lang gesundheitliche Probleme mit Schilddrüse und Herz. Sie starb mit nur 52 Jahren an den Folgen einer Magen-Operation am 17. Dezember 1928.

Heute arbeitet ihr Hilfswerk in über 120 Ländern. Dabei vermittelt Save the Children im Gegensatz zu anderen Organisationen keine Patenschaften; die Zuordnung von Spenden an einzelne Kinder in einem fernen Land verursache hohe Kosten, so das Werk. Ebenso gehört es nicht zu seinen Zielen, Jungen und Mädchen durch Adoptionen aus ihrer Heimat zu bringen. Statt dessen wolle man Kindern in ihrer gewohnten Umgebung ein sicheres, selbstbestimmtes Leben ermöglichen.

Wie viele Kinder in den vergangenen 100 Jahren Hilfe von Save the Children erhalten haben, lässt sich wohl nur schätzen. Eine von ihnen ist die kambodschanische Menschenrechtsanwältin Vichuta Ly. Sie wird beim Jubiläumsfestakt in Berlin von der Unterstützung durch das Werk während des Kambodscha-Kriegs berichten. Entwicklungsminister Gerd Müller hält bei der Feier ein Grußwort. Die Schauspielerinnen Inka Friedrich, Jördis Triebel, Lavinia Wilson, Ulrike C. Tscharre sowie der Schauspieler Florian Stetter werden Texte von Kindern im Krieg vortragen.

„Den Kindern, die unter Armut, Kriegen, Naturkatastrophen und deren Folgen zu leiden haben, widerfährt die größte Ungerechtigkeit“, sagt Tscharre, die seit kurzem offizielle Botschafterin des Hilfswerks ist. „Denn sie können nichts für die Umstände, in denen sie leben müssen.“ Eglantyne Jebb hatte es so formuliert: „Jeder Krieg ist ein Krieg gegen Kinder“.  (Sabine Kleyboldt)

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