Wochenkommentar

Freitag, 20. April 2018

Anstoß zu einem Neuaufbruch

Macron geht in einem revolutionären Schritt auf katholische Kirche zu

Papst Johannes Paul II. sah Frankreich noch als „älteste Tochter der katholischen Kirche“. Dass aber ein französischer Staatspräsident die katholische Bischofskonferenz besucht, den wertvollen Beitrag der Kirche in der Gesellschaft hervorhebt und zu einem „ehrlichen Meinungsaustausch“ zwischen Staat und Kirche aufruft, das kommt einer Sensation gleich. Gilt der Staatpräsident aufgrund des Religionsgesetzes von 1905 doch als Hüter der „laicité“ (Laizität), der in der Regel rigoros ausgelegten totalen Trennung von Religion und Staat. Dementsprechend vernichtend fiel auch das Urteil von einigen Spitzenpolitikern und Intellektuellen aus: „Unerträglich“, „beispielloser Affront“, „unverantwortlich“, „Wahlmanöver“: So und so ähnlich brach die Kritik von links und rechts über den Präsidenten herein.

Doch der lässt sich nicht beirren. Für ihn ist Frankreich durch das Engagement von Katholiken gestärkt worden, mehr noch: Er hebt hervor, dass Jeanne d’Arc, der von Islamisten ermordete Priester Lambert Hamel oder der Gendarm Arnaud Beltrame, der sich kürzlich hatte für eine Geisel austauschen lassen, nicht nur im Namen humanistischer Ideale gestorben sind, sondern weil sie von ihrem Glauben getragen wurden – für einen französischen Staatspräsidenten ein revolutionärer Standpunkt. Kein Zweifel: Der Katholik Macron, der sich mit zwölf Jahren auf eigenen Wunsch taufen ließ, reicht der Kirche die Hand und betrachtet sich nicht, wie manche fordern, als Erfinder, Förderer oder Verteidiger eines Staatskultes, der an die Stelle der Religion so etwas wie ein republikanisches Glaubensbekenntnis setzt.

Vor Illusionen sei gewarnt: Natürlich werden sich Macron und die Bischöfe, Staat und Kirche auch in Zukunft bei weitem nicht in allen Fragen einig sein. Aber dieser tatkräftige Staatschef, der sich jetzt auch auf diesem Gebiet als entschlossener Erneuerer erweist, bietet der Kirche die einmalige Chance zu  einem Neuaufbruch in ihren Beziehungen zu Staat und Gesellschaft. Weit über Frankreich hinaus ist es  auch für ganz Europa ein wichtiger Impuls, dass der französische Präsident – im Gegensatz zu offiziellen Positionen vor seiner Amtszeit – das christliche Erbe des Kontinents wertschätzt. Der „katholische Saft“ ist in Frankreich und Europa weiter lebendig: Diese Überzeugung  Macrons ist Ermutigung und Herausforderung zugleich. (Gerd Felder)

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