Wochenkommentar

Donnerstag, 15. November 2018

Schlechte Zeiten für Lebensschutz

Diskussion um Ausweitung der Pränataldiagnostik ist in vollem Gange

In Deutschland ist eine ethische Kontroverse mit weitreichenden Folgen entbrannt: Sollen die Krankenkassen die Kosten für einen seit 2012 zugelassenen nichtinvasiven Bluttest übernehmen, mit dem sich bereits ab der neunten Schwangerschaftswoche nachweisen lässt, ob ein Fötus an Trisomie 21 (Down-Syndrom) leidet? Der Vorsitzende des Bundestags-Gesundheitsausschusses, Erwin Rüddel (CDU), und sogar die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) plädieren dafür. Die Begründung läuft darauf hinaus, dass die Fruchtwasseruntersuchungen, deren Kosten die Krankenkassen bei einem Verdacht auf genetische Defekte bisher übernehmen, erst deutlich später durchgeführt werden als der neue Test und außerdem mit dem Risiko einer Fehlgeburt verbunden sind.

Kein Zweifel kann allerdings darin bestehen, was eine solche Ausweitung der Pränataldiagnostik bedeutet: Die Abtreibungen von Föten mit Gendefekten werden weiter erheblich zunehmen und zur Selbstverständlichkeit werden. Viele Behinderte (und deren Angehörige) werden sich immer häufiger dafür rechtfertigen müssen, dass sie überhaupt geboren worden sind – eine schaudern machende Vorstellung.  Dass die EKD trotz aller ethischen Bedenken daran festhält, dass der Schutz des ungeborenen Lebens nur mit und nicht gegen den Willen der Mutter durchgesetzt werden kann, ist eine fatale Überschätzung des Selbstbestimmungsrechts der Frau. Doch es sind ohnehin keine guten Zeiten für den Schutz des ungeborenen Lebens, denn aus den Reihen der SPD, die um ihr politisches Überleben kämpft, wächst fast täglich der Druck auf die CDU/CSU, das Werbeverbot für Abtreibungen, welches im Paragraphen 219a formuliert ist, ganz zu streichen.

Die Tendenz geht also unverkennbar hin zu einer Erleichterung von Abtreibungen. Dass darüber hinaus auch die Positionen der beiden großen Kirchen in Sachen Bioethik wieder einmal weit auseinandergehen, ist zutiefst bedauerlich. Unterdessen aber werden die Methoden der Pränataldiagnostik immer weiter verfeinert. Ist die Gesellschaft darauf eingestellt, und hat sie eine ethisch reflektierte Antwort darauf? Die Logik des Marktes droht über den Lebensschutz zu siegen. (Gerd Felder)

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