Wochenkommentar

Mittwoch, 24. Juni 2020

Weckruf aus Westfalen

Es ist ein überdeutlicher Weckruf an alle, die sich schon Sommerfeeling und Urlaubsträumen hingeben: Mit (bei Redaktionsschluss) 1553 Infizierten ist Rheda-Wiedenbrück in Westfalen zum bisher größten Corona-Hotspot Deutschlands geworden.

Verantwortlich dafür ist die Fleischindustrie, genauer gesagt: die Firma Tönnies, größter Schlachtbetrieb Deutschlands und Großlieferant der deutschen Supermarktketten. Der Skandal ist sogar noch größer als vor wenigen Wochen bei „Westfleisch“ in Coesfeld, weil „Fleischbaron“ Clemens Tönnies sich damals selbst zum Saubermann hochstilisiert hatte.
Eine aktuelle Studie zur globalen Fleischindustrie hat es gerade wieder bestätigt: Die Massentierhaltung ist anfällig für Pandemien und zugleich deren Verursacher. Letztlich handelt es sich um einen zerstörerischen Kreislauf, der Werte vernichtet und Leben gefährdet; alles wird dem Gewinnstreben und der Effizienz untergeordnet. Bemerkenswert: Ausgerechnet ein Priester, der Lengericher Sozialpfarrer Peter Kossen, legt seit Jahren den Finger in die Wunde und wird nicht müde, die unerträglichen Arbeits- und Wohnbedingungen sowie die sozialen Missstände in der Fleischbranche anzuprangern.
Alle – Politik, Wirtschaft, Behörden und die Verbraucher – haben viele, viele Jahre weggeschaut und sich nicht ausreichend für die Problematik interessiert oder sogar davon profitiert. Auch dem Letzten aber müsste nun klar geworden sein, warum das Fleisch an der Ladentheke oft so skandalös billig ist. Neue Gesetze, Abschaffung von Werkverträgen, Zerschlagung von Sub-Strukturen: Alles wichtig, aber das Corona-Virus bietet die einzigartige Chance, jetzt ein für allemal grundsätzlich mit einer kompletten Denkweise, einer Haltung, ja einem ganzen Geschäftsmodell aufzuräumen.

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