Wochenkommentar

Mittwoch, 11. Dezember 2019

Unsere schöne neue Welt

Im Grunde könnte alles so einfach sein: Die Menschen lieben einander. Sie entscheiden sich füreinander. Und irgendwann bekommen sie Kinder, die aufwachsen mit der ganzen Fürsorge und Liebe ihrer Eltern. Schön wäre das. Aber das Leben ist nicht immer einfach.
Die Rede ist von der Fortpflanzungsmedizin. Bis vor kurzen war das Thema weitgehend theoretisch – und folglich weit weg. Aber das hat sich geändert. Beispiel Trisomie 21, besser bekannt als „Down-Syndrom“: Seit kurzem gibt es ein Verfahren, das es erlaubt, mit einer Blutprobe der schwangeren Mutter festzustellen, ob das Kind mit hoher Wahrscheinlichkeit diese Erkrankung hat. Zum Teil sogar auf Krankenkassenrezept. Bei neun von zehn Fällen – so schätzen Experten – werden Kinder, die eine Trisomie 21 haben, abgetrieben. Über die Ursachen mag man spekulieren: Sei es, weil die Eltern sich alleingelassen fühlen mit der Diagnose oder die Gesellschaft ihnen unausgesprochen zu verstehen gibt, dass heute so etwas nicht mehr sein müsse. Klar: Niemand von uns möchte mit diesen Eltern tauschen. „Du sollst nicht töten!“ Das klingt merkwürdig wohlfeil, solange es einen nicht berührt.
Natürlich kann man fragen, warum Unternehmer solche Dinge herstellen dürfen. Könnte man es ihnen nicht verbieten? Vielleicht kann man das. Aber dann wird es ein Pharma-Konzern tun, der im Ausland sitzt und günstigere rechtliche Rahmenbedingungen hat. Der Geist ist aus der Flasche, niemand bringt ihn wieder hinein.
Als Christen sind wir berufen, für die zu sprechen, die keine Stimme haben. Was sollen wir also tun? Intensive Beratung ist das eine – und zwar möglichst schon vor der Diagnostik. Und man muss immer wieder darauf aufmerksam machen, dass da ein Mensch ist; mit allen Fehlern und Schwächen, aber auch mit allen Möglichkeiten.

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Christoph Braß
 

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