Wochenkommentar

Donnerstag, 17. Januar 2019

Asketen gegen Schlaumeier

Durch Disziplin und Sorgfalt der Gefahr im Internet entgegenwirken

Nach Bekanntwerden der Hacker-Attacke auf Internet-Aktivitäten von Politikern und Journalisten meldeten sich erwartungsgemäß bald auch Schlaumeier zu Wort: Ein zwanzigjähriger Schüler habe die deutschen Sicherheitsbehörden lächerlich gemacht und vor aller Welt bis auf die Knochen blamiert. So war zu lesen und zu hören. Natürlich wäre es besser und schöner, wenn ein solcher Daten-Klau nicht möglich wäre; wenn Privates als privat respektiert würde; wenn in unserem Leben der schöne Satz beachtet würde „Die eigene Freiheit endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt“. Da aber die Freiheit der anderen nicht hinreichend respektiert wird, muss sie geschützt werden. Was aber passiert, wenn der Staat diese Aufgabe durch strenge Gesetze erfüllen will? Dann melden sich andere Schlaumeier: Der Staat dürfe die Freiheit der einzelnen nicht einschränken, sonst endeten wir im Überwachungsstaat. Da ist wieder mal leicht zu erkennen: Mit Schlaumeiereien sind ernste Probleme nicht zu lösen. Und es handelt sich um eine ernste Angelegenheit.

Vielleicht können Regierung und Parlament durch strengere Gesetze die Tätigkeit der Hacker einschränken – am ehesten wohl, indem die Betreiber von Facebook, Twitter und Konsorten konsequent in eine strafbedrohte und teure Pflicht genommen werden. Die meiste Macht über das Internet aber haben die Verbraucher, die User – wenn sie es wirklich wollen. Denn über Dienste wie Facebook kann nur an die Öffentlichkeit geholt werden, was User vorher hinein gegeben haben. Man mag sich über die Unanständigkeit des Daten-Klaus und der Hacker empören. Aber Wundern darf sich darüber eigentlich niemand. Denn jeder kann (und muss) wissen, dass das Internet so etwas wie der frühere Marktplatz ist, ein öffentlicher Raum, nicht aber ein Safe oder ein Schließfach. Den Blick frei zu geben, ist offenbar keine große Kunst.

Es ist wohl ein Glück, dass der Zwanzigjährige uns vor Augen geführt hat, wie verletzlich wir im Internet sind, wie von Manipulationen bedroht, wie erschreckend eine gute Erfindung zu einer großen Gefahr und dadurch unsere Freiheit gefährdet wird. Wir müssen die Freiheit schützen – durch Gesetze, aber auch durch persönliche Disziplin und Sorgfalt im Gebrauch des Internets. (Rudolf Bauer)

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Rudolf Bauer
 

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