Wochenkommentar

Mittwoch, 23. September 2020

Traum rückt in weite Ferne

Das ist eine ganz kalte Dusche aus dem Vatikan und ein schwerer Schlag für den kommenden Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt: Die römische Glaubenskongregation hat allen Hoffnungen evangelischer und katholischer Christen in Deutschland, in absehbarer Zeit gemeinsam zum Tisch des Herrn gehen zu können, eine bittere Abfuhr erteilt.

Nach Meinung der obersten vatikanischen Glaubensbehörde sind die Unterschiede im Amts- und Glaubensverständnis noch so gewichtig, dass es vorerst keine gegenseitigen Einladungen zu Abendmahl und Eucharistie geben kann.  
Das Machtwort aus dem Vatikan ist eine Ohrfeige für den renommierten Ökumenischen Arbeitskreis (ÖAK), der 2019 nach sage und schreibe zehn Jahren Arbeit ein bahnbrechendes gemeinsames Votum für eine wechselseitige Teilnahme an der Kommunionfeier vorgelegt hatte. Entscheidende Grundlage dieses seinerzeit sensationellen Papiers war, dass die beteiligten Experten – unter ihnen der Limburger Bischof Georg Bätzing und heutige Vorsitzende der Bischofskonferenz – alle vorliegenden Erkenntnisse und Forschungsergebnisse zusammengetragen und berücksichtigt haben. Die zentrale Aussage des Dokuments lautete, dass die Differenzen zwischen den Konfessionen im Zusammenhang mit Abendmahl und Eucharistie nicht mehr kirchentrennend sind. Das sieht die Glaubenskongregation, die dem ÖAK unverhohlen vorwirft, die Zusammenhänge von Kirche, Eucharistie und Weiheamt nicht ausreichend geklärt zu haben, völlig anders. Knackpunkt ist die Ämterfrage, die nach wie vor von evangelischer und katholischer Seite unterschiedlich bewertet und interpretiert wird. Zudem befürchtet man Irritationen bei den orthodoxen Kirchen. Die Erfüllung eines großen Traums rückt in weite Ferne.

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