Wochenkommentar

Mittwoch, 13. Februar 2019

Historische Begegnung

Treffen ist ein bedeutendes Signal für Dialog und Toleranz

Zum ersten Mal überhaupt hat ein Papst die Arabische Halbinsel besucht – ein wahrhaft historisches Ereignis. Begegnungen zwischen religiösen Führern und Staatschefs können in einer angespannten Weltlage, in der es um die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen nicht zum Besten steht, niemals schaden. Papst Franziskus hat die Gelegenheit genutzt, um im Rahmen einer „Globalen Konferenz der menschlichen Brüderlichkeit“ zusammen mit dem Groß-Imam der Al-Azhar-Universität in Kairo, Ahmad al Tayyeb, und zahlreichen islamischen Imamen, Scheichs und Muftis in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein Zeichen gegen religiös begründete Gewalt und Terrorismus und für Frieden, Dialog und Toleranz über Religionsgrenzen hinweg zu setzen.    
Freilich sind Einwände und Bedenken gegen die Konferenz und das Dokument möglich, das Franziskus und al Tayyeb unterschrieben haben: Der Großscheich ist ein Mann mit mindestens zwei Gesichtern, der dem autoritären Regime in seiner ägyptischen Heimat nicht gerade kritisch gegenüber steht. Auch stößt der interreligiöse Dialog, den Tayyeb  mit den Emiraten vorantreibt, in der innerislamischen Ökumene und im Machtpoker der Region an seine Grenzen. Nicht zuletzt sind die Vereinigten Arabischen Emirate, wenn es um Andersdenkende, Menschenrechtsaktivisten und Gastarbeiter geht, alles andere als der „Hort der Toleranz“, als der sie sich inszeniert haben. Darüber hinaus spielen sie eine entscheidende Rolle in der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition im Jemen, die durch einen gnadenlos geführten Krieg das halbe Land an den Rand des Hungertods gebracht hat. Umso wichtiger war es, dass Papst Franziskus diese humanitäre Krise offen zur Sprache gebracht hat. Außerdem ist das Signal, das durch den bisher größten christlichen Gottesdienst auf arabischem Boden in die Region und die ganze Welt ausgesandt wurde, kaum zu überschätzen.
Am Ende muss sich aber konkret im Alltag von Christen und Muslimen vor Ort erweisen, wie weit der gute Wille und die Erklärung des Papstes und des Großimams der Al-Azhar-Universität wirklich tragen. Weniger religiös motivierter Hass und weniger Extremismus – das darf nicht nur ein Traum bleiben.  (Gerd Felder)

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