Wochenkommentar

Mittwoch, 13. November 2019

Bayerns Bischöfe zeigen Flagge

Engagement, Gebet und politischer Einsatz gehören zusammen

Der evangelische Landesbischof von Bayern und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, ist wegen seines beherzten Engagements zugunsten der zivilen Seenotrettung im Mittelmeer viel kritisiert worden – sowohl aus den eigenen Reihen wie aus Teilen der Öffentlichkeit. Umso bedeutsamer ist es, dass die bayerischen Bischöfe bei ihrer Herbstvollversammlung geradezu demonstrativ ihre Unterstützung für die Seenotrettung bekundet haben – angesichts sonstiger Unterschiede wahrhaftig keine Selbstverständlichkeit. Menschen vor dem Ertrinken zu retten, das gehört zu den absoluten moralischen Imperativen, die sogar im reichen Deutschland nicht mehr von allen respektiert werden.
Bedford-Strohm wird im Zusammenhang mit der Seenotrettung vorgeworfen, er agiere zu politisch, trage seine moralische Autorität zu sehr vor sich her, befinde sich „charakterlich in Seenot“. Nun hat die Freisinger Bischofskonferenz mit erfreulicher Deutlichkeit klar gemacht, dass es zur zivilen Seenotrettung keine Alternative gibt, solange die Europäische Union (EU) nicht dazu in der Lage ist, die menschliche Tragödie auf dem Mittelmeer zu verhindern und  dafür zu sorgen, dass niemand mehr auf der Flucht sterben muss. Was den Kritikern Bedford-Strohms nämlich nicht ausreichend klar ist: Engagement und Gebet, Kampf und Kontemplation, politischer Einsatz und geistliches Leben schließen sich nicht aus und bilden erst recht keine Gegensätze, sondern ergänzen sich.
Zur Würdigung der Seenotrettung passt, das die Bischöfe bei ihrer Herbstvollversammlung auch beschlossen haben, das erst 2018 gegründete Kompetenzzentrum für Demokratie und Menschenwürde, das sich größerer Nachfrage erfreut, aufzustocken. In Zeiten, in denen Demokratie und Menschenwürde immer häufiger, offener und dreister von verschiedenen Seiten in Frage gestellt werden, kommt einem solchen Kompetenzzentrum nicht nur innerhalb der Kirche, sondern auch weit darüber hinaus eine entscheidende Aufgabe zu, vor allem bei der Schulung von Ehrenamtlichen. Eine Kirche, die auf diese Weise Flagge zeigt und einen unersetzlichen Beitrag zu aktuellen Debatten liefert, hat große Bedeutung für die Gesellschaft.

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Gerd Felder
 

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13. November 2019

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