Wochenkommentar

Mittwoch, 05. August 2020

Soziale Werte hoch im Kurs

Wer gern über Jugendliche lästert – ganz nach dem Motto: „Ja, die Jugend von heute“ – wird durch die jüngste Sinus-Jugendstudie eines Besseren belehrt.

Statt Spaßgesellschaft, Feiern und Action ist eine neue Ernsthaftigkeit angesagt. Soziale Werte wie Familiensinn, Treue, Toleranz, Hilfsbereitschaft, Solidarität und Fairness stehen bei den 14- bis 17-jährigen hoch im Kurs, und ihre große Sorge dreht sich um Themen wie Umwelt und Klima, Migration und soziale Gerechtigkeit – alles Themen und Haltungen, die die „Jugend von heute“ mit den Kirchen gemeinsam hat und sie für sie ansprechbar macht. Da kann es denn auch schon kaum noch verwundern, dass die jungen Leute die Kirchen als moralische Instanzen in der Gesellschaft ansehen.
Die Sinus-Studie zeigt eindrucksvoll: Die heutige junge Generation ist für die Kirche keineswegs verloren; allerdings gibt es, oft hervorgerufen durch die Elterngeneration und das, was sie (nicht) weitergegeben hat, einen großen Traditionsabbruch und eine „Sprachlosigkeit“ in Sachen Glauben. Viele der Befragten können sich deshalb auch nicht die Kirche als Arbeitgeberin vorstellen und wissen wenig über die Vielfalt der Berufe, die sie bietet. Das aber lässt sich durch Aufklärungs- und Informationskampagnen vergleichsweise rasch ändern. Schon wird nämlich unter jungen Leuten in Folge der Corona-Krise ein neuer Trend hin zu sozialen und pflegerischen Berufen festgestellt, der ein Produkt der neuen Nachdenklichkeit ist. Auch hat die junge Generation während des Lockdowns eine erstaunliche Selbstdisziplin und Rücksichtnahme auf die Älteren, Schwächeren und Risikogruppen an den Tag gelegt, was insgesamt höchsten Respekt verdient. Diesen Gesamteindruck können nicht einmal die verantwortungslosen Partygänger zerstören.

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