Wochenkommentar

Mittwoch, 25. September 2019

Der Selektion den Weg geebnet

Abtreibung bei Down-Syndrom droht „normal“ zu werden

Unglaublich! Der Gemeinsame Bundesausschuss im Gesundheitswesen hat entschieden, dass die gesetzlichen Krankenkassen in Zukunft einen Bluttest bezahlen sollen, mit dem eine mögliche Trisomie – und damit ein Down-Syndrom – des ungeborenen Kindes nachgewiesen werden kann. Die Begründungen für den weitreichenden Schritt nehmen sich auf den ersten Blick vernünftig aus: Der nichtinvasive Bluttest ist für Schwangere mit weniger Risiko verbunden, als die bisher übliche Fruchtwasseruntersuchung. Darüber hinaus wird er als ein Akt der sozialen Gerechtigkeit verkauft: Die Zahlung dieser schonenden Methode der Pränataldiagnostik durch die Krankenkassen gewährleiste, dass nicht nur Vermögende sie sich leisten könnten.
In Wirklichkeit wird damit der Sinn einer Krankenkassenleistung auf den Kopf gestellt, soll doch mit ihr normalerweise die Grundlage dafür geschaffen werden, dass eine Krankheit diagnostiziert, therapiert und geheilt wird. Bei Trisomie 21, dem Down-Syndrom, aber handelt es sich nicht um eine Krankheit, bei der Heilung nötig oder möglich wäre. Das lässt tief blicken, welches Denken dem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses zugrunde liegt, der der Selektion von vermeintlich „lebensunwertem“ Leben unverhohlen den Weg ebnet. Kommen heute bereits schätzungsweise neun von zehn Kindern mit Down-Syndrom in Deutschland nicht zur Welt, so drohen künftig kaum noch welche geboren zu werden. Jedes Elternpaar, das den Bluttest nicht durchführen lässt, wird sich künftig vor seinem gesellschaftlichen Umfeld dafür rechtfertigen müssen. Menschen mit Down-Syndrom kommen unter Druck, sich dafür verteidigen zu müssen, dass sie überhaupt auf der Welt sind. Kann eine humane Gesellschaft, die sich die Inklusion von Menschen mit Behinderungen auf die Fahne geschrieben hat, das wollen?         
Christen müssen sich umso mehr dafür einsetzen, dass Abtreibungen nicht zur Selbstverständlichkeit werden und werdende Eltern Beratung bekommen, in der der Lebenswert von Kindern mit Behinderungen deutlich wird. Bequemlichkeit, Wohlstandsdenken und falsche Vorstellungen vom Sinn menschlichen Daseins dürfen nicht über den Lebensschutz siegen.

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25. September 2019

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