Wochenkommentar

Mittwoch, 18. September 2019

Ein Skandal: Bedrohte Helfer

Respektloses Verhalten nimmt erschreckende Ausmaße an

Das geschieht fast täglich irgendwo in Deutschland: Polizei wird gerufen, etwa um eine Schlägerei zu beenden; aber am „Tatort“ werden die Beamten attackiert, sodass sie sich mit Reizgas oder sogar mit der Waffe wehren müssen. Ähnlich ergeht es immer wieder auch Besatzungen der Rettungswagen, also Sanitätern und Ärzten. Sie werden alarmiert, aber wenn sie eintreffen, um einem Kranken oder Verletzten zu helfen, sehen sie sich Aggressionen, Beschimpfungen der übelsten Art und auch körperlicher Bedrohung ausgesetzt, sodass sie oft Polizeischutz anfordern müssen – obwohl sie nichts anderes wollen als helfen.  
Warum verhalten Menschen sich so (es handelt sich keineswegs in erster Linie um „Migranten“)? Ein Grund liegt auf der Hand, und er kann nicht oft genug genannt werden: Die Respektlosigkeit vor anderen Menschen hat in Teilen unserer Gesellschaft in einem erschreckenden Ausmaß zugenommen. Sie wird begleitet von einer Verrohung, die ihren Ausdruck in der Sprache findet – gefördert durch die zunehmend ordinäre Sprache in Fernseh-Unterhaltungsfilmen. Die Früchte dieser Entwicklung begleiten unseren Alltag: Messerstechen in Wohnungen und auf der Straße; blutige Schlägereien; im Internet anonym gesendete Beleidigungen, Kränkungen, Beschimpfungen; grundloses Niederschlagen von Menschen – und so weiter. Respekt? Fehlanzeige.
Ja, es gibt – Gott sei Dank – auch die andere Seite: Hilfsbereitschaft, Entgegenkommen, Menschlichkeit, Trost, praktizierte Nächstenliebe. Aber den wahrzunehmenden Ton, das Bild in der Öffentlichkeit, in den Medien bestimmen weithin die Respektlosen und Verrohten, die von einem dumpfen, rücksichtslosen Ich geleitet werden. Sie sind offenkundig orientierungslos. Und diese Orientierungslosigkeit ist gewachsen und wächst aus einer sich ausbreitenden religiösen Entwurzelung.   
Bei allen Hintergrund-Überlegungen aber muss eines unstrittig sein: Zwar wird diese Seuche mit Strafen allein nicht zu beseitigen sein, aber der Gesetzgeber hat die Pflicht, Bürger, Sanitäter, Ärzte und Polizeibeamte zu schützten; auch durch härtere Strafen. Es darf nicht hingenommen werden, dass Helfer sich fürchten müssen, wenn sie helfen sollen und wollen.

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Rudolf Bauer

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