Wochenkommentar

Freitag, 13. April 2018

Einmischung gehört zum Auftrag

Kritik aus ganz unterschiedlichen Lagern gibt es mehr oder minder regelmäßig

„Die Kirche mischt sich zu sehr in politische Fragen ein.“ Diese Kritik aus ganz unterschiedlichen Lagern gibt es mehr oder minder regelmäßig. Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige hat Kritik an politischen Äußerungen der christlichen Kirchen jetzt nochmals deutlich zurückgewiesen. „Wenn den Kirchen gerade in jüngster Zeit zunehmend vorgehalten wird, sie würden sich zu stark in die Politik einmischen und damit ihre eigentliche Aufgabe – die Seelsorge an den Einzelnen – vernachlässigen, scheint das eher dem Religionsverständnis zu entsprechen, das Marx damals kritisieren zu müssen meinte“, schreibt Feige in einem Gastbeitrag für die „Mitteldeutsche Zeitung“ mit Bezug auf Karl Marx’ Vergleich von Religion mit Opium.

In seinem Beitrag betont Feige, „für wache Christen und eine dem Evangelium verpflichtete Kirche gehören sowohl Glaube und Vernunft als auch zeitliches und ewiges Leben zusammen“. Jüngst hatte etwa in Sachsen-Anhalt die AfD scharfe Kritik an den christlichen Kirchen geäußert. Der Vize-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Tobias Rausch, kündigte seinen Austritt aus der evangelischen Kirche an. Zur Begründung warf er den Kirchen in dem Bundesland eine „unglaubwürdige Vertretung“ vor. In der Erklärung kritisiert die Fraktion, beide großen Kirchen sowie kirchliche Vereine grenzten die AfD in der Gesellschaft immer stärker aus.

Das Bistum Magdeburg hatte seinerzeit die Vorwürfe der AfD zurückgewiesen. „Wer versucht, Kirche auf den privaten Raum zurückzudrängen, hat weder Kirche noch Leben aus dem Glauben verstanden“, machte das Bistum klar. Als Anwalt für christliche Werte sei die Kirche verpflichtet, sich für Menschenwürde, Achtung, Toleranz und Solidarität zu engagieren. (kna/pil)

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