Wochenkommentar

Mittwoch, 06. März 2019

Karfreitag unter Druck

Christliche Feiertage geraten immer stärker unter Druck.

Was jetzt in Österreich passiert ist, lässt besonders aufhorchen: Da entscheidet zunächst der Europäische Gerichtshof, dass der Karfreitag in der Alpenrepublik nicht länger ein gesetzlicher Feiertag nur für Protestanten, Altkatholiken und Methodisten sein dürfe (wie seit den 1950er Jahren üblich), weil das diskriminierend sei.

Und welchen Schluss zieht die rechtslastige österreichische Regierung daraus, die sich so gern als Verteidigerin des christlichen Abendlandes inszeniert? Sie schlägt zuerst einen „halben Feiertag“ (ab 14 Uhr) vor – um dann, nach Protesten von allen Seiten, umzuschwenken und aus dem Karfreitag einen „persönlichen Feiertag“ zu machen.   Jeder, der möchte, kann jetzt am Karfreitag frei nehmen, allerdings auf Kosten eines Urlaubstags. Faktisch ist damit der Karfreitag, einer der wichtigsten christlichen Feiertage im Jahreskreislauf, in Österreich abgeschafft.  Und das, obwohl der ÖVP-FPÖ-Koalition ein ganz anderer Weg offen gestanden hätte: Sie hätte nämlich, wie in Deutschland, den Karfreitag zu einem allgemeinen gesetzlichen Feiertag machen können.

Traurig ist, wie hier von der Regierung das kulturelle Erbe des eigenen Landes ignoriert wird. Zugleich nimmt sie der evangelischen, der altkatholischen und der methodistischen Kirche, die im überwiegend katholischen Österreich in der Minderheit sind, einfach ihren Feiertag weg. Die Neuregelung wird auch nicht dadurch besser, dass die katholischen Bischöfe Österreichs sie als „akzeptable Lösung“ begrüßt haben. Stattdessen hätten die Oberhirten den Karfreitag als allgemein gesetzlichen Feiertag auch zu ihrem Anliegen machen sollen. Denn ein „persönlicher Feiertag“ mag zwar den Vorteil bieten, dass jeder Einzelne konkret beweisen kann, wie viel ihm an diesem bestimmten Tag liegt, bleibt aber ein Widerspruch in sich.  

Machen wir uns nichts vor: In Deutschland wird der Karfreitag immer mehr zu einem Ausflugs- und Freizeit-Tag umfunktioniert. Der Tag des Leidens und Sterbens Jesu Christi wird, obwohl gesetzlich geschützt, seinen Sinn verlieren, wenn es den Kirchen nicht gelingt, die Botschaft dieses stillen Tages wieder zum Leuchten zu bringen. (Gerd Felder)

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