Wochenkommentar

Mittwoch, 12. Februar 2020

Los über Leben und Tod

Ein ungeheuerlicher Gedanke

Es ist ein ungeheuerlicher Gedanke: Das Los entscheidet über Leben und Tod von Säuglingen und Kleinkindern. Doch genau diese Ungeheuerlichkeit droht Wirklichkeit zu werden: Das Schweizer Unternehmen Novartis, das derzeit nicht genug Dosen des Medikaments Zolgensma produzieren kann, um alle Kinder zu erreichen, die an einer spinalen Muskelatrophie (SMA) leiden, stellt die Gentherapie 100 Säuglingen und Kindern gratis zur Verfügung. Das Medikament, das nur in einem einzigen Werk in den USA hergestellt wird, ist das teuerste der Welt: Eine einzige Injektion, die allerdings zur Behandlung von SMA reicht, kostet sage und schreibe 2,1 Millionen Dollar.
In Europa ist Zolgensma noch nicht auf dem Markt; erst im kommenden Jahr sollen zwei neue Werke in Betrieb gehen. Um den Zeitraum bis dahin zu überbrücken, hat Novartis sich ein „Härtefallprogramm“ ausgedacht: SMA-kranke Kinder, bei denen andere Mittel nicht anschlagen, kommen in einen Lostopf. Zweimal im Monat sollen dann Patienten per Computerprogramm für die kostenlose Versorgung mit dem teuren Medikament ausgewählt werden.
Diese Art der Lebensrettung per Zufallsprinzip ist unerträglich und löst ein Schaudern aus. Gibt es Alternativen zu diesem fragwürdigen Verfahren? Die beste Lösung wäre die möglichst baldige offizielle Zulassung von Zolgensma in Europa. Doch der Pharmakonzern hat sich – vermutlich um die Nachfrage anzuheizen – entschieden, die Zulassung in Europa später einzureichen als in den USA. Die zweitbeste Lösung wäre die Vergabe des Heilmittels nach  möglichst objektiven medizinischen Kriterien, sprich: alle die, die sie am nötigsten brauchen, bekommen die Therapie. Doch lieber spielt ein Pharmakonzern Gott und folgt zynisch seinen knallharten Interessen.

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Gerd Felder

Anzeige

07. April 2020

Ostern 2020: Besondere Leuchtkraft

Das Fest der Auferstehung als Botschaft der Hoffnung


25. März 2020

Bundesrepublik: Politisches System bewährt sich

Nur ganz am Rande scheinen in der aktuellen Krise parteipolitische Rivalitäten durch


18. März 2020

Corona ist keine Strafe Gottes

Mitmenschlichkeit und Zusammenhalt sind gefragt


Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren