Wochenkommentar

Donnerstag, 08. November 2018

Missbrauchte Sprache

Donald Trump bereitet mit seiner Sprache der Gewalt den Boden

In den USA ist es bestätigt worden: Zuerst verkommt die Sprache und dann – beinahe zwangsläufig – das Handeln. Denn die Briefbomben, die an Kritiker des Präsidenten Trump verschickt wurden, kamen nicht gleichsam aus heiterem Himmel. Vielmehr hat Trumps gelegentlich ordinäre, enthemmte, hetzerische politische Sprache zumindest erheblich dazu beigetragen, dass die Idee wachsen konnte,  Attentate seien zu rechtfertigen. Wer wie der hochgradig narzistische Donald Trump die politischen Gegner, die Demokraten, öffentlich als „Mob“, Flüchtlinge als „Verbrecher“ und kritische Medien als „Volksfeinde“ bezeichnet, darf sich über Folgen solchen Redens nicht wundern.

Dem amerikanischen Präsidenten ist nicht vorzuwerfen, er habe diese Briefbomben  oder andere Attentats-Formen gewollt. Er wird sie wohl auch in seinem Innern nicht gutheißen. Aber sofort nach Bekanntwerden der Attentatsversuche sich als der große Versöhner darzustellen – das ist scheinheilig, peinlich und zynisch. Trump ist nicht Täter, aber er hat mit seiner Sprache den Boden für versuchten Mord gedüngt.  

Auch in Deutschland haben wir Anlass, darüber zu erschrecken dass die Tat, das Verbrechen, der verkommenen, ordinären, enthemmten Sprache folgt. Zwar ist die politische Diskussion alles in allem noch maßvoll, obwohl in der nationalistisch-populistischen AfD schon länger Sprach-Entgleisungen nicht zu den Seltenheiten gehören. Bedenklicher ist jedoch die Tatsache, dass in Teilen der Gesellschaft die Sprache immer mehr verkommt; sie ist dort weithin ordinär,  brutal und hemmungslos, auch menschenverachtend geworden. Leider fördert das Fernsehen in Unterhaltungssendungen diese Entwicklung.

Und das Verbrechen als Folge oder Begleitung der verrohten Sprache erleben wir fast täglich: Vergewaltigungen, Überfälle, Einbrüche, Fremdenhass, Menschen niederschlagen und auf  Menschen treten und so weiter. Ja, diese Verrohten und Enthemmten sind eine Minderheit; die große Mehrheit der Deutschen (und auch anderer Völker) verhält sich anders. Aber die Enthemmten, die Verrohten sind unter uns, und sie sind eine Gefahr. Wir müssen mehr und entschiedener auf unsere Sprache achten, die ja ein Produkt des Denkens ist. Nur Mut! (Rudolf Bauer)

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