Wochenkommentar

Mittwoch, 20. Mai 2020

Missstände gnadenlos bloßgelegt

Wie unter einem Brennglas legt die Corona-Krise soziale Missstände und untragbare Arbeitsbedingungen, die man auch zuvor schon längst hätte wahrnehmen können und müssen, gnadenlos bloß.

Kein Wunder, dass die Fleischindustrie und die Schlachthöfe zu den neuen Hotspots der Covid-19-Infektionen geworden sind, denn hier arbeiten Menschen, zumeist aus Osteuropa, mit Werk- und Leihverträgen im Auftrag von obskuren Subunternehmen auf engstem Raum zusammen und sind, zudem oft in Sammelunterkünften und bei Bus-Transporten zusammengepfercht, dem gefährlichen Virus hilflos ausgeliefert.  
Die skandalösen Verhältnisse in der Fleischindustrie sind der Politik und der Wirtschaft seit Jahren bekannt, aber dagegen unternommen wurde wenig bis nichts. Auch die deutschen Verbraucher sahen und sehen nur allzu gern darüber hinweg, wie die niedrigen Lebensmittelpreise zustande kommen, nämlich durch Ausbeutung von Tier und Mensch. Wie in so vielen anderen Bereichen bietet die Corona-Krise die Chance, hier für völlig neue Rahmenbedingungen zu sorgen.
Dass mit dem „Sozialpfarrer“ Peter Kossen aus dem Münsterland ausgerechnet ein Priester zum Gesicht des Widerstands gegen diese moderne Form der Sklaverei geworden ist, bedeutet ein Geschenk für die Kirche, die spätestens jetzt klar ihre Stimme erheben und nicht locker lassen sollte, bis die prekären Verhältnisse sich fundamental geändert haben. Da wirkt es wie ein Signal, dass die infizierten Arbeitnehmer der Firma „Westfleisch“ aus dem westfälischen Coesfeld in einem nahe gelegenen Benediktinerkloster untergekommen sind.
Den Generalverdacht, unter den die ganze Branche aktuell gestellt wird, hat sie sich redlich verdient.

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  (Gerd Felder)

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