Wochenkommentar

Donnerstag, 08. Februar 2018

Pflege – ein Thema für alle

Kosten für die Pflege ist Aufgabe der ganzen Gesellschaft

Über vieles streiten Parteien und Interessentengruppen – auch ohne Koalitionsverhandlungen. Zumindest in diesem Punkt aber besteht Einigkeit: Die Personaldecke in Alten- und Pflegeheimen ist, von wenigen Ausnahmen vielleicht abgesehen, viel zu knapp, zu kurz und zu schmal. Eine Folge davon ist, dass entweder die Pflegerinnen und Pfleger bis über die Leistungsgrenze hinaus Überstunden machen, oder dass die Pflegebedürftigen nicht die Hilfe bekommen (können), die sie brauchen und die unter der Überschrift „In Würde alt werden“ versprochen wird.

Das Thema „Pflegenotstand“ wird seit Jahren hin und her diskutiert. Aber geändert hat sich so gut wie nichts. Nach wie vor fehlen für die rund 13 000 Pflegeheime in Deutschland je nach Berechnung zwischen 40 000 und 80 000 Mitarbeiter. Da sind 8 000 zusätzliche Pflegerinnen und Pfleger, von denen jetzt die Rede ist, gewiss besser als nichts, aber keine wirksame Hilfe. Es ist ja auch die Frage, woher ein paar tausend Frauen und Männer herbeigezaubert werden sollen, die „in der Pflege“ arbeiten wollen – und können. Eine bessere Bezahlung wäre gewiss hilfreich. Aber – und hier wird ein ernstes Problem sichtbar: Bei noch so gutem Gehalt bleibt es dabei, dass nicht jeder (jede) die Fähigkeit hat, alte und sehr hilfsbedürftige Menschen zu pflegen. Das ist kein leichter Beruf, den man eben mal so erlernen kann.

Es wird nicht einfach sein, genug Nachwuchs für den Pflegeberuf zu gewinnen. Aber in einer alternden Gesellschaft ist diese Aufgabe eine unabweisbare Pflicht. Dazu gehört, diesem Beruf das gesellschaftliche Ansehen zu verschaffen, das ihm gebührt. Dies muss verbunden sein mit einer besseren, der Leistung angemessenen Bezahlung. Das kostet. Doch diese Last darf nicht zusätzlich den Pflegebedürftigen und deren Familien aufgebürdet werden; sie oder die Sozialkassen zahlen jetzt schon für jeden „Pflegefall“ im Durchschnitt 1700 Euro jeden Monat als Anteil an den Kosten.

Wenn der Satz „In Würde alt werden“ ernst gemeint ist, und wenn wir bedenken, dass jeder betroffen sein kann, dann ist die Pflege hinfällig gewordener, alter Menschen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, gleichsam gesamtgesellschaftliche Nächstenliebe. Die Kosten müssen in Teilen aus der Steuerkasse, also von allen, getragen werden. (Rudolf Bauer)

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