Wochenkommentar

Mittwoch, 15. Mai 2019

Synodaler Weg: Auf Augenhöhe

Wenn es partout nicht voran geht, sollte das ZdK die Reißleine ziehen

Bei Lichte betrachtet, ist die Kernfrage eigentlich ganz einfach: Sind die deutschen Bischöfe bereit, sich im Sinne des von ihnen ausgerufenen Synodalen Weges auch in Rom glaubwürdig und entschieden dafür einzusetzen, dass auch Frauen der Weg zum Priestertum eröffnet wird? Denn dies ist spätestens seit Herbst letzten Jahres die offizielle Forderung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Damals hatte das höchste deutsche Laiengremium nach der Bekanntgabe der Missbrauchs-Studie unter der Überschrift „Entschlossenes gemeinsames Handeln, jetzt!“ eine Erklärung abgegeben, in der es unter anderem heißt: „Deshalb fordern wir, … Frauen und Männer in der Kirche gleich zu stellen und Frauen Zugang zu allen kirchlichen Ämtern zu gewähren.“

Das ist die Lage. Nun kann man sich natürlich auf den Standpunkt stellen, dass die Mühlen Gottes insbesondere in der Kirche langsam mahlen. Und vielleicht gibt es sogar ganz ernsthafte Gegengründe. Jedenfalls fällt auf, dass in keiner der drei Unterkommissionen der Bischofskonferenz, zu denen das ZdK nun eingeladen wurde, Frauen im Titel überhaupt vorkommen. Das dürfte Gründe haben. Wenn man wohlwollend ist, kann man argumentierten, dass sie selbstverständlich überall mitgemeint sind. Ist man eher skeptisch, könnte man daraus schließen, dass die Bischöfe von Anfang an versucht haben, dieses „verminte Gelände“ weiträumig zu umgehen.Es spielt wohl beides eine Rolle.

Aber wenn es gelingen soll, den Synodalen Weg wirklich „auf Augenhöhe“ zu gehen, dann müssen die gewählten Mitglieder des ZdK von Anfang an deutlich machen, wofür sie stehen. Nur ein paar Stichworte: Entwicklung einheitlicher Standards für die Priesterausbildung in ganz Deutschland, Abschaffung des Pflichtzölibats, saubere Trennung von Exekutive und Judikative im Kirchenrecht.
Und wenn es partout nicht voran geht, muss das ZdK gegebenenfalls die Reißleine ziehen und aussteigen. Denn eines ist auch klar: Der Missbrauch, unter dem die Kirche zu leiden hat, ist im Wesentlichen durch Priester und Ordensangehörige entstanden. Viele Laien wollen sich der Verantwortung für ihre Kirche stellen. Aber sie lassen sich nicht in Mithaftung nehmen. (Christoph Braß)

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