Wochenkommentar

Donnerstag, 10. Januar 2019

Tiefer Riss bereitet Sorgen

Populisten dürfen nicht triumphieren

Ist das die Welt, in der wir leben wollen? Die Trumps, Erdogans, Salvinis und Bolsonaros feiern Triumphe. Dagegen bekommt ein überzeugter Europäer und charismatischer Visionär wie Emmanuel Macron die größten Probleme und stößt auf eine Mauer der Ablehnung und Wut. In Großbritannien wird das Chaos fast täglich größer, weil man sich zwischen hartem und weichem Brexit, Verbleib in der EU und Austritt ohne jeden Deal nicht mehr entscheiden kann.  Italien verblüfft und erschreckt dagegen auf ganz andere Weise: Der faktische Regierungschef Matteo Salvini verzeichnet umso mehr Unterstützung in der Bevölkerung, je radikaler, menschenverachtender und zynischer seine Sprüche werden. Wie so viele andere Populisten betreibt er vor allem Politik mit den Ängsten und Vorurteilen der Menschen und auf Kosten von Migranten, Zuwanderern und Flüchtlingen, die er wie Abschaum behandelt. Nennenswerte Proteste in dem so bedeutenden Land der Kunst und Kultur: bisher Fehlanzeige.

Ein tiefer Riss zieht sich quer durch die westlichen Gesellschaften – ein Riss, für den die einstige Vorzeigedemokratie USA das beste Beispiel abgibt. Stadt und Land, Oben und Unten, Globalisierungsgewinner und Globalisierungsverlierer, Gruppen, die sozial abgehängt sind oder sich zumindest abgehängt fühlen, und gesellschaftliche Eliten stehen sich unversöhnlich und oft ohne gegenseitiges Verständnis gegenüber – eine bedrohliche Entwicklung. Ausgerechnet die Politiker, die das Blaue vom Himmel herunter versprechen und sich an keine Realitäten, Zwänge, Vorgaben oder Verträge halten, haben die größte Chance, gewählt zu werden. Das Verbreiten von Lügen, Illusionen und Falschnachrichten gehört dabei selbstverständlich zum Geschäft. Den Erfolg des Populismus machen aber erst verführbare Bevölkerungen und Wählerschichten möglich, die solchen Parolen gern Vertrauen schenken, sich das Heil von nationaler Abschottung versprechen und  nur an ihren eigenen Vorteil denken – ohne jede Rücksicht auf andere und das Gemeinwohl. Dass  heute viele das glauben, was sie glauben wollen und die eigentlichen Realitäten gar nicht mehr zur Kenntnis nehmen, ist das eigentliche Problem. Aber nur die Wahrheit wird uns letztlich frei machen. (Gerd Felder)  

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Gerd Felder

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