Wochenkommentar

Mittwoch, 04. September 2019

Wir brauchen nicht nur Akademiker

Personalmangel betrifft zunehmend auch lebenswichtige Bereiche

Das ist schon länger zu beobachten und zu erleben: Einzelhandelsgeschäfte schließen, und die Räume bleiben leer. Das ist eine Folge davon, dass viele Kunden meinen, es sei bequemer, im Internet zu bestellen und die Ware notfalls zurückzuschicken. Auch das ist keine neue Erkenntnis. Doch jetzt ist eine Untersuchung veröffentlicht worden, die auf einen anderen, einen weiteren Grund für das Geschäfte-„Sterben“ hinweist: In den zurückliegenden zehn Jahren  haben in Deutschland 30 Prozent der Bäckereien und Metzgereien geschlossen, weil sie zu wenig Fachkräfte und Auszubildende finden. Auch aus der Gastronomie kommen Alarm-Meldungen: Wenn ein Pächter eines Restaurants, auch eines sehr gut gehenden, aus Alters- oder Gesundheitsgründen aufgibt, scheitert eine Nachfolge oft daran, dass ein möglicher neuer Pächter keinen Koch findet. Der muss ja bereit sein, dann zu arbeiten, wenn andere Zeitgenossen Freizeit genießen oder feiern. Dazu ist in unserer Event-Gesellschaft die Bereitschaft sehr gesunken.
Von Mangel an Personal, an Mitarbeitern sind inzwischen viele, auch lebenswichtige Bereiche betroffen. In Kindertagesstätten (Kita), in Krankenhäusern, Altenheimen und Pflegeheimen mangelt es an Fachpersonal; Feuerwehr, Polizei, Verwaltungen suchen dringend junge Leute, die bereit sind, sich ausbilden zu lassen. Handwerker müssen Aufträge ablehnen, weil ihnen Mitarbeiter fehlen (so bleiben unter anderem Schulen in einem maroden Zustand).
Aber: Der Andrang zu Universitäten blüht. Gegen Wissensdurst ist nichts einzuwenden, auch nicht gegen den Versuch, auf dem akademischen Weg voran zu kommen. Doch nicht jeder junge Mann, nicht jede junge Frau hat die Begabung und das persönliche Interesse für diesen Weg. Viele von ihnen fühlen sich jedoch unter einem – unsinnigen – Druck der Familie und der übrigen Umgebung. Dabei ist jeder Beruf ehrenwert und bietet Chancen. Ein abgebrochenes Studium ist vergeudete Zeit. Dagegen kann ein Studium nach einer Berufsausbildung sehr sinnvoll sein. Außerdem aber: Die Gesellschaft braucht alle – Nicht-Akademiker und Akademiker, Ärzte und Pfleger, Handwerker und Architekten, Bäcker, Metzger, Landwirte (immer auch in  der weiblichen Form).

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Rudolf Bauer

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