Altötting im Frühling - Reisebericht

Leserfahrt des „pilger“ führte nach Altötting

Früher Morgen des 4. Mai: Ein moderner Reisebus nahm eine Gruppe von einunddreißig Pilgern auf, die sich zu einer fünftägigen Wallfahrt nach Altötting aufmachten. Neben einem umsichtigen, gut vorbereiteten Reiseleiter wurde die „pilger-Leserreise“ von Pfarrer i. R., Msgr. Ernst Roth (Landau) geistlich betreut. Die Mitreisenden waren ein Querschnitt der Leserschaft aus dem gesamten Verbreitungsgebiet des „pilger“.

Auf dem Weg nach Altötting wurde die Fahrt in Augsburg unterbrochen zu einer Besichtigung des Stadtzentrums dieser schwäbisch-bayerischen Metropole. Eine professionelle Stadtführerin führte die Reisegruppe zu dem altehrwürdigen Hohen Dom zu unserer Lieben Frau. Die staunenden Besucher waren stark beeindruckt von dem Formenreichtum dieses ursprünglich romanischen Domes, von der Vielzahl der noch vorhandenen Seitenaltäre mit wertvollen Altarbildern aus der vorreformatorischen Zeit und seiner Krypta aus dem elften Jahrhundert. Neben einer Vielzahl von Sehenswürdigkeiten sind besonders die weltältesten Kirchenfenster zu nennen, deren bunte Glasmalereien nicht auf Glas, sondern noch auf Alabaster gemalt wurden. Sie sind das Werk eines unbekannten süddeutschen Meisters aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, weithin bekannt unter dem Namen „Drei-Propheten-Fenster“.

Danach ging die Besichtigungstour weiter zu der Fuggerei. Gestiftet wurde diese älteste Sozialsiedlung der Welt im Jahr 1521 von Jakob Fugger dem Reichen und ist seitdem ununterbrochen bewohnt. Der gesamte Komplex besteht aus 67 Häusern, die entsprechend der heute noch gültigen mittelalterlichen Satzung nur  an sozial bedürftige Familien oder Personen vermietet werden dürfen, zu einer seit Jahrhunderten unveränderten Jahreskaltmiete von umgerechnet 88 Cent!
Die heute noch existierende Familie derer von Fugger finanziert immer noch den Unterhalt der Häuser, unterstützt von wohlhabenden Mäzenen unserer Zeit. Viele der Häuser haben einen eigenen kleinen Garten, jede Wohnung hat einen eigenen separaten Eingang, und umschlossen wird das ganze Areal von einer Art Stadtmauer mit Toreingängen, die abends um zehn Uhr geschlossen werden. Einlass wird danach nur noch gegen einen kleinen Obolus gewährt. Der berühmteste Bewohner der Fuggerei war Franz Mozart, der Urgroßvater von Wolfgang Amadeus Mozart, der in der Mittleren Gasse Nr. 14 von 1681 bis 1693 wohnte. Auch eine kleine Kirche fehlt nicht, die heute noch unverändert erhalten ist und dem Evangelisten Markus geweiht ist.

Von Augsburg ging die Fahrt weiter nach Altötting. Untergebracht war man im Hotel Zwölf Apostel, zentral gelegen in der Fußgängerzone des heiligen Bezirks rund um den Kapellplatz mit seinen zahlreichen Kirchen und sakralen Gebäuden. Nach dem Frühstück stand am nächsten Tag ein Gottesdienst auf dem Programm zum Fest Christi Himmelfahrt. In der benachbarten Bruder-Konrad-Kirche zelebrierte Msgr. Roth gemeinsam mit zwei Franziskanerpatres eine Pilgermesse, an der auch die Reisegruppe aus dem Bistum Speyer teilnahm. Danach schloss sich eine Führung durch die Wallfahrtsstätten rund um den Kapellplatz an. Bei strahlendem Sonnenwetter genoss man die Atmosphäre des weitläufigen Platzes rund um die Gnadenkapelle mit dem zentral gelegenen Marienbrunnen, den beiden Chorherrenstöcken (heute ein Gasthof im linken, Verwaltung und Pfarramt im rechten Bau) sowie dem Rathaus. Auf der gegenüber liegenden Seite steht die mächtige Pfarrkirche St. Philippus und Jakobus mit ihren weithin sichtbaren, spitzen Türmen. Sehenswert ist das Kircheninnere, der Kreuzgang und die Tilly-Gruft. Auf der anderen Straßenseite, am östlichen Ende des Kapellplatzes stehen die Klosterkirche St. Magdalena und links daneben der Kongregationssaal, beides Bauten der Jesuiten.

Ein Besuch der Gnadenkapelle sollte immer auch einen Besuch des Umgangs einschließen. Hier hängen etwa 2000 Votivtafeln als Ausdruck der Frömmigkeit und des Dankes ihrer Stifter für die erfahrene Hilfe durch die Gottesmutter. Betritt man das Innere des Oktogons der Kapelle, erkennt jeder Besucher sofort, wieso die Wallfahrt „zur schwarzen Muttergottes“ genannt wird: Nicht nur das Gnadenbild, auch das gesamte Innere des Baus wird von der schwarzen Farbgestaltung dominiert. Hier im Zentrum der Gnadenkapelle, dem Mittelpunkt bayerischer Frömmigkeit, überstrahlt einzig der helle Glanz des Altars das vorherrschende Dunkel. Vor der ganz mit Silber ausgekleideten Nische steht der Gnadenaltar mit dem Silbertabernakel für das Gnadenbild, der Muttergottes mit dem Jesuskind.
Weiter ging die Führung an der Papstlinde vorbei, die 1980 von Papst Johannes Paul Il. gepflanzt wurde, zur Bruder-Konrad-Kirche mit dem Reliquiengrab des Heiligen unter dem Altar mit Baldachin. Auch der Bruder-Konrad-Brunnen ist ein wichtiges Ziel der Pilger. Dem Wasser wird eine besondere Heilkraft zugewiesen, besonders bei Augenleiden.

Am westlichen Ende des Bruder-Konrad-Platzes steht die Basilika St. Anna. Sie wurde Anfang des vorigen Jahrhunderts erbaut und überragt mit ihrer neubarocken Fassade von 42 Metern den gesamten Platz. In dem mittleren Fassadenfeld stehen weithin sichtbar vier riesige weiße Figuren, die die Ahnherren von Jesus Christus darstellen sollen: Adam, Jesse, David und Abraham. Im Giebelrund ist die heilige Anna dargestellt, die von ihrer Tochter Maria das göttliche Kind überreicht bekommt. Der Innenraum des Gotteshauses mit seiner barocken Ausstattung fasst mit der Galerie, die über den 12 Seitenaltären verläuft, über 8000 Menschen. Die Größe eines Innenraumes von der Dimension der St. Anna-Basilika wurde notwendig, um die immer größer werdende Zahl der Wallfahrer aufzunehmen.
Am Nachmittag führte ein Ausflug nach Marktl am Inn, dem Geburtsort von Papst Benedikt XVI. Geburtshaus, Taufkirche und Benediktsäule sprechen für die Verehrung und Wertschätzung des Papstes aus Bayern.

Der Freitag war vorbehalten für einen Ausflug in das Berchtesgadener Land. Besser hätte auch das Wetter an diesem Tag nicht sein können. Der strahlend blaue Himmel und die schneebedeckten Berge der bayerischen Alpen ließen ahnen, warum die bayerischen Landesfarben weiß-blau sein mussten. Schon die Fahrt über Trostberg, Traunstein, Bad Reichenhall nach Berchtesgaden führte durch eine traumhaft schöne Landschaft. Kaum in Berchtesgaden angekommen, hieß es hineinschlüpfen in Bergmannskleider, fertigmachen zur Einfahrt unter Tage. Mit einem Glückauf fuhren die Speyerer in das Salzbergwerk von Berchtesgaden ein. Über Rutschen und einen unterirdischen See wurden sie mehr als sechzig Minuten durch das Stollensystem tief unten im Berg geführt. Salz war im Mittelalter eines der wenigen Konservierungsmittel. Die aufwändige Gewinnung des Salzes hinterließ bei allen das Verständnis, warum man vom „Gold des Mittelalters“ spricht. Mit Weißwurst, Brezel und Bier galt es sich zu stärken, bevor es zum Königssee ging. Am Nachmittag fuhren wir mit dem Schiff nach St. Bartholomä, unvergessen auch das durch einen Trompetenbläser erzeugte Echo vom Königssee. In Bartholomä angekommen, hatte jeder die Zeit bis zur Rückfahrt zu seiner freien Verfügung. Manche nutzten die Zeit für eine Erfrischung, andere erfreuten sich an dem alpenländischen Kirchlein vor Ort. Der Name seines Patroziniums gab der Gegend ihren Namen. Wieder andere nutzten die Zeit zum Wandern. Der Schönheit der Schöpfung wurde auf der Rückfahrt mit einem „Lobet den Herrn“ und einem Gebet gedankt.

Am vierten Tag besuchten die Wallfahrer Burghausen in der Nachbarschaft von Altötting. Die malerische Altstadt und die Burganlage über der Stadt wurde erschlossen von einer fachkundigen Historikerin. Sie führte durch die längste Burganlage Deutschlands, mit ihren zahlreichen Toren und Innenhöfen.
Nach dem Mittagessen besuchte die Gruppe ein Kleinod des Barocks südlich von Burghausen: die Klosteranlage von Raitenhaslach. Sie war einst ein mächtiges Kloster der Zisterzienser, das allen Kriegen und Wirren der Zeiten trotzte, bis es in der Säkularisation von der kurfürstlich-bayerischen Aufhebungskommission 1803 aufgelöst wurde. Danach fiel es in einen langen Dornröschenschlaf, um in unserer Zeit wiedererweckt zu werden. Ein Juwel ist in Raitenhaslach wieder auferstanden. Abends nahmen die Pilger in Altötting an einer Lichterprozession teil. Eine schier endlose Menschenschlange zog betend und singend mit Kerzen auf den Kapellplatz, um der Muttergottes ihre Sorgen und Nöte vorzubringen oder auch nur Danke zu sagen.
Der Sonntag sah die Rückreise über Freising vor. Die Stimmung war gemischt. Einerseits bedauerte man, dass die Reise an ihr Ende kam, andererseits freute man sich auch wieder auf zu Hause. Durch die sanfte niederbayerische Hügellandschaft führte der Weg nach Freising. Dort fand die Reise ihren krönenden Abschluss mit dem Besuch des Sonntagsgottesdienstes im Dom. Anschließend machten die Pilger einen Rundgang auf dem Domberg. Ein Stadtführer ermöglichte eine Domführung, und die Besucher hatten auch Gelegenheit, einen Blick auf die Altstadt und auf Weihenstephan zu werfen. Gelöst und zufrieden fuhr man am Nachmittag Richtung Heimat zurück. (Dr. Werner Heinrich)

Hier geht es zur Bildergalerie der Reise nach Altötting.

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