Auf den Spuren Martin Luthers – Reisebericht

Begegnungen mit Martin Luther

Pilgerleser aus der Pfalz und der Saarpfalz machten sich vom 13. bis 17. Juni auf den Weg, um unter der Leitung von Pfarrer i.R. Bernhard Linvers den Spuren Martin Luthers zu folgen. Besucht wurden die Lebens- und Wirkungsstätten des Reformators in Erfurt, Eisleben, Mansfeld, Halle, Wittenberg und die Wartburg.

Auf der Hinfahrt zum Kloster Helfta, wo die Gruppe während der fünftägigen Reise untergebracht war, stand zunächst Erfurt auf dem Programm mit einer Stadtführung vom Dom durch das mittelalterlich geprägte Zentrum der thüringischen Landeshauptstadt. Eine der herausragenden Attraktionen ist die Krämerbrücke, auf der nicht wenig Geschäftshäuser stehen – unter diesen ein Laden mit Produkten für Linkshänder. Luther ist einer der bekanntesten Studenten der dortigen Universität. Der Reformkatholik, wie die evangelische Theologin Margot Käßmann Luther nennt, lebte rund sieben Jahre im hiesigen Kloster, das im Zweiten Weltkrieg teilweise schwer getroffen wurde.

In Eisleben – offiziell Lutherstadt Eisleben – führte der Rundgang auf Luthers Spuren durch die Altstadt, unter anderem zur Geburtsstätte und ins Sterbehaus Luthers. Über dem rekonstruierten Sarg liegt das originale schwarze Sargtuch. Weiter ging es an den Ort der Taufe Luthers, in die St.-Petri-Paul-Kirche, und in die St.-Andreas-Kirche, in der Luther seine vier letzten Predigten gehalten hat. Daher wird die Kanzel dort auch Lutherkanzel genannt. Das herausragende Kunstwerk in St. Andreas ist ein Altar mit der „Krönung Mariens“. Die Reise fand ihre Fortsetzung in den verträumten Ort Mansfeld und nach Halle, beides ebenfalls mit Luther verbundene Städte. In Mansfeld verbrachte Luther großenteils seine Kindheit, hier war er Messdiener; ein Museum zeigt Exponate zu diesem Thema. In der Marktkirche in Halle predigte Luther in den Jahren 1545 und 1546, hier wurde sein Leichnam im Zuge seiner Überführung von Eisleben nach Wittenberg aufgebahrt.

In Wittenberg ging es von der Schlosskirche, wo der Legende nach Luther seine Thesen angeschlagen haben soll, und er und sein Mitstreiter Melanchton begraben sind, weiter in den Cranach-Hof und zum Augustinerkloster, in dem Luther und seine Frau Katharina viele Jahre wohnten.

Nach viel Geschichte und Kunstgenuss sorgte eine Weinprobe im Hotel und Weinrestaurant „Zur Sonnenuhr“ in Freyburg für kulinarischen Genuss mit vorzüglichen Saale-Unstrut-Weinen und einem exellenten Vier-Gänge-Menue. Gleichzeitig erfuhren die Teilnehmer viel Interessantes über die Geschichte dieser Weinregion.

Ein Tag der Reise war ganz dem Kloster Helfta gewidmet. Schwester Gratia nahm die Reisegruppe mit auf einen historischen Rundgang durch das Kloster St. Maria und in die Klosterkirche. Im 13. Jahrhundert galt dieses Kloster als die „Krone der deutschen Frauenklöster“, 1988 – noch zu DDR-Zeiten – sollte es gesprengt werden. Wer wollte, erkundete anschließend selbstständig das weitere Klostergelände, das „Lebendige Labyrinth“ im Klostergarten – ein Feuerwerk an Blütendüften – und ging zu dem kleinen Schwesternfriedhof. Eine Bank vor einem Kreuz unter Bäumen animierte manchen Besucher zum stillen Gebet oder zur Meditation.

Auf der Heimreise steuerte der Reisebus den Schlusspunkt der Bildungsreise an – die Wartburg, in der Luther das Neue Testament in ein verständliches Deutsch übersetzte. Wahrscheinlich bricht hier bei manchem Besucher ein Weltbild zusammen, wenn er hört, dass es den berühmtesten Tintenklecks wahrscheinlich nie gegeben hat. Die Tinte sei Ruß vom Ofen gewesen, versicherte die Burgführerin mit glaubhaftem Blick. Und daher sei der Teufel dem Luther – in der heutigen „Lutherstube“ – gar nicht erschienen und der Reformator habe deshalb nie mit einem Tintenfass nach dem Satan geworfen, um diesen zu vertreiben. Wenigstens ist die Stelle am Ofen erhalten, an der Touristen schon in längst vergangenen Zeiten Putzbrocken mit der vermeintlichen Tinte aus der Wand geklopft und als Souvenir mitgenommen haben.

Während der ganzen Reise informierte Pfarrer i. R. Bernhard Linvers immer wieder umfassend über Luther, Melanchton, Zwingli, Calvin, die Reformation, die Protestation und über Luthers Thesen, und konnte so die gesammelten Eindrücke vertiefen. (bebu)

Impressionen der Martin-Luther-Reise finden Sie in unserer Bildergalerie

Lesehinweis

Preisgekrönte Examensarbeit zum Thema "Martin Luther im Kloster zu Erfurt"

Anlässlich der Lutherdekade und des 500jährigen Reformationsjubiläums im Jahr 2017, beschäftigt sich die Arbeit mit der Zeit Martin Luthers im Erfurter Augustinerkloster von 1505 bis 1511 - eine Zeit, mit der die tiefe und intensive Auseinandersetzung Luthers mit der Theologie beginnt.

Beginnend mit den Gründen für den Klostereintritt, über den klösterlichen Werdegang beschäftigt sich die Arbeit damit, welche Einflüsse auf die Entwicklung Martin Luthers während seiner Zeit im Augustinerkloster zu Erfurt auf Martin Luther eingewirkt haben.

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Zur Person Benedikt Seibel

Ich bin jetzt 29 Jahre alt und habe Katholische Theologie und Geographie auf
Gymnasiallehramt an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main studiert und
im Mai das Erste Staatsexamen abgelegt. 

Meine Examensarbeit entstand von Oktober bis Dezember 2011. Im Rahmen einer
Feierstunde wurden im Juni 2012 die Preise der Gesellschaft der Alumni und
Freunde des Fachbereiches Katholische Theologie (GAFF) der Johann Wolfgang
Goethe-Universität Frankfurt am Main e.V. für die besten Examensarbeiten am
Fachbereich Katholische Theologie im vergangenen akademischen Jahr
(2011/2012) verliehen. 

Meine Arbeit wurde dabei mit dem dritten Preis prämiert.

Information und Anmeldung zu den Reisen

Weitere Informationen zu den pilger-Leserreisen erhalten Sie bei:

"der pilger"
Hasenpfuhlstr. 33
67346 Speyer
Tel. 06232-102423
Fax 06232-102341

info@pilgerreisen-speyer.de
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