Fatima zum Erscheinungstag - Reisebericht

 

Fatima – Glaubensgemeinschaft erfahren im „Tal der Iria“

 

Fatima hieß das Ziel einer Leserreise des „Pilgers“, die als Sternwallfahrt zusammen mit Gruppen anderer, bayerischer Diözesen im August stattfand. Organisiert vom Bayerischen Pilgerbüro nahmen 30 Gläubige aus der Diözese Speyer teil, geführt von der Reiseleiterin Kerstin Schöffner, begleitet von Pfarrer Achim Dittrich. Fünf Tage spürten die Wallfahrer dem Geheimnis von Fatima nach und erlebten im 99. Jahr nach den Erscheinungen von 1917 die Faszination der katholischen Pilgerstätte von Weltrang.

Man könnte meinen, die Geschehnisse während des Ersten Weltkrieges, als drei Hirtenkinder im portugiesischen Hinterland eine Reihe von Marienerscheinungen erfuhren, seien reine Historie oder nur noch von religionspsychologischem Interesse. Aber Fatima zeigt sich als lebendiges, aktuelles Phänomen, das nicht nur auf die Portugiesen weiterhin große Anziehung ausübt. Gewiss sind manche Gebräuche am Wallfahrtsort romanischen Charakters und für Mitteleuropäer nicht ohne weiteres verständlich. Überhaupt ist das Gepräge der Marienbotschaften für heutige Ohren ungewohnt, wenn von Buße und Strafe, von Fegefeuer und Hölle, von täglichem Rosenkranz und Sühnekommunion die Rede ist. Manches scheint von der damaligen Zeit und kindlicher Frömmigkeit, manches von südländischer Mentalität geprägt zu sein. Doch auch nach dem Mauerfall und Niedergang des sowjetischen Kommunismus bleibt die Welt gezeichnet von Gottlosigkeit und Gewalt, von Sünde und Unmoral, die das menschliche Miteinander verhehren und den Himmel betrüben. Es ist anrührend, wie damals die drei Kinder Lucia, Jacinta und Francisco bereit waren, stellvertretend für die Menschheit aufopferungsvoll zu beten und sich zu kasteien. Als heutiger Pilger spürt man auf’s Neue die Notwendigkeit, füreinander zu beten. In Fatima wird die Kirche sichtbar als betende Gemeinschaft. Die Menschen suchen Hilfe und Geborgenheit an diesem Ort, an dem die Mutter des Herrn sich gezeigt und mitgeteilt hat. Maria steht im Mittelpunkt, besonders wenn ihre weiße Figur auf der blumengeschmückten Trage durch die Menschenmenge zieht. Daran mag sich der äußere Blick des ökumenisch sensiblen Theologen zunächst stören. Aber bei genauerem Hinsehen findet man als Mitte des großen Pilgerplatzes zwischen Rosenkranz- und Dreifaltigkeitskirche die Säule mit dem goldenen Heiland, erfährt man das ganze Spektrum katholischen Glaubens ohne Abstriche. Auch hier bestätigt sich die katholische Erfahrung: Marienfrömmigkeit verkürzt nicht den christlichen Glauben, sondern entfaltet ihn, macht ihn menschlich zugänglich.

Maria erscheint als himmlische Mittlerin, als die Begnadete und große Glaubende, die im Himmel als erstes Geschöpf angekommen ist, mit Leib und Seele. Dieses Festgeheimnis konnten die knapp 200 Pilger der bayerischen Sternwallfahrt unter Leitung von Weihbischof Herwig Gössel aus Bamberg am Hochfest der Aufnahme Mariens am 15. August erleben. Eine Lichterprozession findet an jedem Abend statt, nach dem international gebeteten Rosenkranz an der Erscheinungskapelle (vom 12. Mai bis 13. Oktober jedes Jahr!). Eine große Liturgie, sorgfältig und andächtig begangen, findet an den Hochfesten und Sonntagen statt, so auch am 14. und 15. August diesen Jahres. Die Abende sind lang in Fatima, wenn man von neun Uhr bis Mitternacht am Gebet, an der Prozession und an der Heiligen Messe oder Vigil teilnimmt. Die weltweite Kirche ist hier erlebbar, auch wenn das Portugiesische natürlich eine gewisse Bevorzugung erfährt. Aber der internationale Charakter dieser Gebetsstätte ist ungebrochen. So erfuhren die Speyerer Pilger geistlich einprägsame Tage, einzeln und als Gruppe. Es war keine Erholungsreise, sondern eine echte Wallfahrt, geprägt vom Charisma Fatimas. Die Besichtigung des königlichen Klosters Batalha sowie des Seebades Nazaré rundeten die Reise ab.

Wir hatten die gefühlvollen Lieder Fatimas noch im Ohr, als uns das Flugzeug von Lissabon nach Frankfurt zurück brachte. Und der gütige Blick der königlichen Madonna bleibt im Gedächtnis.

2017 werden noch mehr Menschen nach Fatima kommen, auch der Papst, um die 100-Jahr-Feier zu begehen. Dass der Himmel die Menschen sich nicht sich selbst überlässt, dass die „Gemeinschaft der Heiligen“ die Gläubigen auf der Erde mit dem Himmel verbindet, das ist eine urchristliche Überzeugung, die in Fatima wie kaum irgendwo erfahrbar ist. Jeder Wallfahrtsort hat seine Besonderheit, Fatima empfiehlt sich für jeden Gläubigen, gerade wenn Sorgen und Kummer nichtkörperlicher Art einen plagen. In der 2007 eingeweihten Dreifaltigkeitskirche gibt es neben diversen Kapellen auch einen modernen Bereich für das Beichtsakrament sowie eine Pforte der Barmherzigkeit. Sünde und Barmherzigkeit, Schuld und Vergebung, Gebet und Gnade – das sind die geistlichen Erfahrungsmomente von Fatima. (ad)

Hier geht es zur Bildergalerie der Reise nach Fatima.

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